Letztes Update: 12.01.2026 um 9:50 Uhr.
Hannes Rauch hat im Juni 2022 den Fünftligisten FC Wacker Innsbruck übernommen. Mittlerweile in dritter Spielklasse und auf dem Weg in die zweite Liga, kann der ehemalige Politiker über Risiken, Stabilität, Erfolg und Zusammenarbeit sprechen – jetzt als ganzes Interview.
Herr Rauch, was drängt einen aus der politischen Hängematte ins Fußballbusiness? Und dann auch noch zu einem Verein, der in den letzten Jahren nicht gerade durch Stabilität geglänzt hat.
Hannes Rauch: Also: Politik ist auch ein sehr anspruchsvoller Job. Und ich hab ihn auf vielen verschiedenen Ebenen sehr gerne gemacht: im Landtag, im Nationalrat, als Vizebürgermeister und vieles mehr. Ich entdecke sehr oft Parallelen. Zum Glück hat die Arbeit bei Wacker Innsbruck nichts mit parteipolitischem Hickhack am Hut. Und trotzdem sage ich: Sport ist immer politisch. Denn er übernimmt sehr viele gesellschaftspolitische Agenden. Nehmen Sie die Integrationsarbeit in der Nachwuchsförderung. Da wird es am ehesten klar. Ein Verein wie Wacker Innsbruck hat meiner Meinung nach eine klare gesellschaftspolitische Verantwortung.
Waren Sie eigentlich vor Ihrer Funktion hier im Verein schon Wacker-Innsbruck-Fan?
Ja, ich war schon als Student im alten Tivoli und habe Hansi Müller, „Pipo“ Gorosito und dann auch Peter Pacult angefeuert. Ende der 1980er- und Anfang der 1990er-Jahre waren das alles Legenden. Ich bin auch gebürtiger Innsbrucker und dann erst nach Kufstein gezogen. An dem Verein ist man nicht wirklich vorbeigekommen. Jeder war einmal in seinem Leben entweder am Tivoli alt oder neu.
Wenn Sie an die letzten dreieinhalb Jahre zurückdenken, was geht dann in Ihrem Kopf rum?
Man macht das relativ selten. Leider. Fußball ist ein brutales Tagesgeschäft. „Nichts ist älter als das Spiel von heute“, heißt es bei uns immer. Am Anfang war das schon sehr turbulent.
Zum Verein bin ich eigentlich wie die Jungfrau zum Kind gekommen. Ich bin ein wenig reingestolpert und dann hat mich der Ehrgeiz gepackt. In den ersten Wochen haben mein Vorstandskollege Jakob Griesebner und ich nicht gewusst, ob wir den Verein so durchbringen können. Wir hatten dann auch Glück. Wir stellten fest, dass ohne einen Investor schwer was zu machen sein wird. Und in dem Moment hat sich ein Investor gefunden.

"Sport ist immer politisch." Hannes Rauch
Wie ist der Kontakt zustande gekommen?
Tatsächlich über Bayern München. Vor etwa drei Jahren. Wir hatten dann gleich einen Call mit LAFC zum Jahreswechsel zwischen 2022 und 2023. Dann mussten wir entscheiden, ob wir unser Recht in Anspruch nehmen und als Vorstand das Geschäft einfach eingehen, ohne die Mitglieder einzubeziehen. Uns und LAFC war es aber wichtig, gerade im Hinblick auf die vorhergehenden Investments, die Generalversammlung zu befragen. Das haben wir dann auch gleich bei der Jahreshauptversammlung gemacht. Der Vorschlag wurde mit über 98 Prozent Zustimmung angenommen.
Wie froh waren Sie darüber?
Für mich war es entscheidend, dass der Verein wirtschaftlich stabil dasteht. Natürlich hat das auch was mit der Vorgeschichte des Vereins zu tun. In den letzten 20 Jahren hatten wir viele Hochs, aber auch sehr viele Tiefs. Mit LAFC gewannen wir diese Stabilität zurück. Also bin ich sehr froh darüber.
Wie wirkt sich die Arbeit auf andere potenzielle Sponsoren aus? Das Image war zuvor ziemlich ramponiert. Aber es ist uns durch harte und konsequente Arbeit gelungen, die Marke wieder aufzubauen. Auf Sponsoren hat das großen Eindruck gemacht und macht es immer noch. Wacker Innsbruck ist wieder eine tolle Marke. Es hat sich aber nicht einfach so ergeben. Es ist sehr viel Arbeit im Hintergrund notwendig gewesen, um das wieder hinzubekommen.
„Die zweite Liga ist für viele wirtschaftlich eine Herausforderung.“
Hannes Rauch
Ich habe auch den Eindruck, dass zwar der Einstieg von LAFC damals ein paar Schlagzeilen gemacht hat, aber später sehr viel im Stillen passiert ist. War das so gewollt?
LAFC ist ein sehr interessanter Club. Die Führung dort hatte vor einigen Jahren das Ansinnen, ein internationales Fußballnetzwerk aufzubauen. Und wir waren der erste Verein, den sie da aufgenommen haben. Damals befanden wir uns in der fünften Spielklasse und waren ein kompletter Amateurclub. Natürlich habe auch ich mich gefragt, warum sie sich gerade für Innsbruck entschieden haben. Sie waren da von Anfang an sehr transparent: Wacker Innsbruck ist ein Traditionsverein in einer schönen Stadt mit Zuschauerpotenzial, einer Tradition, einem Stadion, das noch völlig in Ordnung ist. Dann kam Grasshoppers Zürich dazu. Mit dem FC Bayern haben sie ein Joint Venture gegründet und da sind in der Zwischenzeit ein Club aus Uruguay, einer aus Korea und eine Akademie in Gambia mit dabei.
Ziel des Ganzen wäre natürlich, Spieler mit- und weiterzuentwickeln. Es muss ja nicht sein, dass in der österreichischen Liga Schluss ist. Es wäre doch auch schön, wenn einmal einer unserer Spieler in einer der Top-Fünf-Ligen spielt.

Hannes Rauch ist seit Juni 2022 Präsident des FC Wacker Innsbruck. Zuvor war er in der Politik, u. a. als Landtags- sowie Nationalratsabgeordneter und als Generalsekretär der Bundes-ÖVP sowie Sportsprecher, tätig.
Läuft die eigene Jugend dabei Gefahr, unbeachtet zu bleiben?
Wir haben eine klare Strategie: Zuerst schauen wir, was in Tirol passiert. Mit Adrian Lechl haben wir da ganz klar etwas vorzuweisen. Oder mit Luis Gstrein aus dem Ötztal. Max Köchl ebenso oder dem jungen Christopher Weinzierl, der gerade erst 18 geworden ist. Danach schauen wir erst ins Netzwerk. In unserem jetzigen Kader sind zehn bis zwölf Spieler mit dabei, die schon in der Jugend bei Wacker gespielt haben. Wacker brachte immer Talente hervor und wir wollen dort auch wieder hin.
Sie haben in einem Interview gesagt, Sie planen immer so, als wären Sie bereits eine Liga höher. Tut man sich damit einen Gefallen?
Das sagen und leben wir und das hat nicht nur mit dem Budget zu tun. Wir wollen auch von der Stärke der Mannschaft und von der Infrastruktur und der Administration her immer eine Spielebene voraus sein. Wenn wir uns hier im Stadion umschauen, sind wir mindestens schon für die zweite Liga gewappnet.
Spielerisch sieht es ja auch nicht schlecht aus.
Wir wollen mal nichts verschreien. Aber der Meistertitel ist unser klares Ziel.
Wenn man sich die letzten Jahre im österreichischen Fußball anschaut, sind im internationalen Vergleich relativ viele Vereine an der finanziellen Hürde gescheitert. Mattersburg, First Vienna, Stritzing, Leoben, Austria Wien oder Dornbirn haben alle gerade mit diesem Aspekt zu kämpfen gehabt. Hat Österreichs Fußball einfach ein strukturelles Finanzierungsproblem?
Nein. Österreich ist einfach vergleichsweise klein. Wir sind ungefähr so groß wie Bayern. Und aus dem deutschen Bundesland kommen lediglich zwei Erstliga-Vereine. Unbestritten: Mit dem FC Bayern haben sie einen Weltklasse-Verein vorzuweisen. Alle anderen, abgesehen von Augsburg, spielen in der zweiten oder dritten Liga. Österreich hat mittlerweile einiges zu bieten. Die österreichische Bundesliga funktioniert meiner Meinung nach sehr gut.
Die zweite Liga ist aber für viele einfach wirtschaftlich eine Herausforderung. Man bekommt keine Fernsehgelder, muss aber die strengen Ligavorgaben, was beispielsweise Infrastruktur anbelangt, einhalten. Das ist für viele Vereine eine enorme Belastung. Wir sind mit dem Tivoli hingegen gesegnet.
Der Präsident beim Ehrenanstoß
Wobei es beim Stadion vor dem Zwangsabstieg auch viel Kritik vonseiten der Fans gegeben hat.
Natürlich haben wir hier eine herausfordernde Situation, weil im Tivoli drei Mannschaften spielen. Wacker, die WSG und die Raiders. Das ist organisatorisch ab und an eine Herausforderung. Es geht natürlich immer besser, aber derzeit sind wir mit dem, was wir haben, zufrieden. Und ich muss sagen: Wir haben stets ein offenes Ohr bei der Stadt, beim Land und jetzt auch in Los Angeles, falls wir Probleme angehen möchten.
Es gibt, wie wir gehört haben, ganz konkrete Pläne, wie die Zusammenarbeit mit dem Club aus L.A. aussehen soll.
Wir gründen zwei GmbHs. Eine für den Profisport und die andere fürs Marketing. Über die letztere werden sämtliche Aktivitäten von Spieltagsmanagement, Merchandising, Ticketing und Sponsoring laufen. LAFC wird den Großteil der Anteile an diesen Gesellschaften halten und Wacker Innsbruck auch einen kleineren Teil. Aktuell fließt das Geld durch den Verein. Lagert man den Profibereich und das Marketing in die GmbHs aus, verringert man das Risiko für den Verein. Gleichzeitig haben wir durch die 50-plus-1-Regel im Sport immer noch auch Sicherheit für den Wacker Innsbruck.

„Die zweite Liga ist für viele wirtschaftlich eine Herausforderung.“ Hannes Rauch
Sie haben vor einem Jahr in einem Interview den Wunsch geäußert, 2028 wieder in der ersten Bundesliga zu spielen. Wann wollen Sie wieder in Europa antreten?
Ich hatte ursprünglich lediglich den Wunsch, einmal im ausverkauften Tivoli zu spielen. Das haben wir überraschenderweise im Cupspiel gegen Rapid bereits geschafft. Unser Ziel war es immer, so schnell wie möglich wieder im Profifußball anzukommen. 2028 in der Bundesliga zu sein, hieße durchzumarschieren. Geschafft ist das noch lange nicht und über Europa will ich noch überhaupt nicht sprechen. So bin ich nicht.
Wie messen Sie Erfolg, nachdem Sie den Verein in dem Zustand übernommen haben, in dem er war?
Man kann das auf verschiedenen Ebenen betrachten. Anfangs waren wir zum Beispiel happy, wenn 1.000 Leute ins Stadion gekommen sind. Dann waren 2.000 da und wir dachten, vielleicht geht da noch mehr.
Aber für mich sind es immer die kleinen Erfolge im Hintergrund, die niemand mitbekommt. Ein neuer Sponsor, ein Sprung in der budgetären Entwicklung und so weiter. Das große Ziel hat man natürlich immer vor Augen. Aber Fußball ist ein Tagesgeschäft. Heute wird etwas als gut angesehen, das in einer Woche als ganz offensichtlicher Fehler gilt.
Unser konstanter Erfolg ist aber eigentlich die Fanbase. Wir haben immer gewusst: Alleine spielen wir hier nie.
Vielen Dank für das Gespräch.