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Start-up Datum Coffee

Wenn Maschinen Bohnen verstehen

Nikolaus Potapow (l.) und Christoph Konheisner gründeten Datum Coffee im Jahr 2025.
Start-up Datum Coffee

Wenn Maschinen Bohnen verstehen

Nikolaus Potapow (l.) und Christoph Konheisner gründeten Datum Coffee im Jahr 2025.

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Viele Start-ups haben in Tirol bereits kreative Geschäftsmodelle auf die Beine gestellt. In dieser Rubrik wollen wir die heimischen GründerInnen in den Fokus rücken und ihre innovativen Ideen vorstellen. Diese Woche: Datum Coffee.

Die beiden Industriedesigner und Produktentwickler Nikolaus Potapow und Christoph Konheisner beschäftigen sich seit Jahren mit Alltagsgeräten – nun widmen sie sich einer Frage, die viele Haushalte kennen: Wie gelingt guter Kaffee zu Hause zuverlässig? Mit Datum Coffee entwickeln sie ein System aus Maschine, Mühle und digitaler Plattform, das Zubereitung und Bohneninformation miteinander verbindet. Der Markt für hochwertigen Kaffee wächst, doch die Bedienung bleibt für viele kompliziert.

Warum ist guter Kaffee zuhause oft schwierig?

Weil Technik und Wissen auseinanderfallen. Hochwertiger Kaffee – oft als „Specialty Coffee“ bezeichnet – verlangt genaue Einstellungen: Mahlgrad, Temperatur, Wassermenge und Zeit müssen zusammenpassen. Für viele NutzerInnen bedeutet das Experimentieren.

„Der Anspruch an Kaffee hat enorm zugenommen – doch zuhause sehen sich Konsumentinnen und Konsumenten entweder mit komplexen Siebträgermaschinen konfrontiert oder mit Kaffeevollautomaten, die meist bedenklich keimbelastet sind“, betont Potapow.

Die Folge: Viele kaufen zwar hochwertige Bohnen, können sie aber nicht reproduzierbar zubereiten. Unterschiedliche Röstungen reagieren empfindlich auf kleine Abweichungen. Wer keine Erfahrung hat, erhält schnell ein bitteres oder flaches Ergebnis.

Konheisner beschreibt das als strukturelles Problem: „Ein offenes System zu bauen bedeutet, Technik, Design und Community gleichzeitig zu denken. Das ist komplex, aber genau darin liegt das Potenzial.“

Die Gründer sehen darin eine Lücke zwischen professionellen Röstereien und privatem Alltag. Während Cafés ihre Rezepte exakt einstellen, bleibt das Wissen beim Verkauf meist außen vor.

datumcoffee produktsystem

Das Produktsystem von Datum Coffee: Kaffeemaschinen und Kaffeeanbieter sollen über eine digitale Plattform aufeinander abgestimmt werden.

Wie soll das System den Kaffee automatisch einstellen?

Indem die wichtigen Informationen direkt in die Maschine gelangen. Datum Coffee entwickelt ein offenes Ökosystem aus Kaffeemaschine, Mühle und digitaler Rezeptplattform. Anbieter wie Röstereien können dort etwa die optimalen Parameter für ihre Bohnen hinterlegen.

Zu Hause fotografieren NutzerInnen lediglich die Kaffeepackung – das System erkennt die Sorte und stellt Mahlgrad und Brühparameter automatisch ein. „Einfach richtig guter Kaffee in wenigen schönen Handgriffen – mit Gelinggarantie“, formuliert Potapow das Ziel.

Die Hardware soll energieeffizient arbeiten, kaum Aufheizzeit benötigen und ohne komplizierte Bedienmenüs auskommen. Gleichzeitig bleibt das System offen: Auch andere Maschinenhersteller könnten künftig die Schnittstellen nutzen.

Damit positioniert sich das Start-up weniger als Gerätehersteller, sondern als Vermittler zwischen Rösterei, Maschine und NutzerIn.

„Jede Tasse Kaffee – genau so, wie sie schmecken soll. Egal, woher die Bohne kommt, egal, welche Maschine sie zubereitet“, erklärt Konheisner.

Prototypen funktionieren bereits. Unterstützt wird die Entwicklung durch Förderungen von über 200.000 Euro, unter anderem über das Programm Boost.Up! von Startup Tirol sowie ein Kooperationsprojekt mit der Universität Innsbruck und dem Maschinenbauunternehmen Grissemann in Kufstein. Außerdem bestehen Partnerschaften mit Röstereien in Österreich und Deutschland.

datumcoffee produkt detail

Detailaufnahme: Die Einstellungen sollen automatisch an die jeweilige Röstung angepasst werden.

Was plant Datum Coffee als Nächstes?

Zunächst den Markttest. Die Geräte sollen im Herbst 2026 über Crowdfunding starten. Parallel wird an Patent- und Markenschutzrechten gearbeitet, um das System serienreif zu machen und kreislauffähig – also reparierbar und langlebig – zu konstruieren.

Langfristig sehen die Gründer eine Standardisierung im Kaffeemarkt. Röstereien könnten ihre Rezepte digital veröffentlichen, während Geräte automatisch darauf reagieren.

„Wir demokratisieren hochwertigen, fair verarbeiteten Kaffee mittels nachhaltigem Design. Für uns ein echter Traum“, sagt Potapow.

Ob sich ein solcher offener Standard durchsetzt, hängt nicht nur von Technik, sondern auch von Akzeptanz ab: Je mehr Hersteller und Röstereien teilnehmen, desto größer wird der Nutzen. Für das Start-up bedeutet das neben Produktentwicklung vor allem Aufbau eines Netzwerks.

18. Februar 2026 | AutorIn: Max Hofer | Foto: Datum Coffee

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