Künstliche Intelligenz erobert zusehends unseren Alltag – auch in der Gastronomie. Von Arbeitszeitersparnis bis Kostenreduzierung bietet sie eine Vielzahl an Chancen. Wir haben uns spannende Konzepte aus Tirol und darüber hinaus angeschaut.
Technologie trifft Genuss

Das neue Gastrotech-Konzept happyBytz vereint modernste Robotertechnologie mit hochwertigen, regionalen Zutaten. Initiiert von der Wedl Unternehmensgruppe und dem Tiroler Agrarbetrieb Giner sowie in Kooperation mit dem Hamburger Startup goodBytz bietet es innovative und nachhaltige Lösungen für die Gastronomie. In Hall in Tirol betreiben die Partner eine Showküche, die zugleich als Entwicklungslabor dient.
Die modularen Küchen sind sechs bis zwölf Quadratmeter groß und produzieren bis zu 1.200 Gerichte pro Tag beziehungsweise 150 Mahlzeiten pro Stunde – bestens geeignet für Kantinen, Kliniken, Bürogebäude, Schulen, Universitäten, Bahnhöfe oder Flughäfen. Das Angebot reicht von Bowls über Kaiserschmarrn und asiatische Currys bis hin zu Käsespätzle – individuell anpassbar und saisonal wechselnd.
Einkaufen leicht gemacht

In vielen Küchen treffen unterschiedliche Sprachen auf einen hektischen Arbeitsalltag – und genau hier setzt „Best.Friend Voice“ an: ein KI-gestütztes System von Eurogast Österreich, das den Bestellprozess spürbar erleichtert.
Die Idee dahinter ist einfach: Statt wie bisher lange Listen zu tippen, sprechen KöchInnen und GastronomInnen ihre Bestellung nun direkt ins Smartphone. Die App erkennt verschiedene europäische Sprachen, gleicht die Wünsche mit über 40.000 verfügbaren Eurogast-Artikeln ab und berücksichtigt zudem häufig getätigte Bestellungen aus der Vergangenheit. So entsteht aus wenigen Worten innerhalb von Sekunden eine maßgeschneiderte Einkaufsliste.
Wenn Technik verbindet

Das Café „DAWN“ in Tokio nutzt Künstliche Intelligenz wiederum, um Menschen mit körperlichen Einschränkungen in den Arbeitsalltag einzubinden – und zwar in Form von Roboter-Avataren. Die etwa 1,2 Meter hohen humanoiden Roboter namens „OriHime“ werden per Tablet, Maus oder Eyetracking aus der Ferne gesteuert – von Menschen, die aufgrund von Krankheiten wie ALS oder anderen physischen Einschränkungen nicht vor Ort sein können.
Digitalisierung und Inklusion gehen so Hand in Hand. Die Roboter übernehmen vielfältige Aufgaben im Service: Sie nehmen Bestellungen auf, servieren Getränke und sorgen für Gespräche mit den Gästen.
Alles Gute kommt von oben

In Irland zeigt sich, wie rasant Lieferdrohnen bereits im Alltag verankert sind. Am Rand Dublins, in Blanchardstown, testet das Start-up Manna Aero den gastronomischen Lieferservice der Zukunft. Bestellt wird wie gewohnt per App, doch statt Auto oder Fahrrad hebt eine Drohne ab – präzise gesteuert durch smarte Systeme, die Route, Wetter und Verkehr in Sekundenbruchteilen berechnen.
Bereits hunderttausende Lieferflüge wurden bislang absolviert, an manchen Tagen rund tausend. Die Drohnen erreichen dabei Geschwindigkeiten von bis zu 80 Stundenkilometern, tragen bis zu vier Kilogramm Nutzlast und bleiben selbst dann stabil, wenn mehrere Motoren ausfallen. Ein integrierter Fallschirm soll im Notfall schützen.
Roboterhund auf Lieferkurs

In Zürich‑Oerlikon testete die Online-Plattform Just Eat gemeinsam mit dem Robotikunternehmen RIVR, einem Spin-off der ETH Zürich, heuer eine weitere Form der Essensauslieferung: einen autonomen Bodenroboter. Der vierbeinige Bot mit Rädern ist mit physischer KI ausgestattet, sodass er seine Umgebung „versteht“, Hindernissen ausweicht und selbst Treppen oder Bordsteine meistert. Mit bis zu 15 Stundenkilometern und einem Ladevolumen von 40 Litern soll er künftig nicht nur kleine Snacks, sondern auch größere Lebensmittel-Lieferungen direkt bis zur Haustür bringen.
Sichtbare Lichter und Flaggen machen ihn bei Tag und Nacht gut erkennbar, und integrierte Sicherheitsmechanismen erlauben es, den „Roboterhund“ jederzeit anzuhalten. Just Eat plant, das Konzept auszuweiten und künftig auch Waren aus dem Einzelhandel autonom zustellen zu lassen.
Service auf vier Rädern

Auch der „BellaBot“ ist ein ungewöhnlicher Gastro-Helfer auf vier Rädern – ein Service-Roboter in Katzenform. Entwickelt vom chinesischen Unternehmen Pudu Robotics unterstützt er Restaurants, Cafés und Hotels dabei, Speisen und Getränke auszuliefern sowie leeres Geschirr zurückzubringen. Dank autonomer Navigation kann er Lasten von bis zu 40 Kilogramm transportieren.
Damit entlastet er nicht nur das Servicepersonal, sondern sorgt zugleich für ein charmantes Erlebnis: Mit animierten Katzengesichtern und Sprachsteuerung interagiert er nämlich auch mit Gästen – selbst mit den launischsten.
Essbarer Roboterkuchen
Mit „RoboCake“ wagt ein Schweizer Forschungsteam einen ungewöhnlichen Blick in die Zukunft von Technik und Gastronomie. Die Roboter-Torte besteht aus essbaren Bauteilen, darunter wiederaufladbare Batterien aus Vitamin B2, die eher an Schokolade à la zartbitter erinnern als an Elektronik.
Noch findet sich diese besondere Nachspeise weder in den Vitrinen von Konditoreien noch auf Speisekarten von Restaurants. Gebacken wurde „RoboCake“ bislang als Experiment und Blickfang für den Schweizer Pavillon der diesjährigen EXPO 2025 im japanischen Osaka. Doch das Projekt zeigt, wohin die Reise führen könnte: nämlich hin zu Technik, die nicht nur nachhaltig und intelligent ist, sondern im wahrsten Sinne des Wortes auf der Zunge zergeht.
„I, Robot" lässt grüßen
In einem Hamburger Stadtteil arbeitet seit Kurzem ein ungewöhnlicher Küchenmitarbeiter: ein Roboter namens Achim, der klassische Gerichte frisch und in großer Menge zubereitet. Im Take‑Away‑Lokal „Z’amme“ rührt und kocht er Hausmannskost wie Königsberger Klopse, Currywurst, Linseneintopf oder Kaiserschmarrn – vegetarisch oder vegan, auf Wunsch auch mit Fleisch.
Der mechanische Koch bewältigt mehrere Gerichte gleichzeitig und greift dafür auf vorbereitete Zutaten und Saucen zurück. So entstehen in Rekordzeit täglich rund 150 Portionen. Entwickelt wurde Achim in Zusammenarbeit mit professionellen KöchInnen, um wiederkehrende, monotone Aufgaben in der Küche zuverlässig zu übernehmen.
Übrigens: Jährlich am 7. Feber findet – vor allem in den USA – der „Love Your Robot Day“ statt. Ein idealer Anlass, um das ein oder andere gastronomische Roboterkonzept auszuprobieren.
