Fachkräftemangel, Klimawandel und geopolitische Unsicherheiten stellen den Tourismus vor immer neue Herausforderungen. Ein Projekt der FH Kufstein Tirol zeigt, wie Destinationen ihre Stärken gezielt ausbauen und Potenziale entfalten können.
Es lässt sich nicht alles vorhersehen oder kontrollieren – deshalb braucht es Resilienz“, erklärt Projektleiter Mario Situm von der FH Kufstein Tirol. „Aber nicht im Sinne eines Betonblocks, der unter Druck zerbricht – eher wie Schilf: Es biegt sich im Wind und richtet sich danach wieder auf.“ Genau dieses Ziel verfolgt das Forschungsprojekt „Resilienter Tourismus“: Destinationen dabei zu unterstützen, Krisen zu meistern und gestärkt daraus hervorzugehen.

Podiumsdiskussion beim 1. Kongress „Resilienter Tourismus – Menschen & Mitarbeitende stärken!“
Widerstandsfähigkeit auf drei Ebenen
Hinter der Innovationsinitiative steht ein grenzüberschreitendes Konsortium aus der FH Kufstein Tirol, der FH Salzburg, der Chiemgau GmbH – Tourismus und der Österreichischen Hotelvereinigung, kofinanziert durch das EU-Programm Interreg Bayern-Österreich. Die dreijährige Initiative läuft seit Anfang 2024 bis Ende 2026. Gemeinsam entwickeln die Partner neue Werkzeuge und Kompetenzen für Destinationen in Tirol, Salzburg und Oberbayern. „Die Idee entstand während der Coronapandemie“, so der Projektleiter. „Damals zeigte sich, wie schnell ein vermeintlich stabiler Wirtschaftszweig ins Wanken geraten kann.“
Aus dieser Erfahrung entstand ein Modell, das Resilienz auf drei Ebenen betrachtet: individuell, betrieblich und regional. Der Ansatz beginnt beim Menschen: Führungskräfte und Mitarbeitende lernen, mit Unsicherheiten umzugehen. Auf der betrieblichen Ebene geht es darum, Strukturen zu schaffen, die flexible Reaktionen auf neue Herausforderungen ermöglichen. Die dritte Perspektive umfasst Regionen, in denen viele Akteure gemeinsam handeln müssen.

„Es lässt sich nicht alles vorhersehen oder kontrollieren –
deshalb braucht es Resilienz.“
- Mario Situm, Projektleiter
Messbare Entwicklungen
Ein sichtbares Forschungsergebnis ist das Resilienz-Dashboard, das 66 Tourismusverbände abbildet. Grundlage sind 18 Indikatoren aus wirtschaftlichen, ökologischen und gesellschaftlichen Bereichen. Das Benchmarking-Tool zeigt, wo Regionen bereits gut aufgestellt sind und wo noch Entwicklungspotenzial besteht.
„Die interaktive Plattform ist öffentlich zugänglich und bietet EntscheidungsträgerInnen wie Interessierten eine datenbasierte Orientierung.“ Ergänzend wird zudem ein Resilienz-Tool entwickelt, mit dem Tourismusbetriebe ihre eigene Widerstandsfähigkeit analysieren können.

Nachhaltig in die Zukunft
Neben praktischen Instrumenten setzt das Projekt auch auf Bildung. Gemeinsam mit der FH Salzburg wurde der zweisemestrige Zertifikatslehrgang „ResilienzmanagerIn im Tourismus“ entwickelt, den bereits 54 Teilnehmende absolvieren. „Der Lehrgang wird als duales Programm angeboten“, sagt Situm. „Die Studierenden wechseln während der Ausbildung zwischen den beiden Hochschulen und lernen so unterschiedliche Perspektiven und Netzwerke kennen.“ Um dieses Wissen einem breiten Publikum zugänglich zu machen, entstehen zudem digitale Micro-Learning-Module, die künftig auch Betriebe und Einzelpersonen nutzen können.
Auch nach dem offiziellen Projektende 2026 soll das Projekt weiterwirken: Viele der entwickelten Instrumente – vom Dashboard über das betriebliche Resilienz-Tool bis hin zum Lehrgang – sollen dauerhaft bestehen bleiben. „Genau darin liegt der Anspruch der Initiative: Innovation nicht nur zu erforschen, sondern nachhaltig in der Praxis zu verankern.“

Zahlen, Daten, Fakten zum Projekt
- 3 Jahre Laufzeit: 1. Jänner 2024 bis 31. Dezember 2026
- 13 Mitarbeitende
- Projektleiter: Mario Situm von der FH Kufstein Tirol
- 3 Kongresse und 9 Kamingespräche zum Netzwerken
- 4 Hauptpartner: FH Kufstein Tirol, FH Salzburg, Chiemgau GmbH – Tourismus, ÖHV
- 66 Tourismusverbände
