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Blick hinter die Leinwand

Wie Kino in Tirol funktioniert

Blick hinter die Leinwand

Wie Kino in Tirol funktioniert

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Mindestens 40 Prozent des verkauften Kinotickets gehen direkt an den Filmverleih. Gleichzeitig steigen Energie-, Personal- und Investitionskosten kontinuierlich. Und dennoch halten sich Tirols Kinos entgegen vieler Vermutungen stabil.

Die Zahlen aus dem Kinojahr 2025 in Tirol zeigen: Das Geschäftsmodell Kino lebt, ist aber fragiler, als viele vermuten. Ein Besuch im Funplexxx Kufstein sowie ein Gespräch mit dem Geschäftsführer und gleichzeitigem Fachgruppenobmann der Tiroler Kinos Alexander Wurzenrainer machen sichtbar, wie viel wirtschaftliche Planung, regionale Marktkenntnis und Risikobereitschaft hinter jeder einzelnen Vorstellung stehen.

Aktuelle Zahlen der Fachgruppe der Tiroler Kinos zeigen: Die 14 Kinos im Bundesland verzeichneten im vergangenen Jahr insgesamt 962.001 BesucherInnen. Das entspricht einem Plus von 6,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch die Auslastung stieg: Wurde ein Kinosessel 2024 noch 118-mal verkauft, waren es 2025 bereits 126-mal. Auch der Umsatz stieg um 10,6 Prozent auf 10,16 Millionen Euro.

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Die Fachgruppe Kino-, Kultur- und Vergnügungsbetriebe umfasst insgesamt 14 Betriebe in Tirol.

Warum sich ein Kinotag nicht planen lässt

Ein Kinobetrieb ist wirtschaftlich komplexer, als es der Blick von außen vermuten lässt. Fixkosten wie Miete oder Umsatzpacht, Personalkosten, Energie, Wartung der Technik und die Instandhaltung der Säle fallen unabhängig von der Auslastung an. Gleichzeitig gibt der/die Tiroler KinobesucherIn pro Kinoabend durchschnittlich zwischen 14 und 16 Euro aus. Ein Betrag, der Ticketpreis, Snacks und Zusatzangebote umfasst und dennoch nur begrenzten Spielraum für wirtschaftlichen Puffer lässt.

Die Filme selbst werden einzeln bei Filmverleihern gebucht, bezahlt wird pro verkauftem Ticket. Die durchschnittliche Filmmiete liegt zwischen 40 und 49 Prozent des Ticketpreises. „Ob sich ein einzelner Tag rechnet, lässt sich nicht pauschal sagen“, erklärt der Kufsteiner Kinobetreiber Alexander Wurzenrainer. Zu viele Faktoren spielen hinein: Wochentag, Wetter, Saison und nicht zuletzt das konkrete Filmangebot.

Regionale Unterschiede im Kinomarkt

Bevor ein Film im Saal läuft, beginnt ein mehrstufiger Entscheidungsprozess. Auf Basis österreichischer Startlisten, Präsentationen der Filmverleihe und -messen wird bewertet, welche Produktionen für die jeweilige Region bzw. für das jeweilige Kino geeignet sind. Dabei zeigt sich: Österreich ist kein homogener Kinomarkt. Filme, die im Osten des Landes funktionieren, sind hier nicht automatisch erfolgreich und umgekehrt. Die bayerisch-österreichische Komödien wie die Eberhofer-Reihe beispielsweise zählen in Tirol zu den Publikumsmagneten, während sie anderswo deutlich schwächer abschneiden.

„Die gute Mischung macht Kino aus.“

Familienfilme – im Jahr 2025 waren das etwa Vaiana 2, Zoomania 2, Mufasa: König der Löwen oder Das Kanu des Manitu – erweisen sich als besonders stabiler Umsatzanker. Solche Produktionen bringen generationenübergreifend Publikum ins Kino und sorgen für eine etwas planbarere Frequenz. Auch Actionfilme und spektakuläre Horrorfilme werden gut angenommen. Man solle sich nicht nur auf amerikanische Blockbuster konzentrieren, denn Wurzenrainer ist sich sicher: „Die gute Mischung macht Kino aus“.

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Im Kufsteiner Kino gleicht kein Kinosaal dem anderen. Der Betreiber Alexander Wurzenrainer legt bei der Gestaltung der Räumlichkeiten selbst Hand an.

Investieren, um konkurrenzfähig zu bleiben

Auch technisch ist Kino längst ein digitaler Hochleistungsbetrieb. Filme werden heute überwiegend über Glasfaser, Satellit oder Datenträger angeliefert. Licht, Vorhänge und Ton laufen automatisiert über digitale Playlists, die für jeden Saal individuell erstellt werden. Der technische Fortschritt bedeutet jedoch auch laufenden Investitionsbedarf. Projektoren, Soundsysteme und Bestuhlung müssen regelmäßig erneuert werden, um mit dem wachsenden Qualitätsanspruch des Publikums und dem Heimkino konkurrieren zu können.

Der Ticketverkauf bleibt die wichtigste Einnahmequelle, wird jedoch durch Zusatzumsätze ergänzt. Der Verkauf von Limos, Popcorn, Nachos etc. spielt eine zentrale Rolle, ist aber allein nicht ausreichend, um einen Kinobetrieb zu tragen. Zusätzliche Erlöse stammen aus regionalen und überregionalen Werbeschaltungen.

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Laut Wurzenrainer ist ständige Investition in die technische Ausstattung für Kinos unerlässlich. Für die Kinos in Kufstein und Imst setzt er auf neueste Technologie – so gibt es in einem Kufsteiner Saal eine Doppelprojektion von Sony und ist damit die aktuell einzige dieser Art in Tirol.

Kostenentwicklung als zentrale Herausforderung

Im Vergleich zu großen Kinoketten verfügen private Kinos über größere unternehmerische Freiheit. Sie entscheiden selbst über Programmgestaltung, Öffnungszeiten und Sonderformate. Blockbuster müssen nicht zwingend gespielt werden, auch europäische und anspruchsvollere Produktionen finden ihren Platz im Programm. Speziell diese Mischung erweist sich als wirtschaftlicher Vorteil. Sie ermöglicht eine breitere Ansprache unterschiedlicher Zielgruppen.

Die größten Herausforderungen liegen aktuell in steigenden Energie- und Personalkosten. Preisanpassungen seien langfristig kaum zu vermeiden, müssten jedoch in kleinen Schritten erfolgen. Wurzenrainer ist es dabei besonders wichtig, MitarbeiterInnen entsprechend angemessen zu entlohnen und das Kinoerlebnis leistbar zu belassen. So gibt es im Kufsteiner Kino beispielsweise den sogenannten „Familien-Sonntag“, bei dem das Ticket für einen ausgewählten Film um sechs Euro angeboten wird. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Kartenpreis lag 2025 tirolweit bei 10,22 Euro.

Ist Kino zukunftsfähig?

Das Kinojahr 2025 zeigt deutlich: Das Kino in Tirol ist kein Auslaufmodell, sondern ein regional fest verankertes Wirtschaftsunternehmen mit eigenen Stärken, aber auch klaren Herausforderungen. „Das Kino wurde in der Vergangenheit schon oft für tot erklärt“, merkt Alexander Wurzenrainer an. Als die ersten Videorekorder aufkamen, waren viele überzeugt, dass Kinos das nicht überleben würden. Ähnlich skeptisch reagierte die Branche bei der Einführung der Streaming-Dienste und doch hat sich das Kino immer wieder behauptet. „Das gemeinschaftliche Kinoerlebnis ist durch nichts zu ersetzen“, sagt der Kufsteiner Kinobetreiber. Er ist sich sicher, dass das Licht im Kinosaal auch künftig nicht ausgehen wird.

Alexander Wurzenrainer

Zur Person

Alexander Wurzenrainer ist seit mehr als drei Jahrzehnten im Kinogeschäft tätig. Seine Laufbahn begann in Kufstein als Filmvorführer, heute führt er seit 17 Jahren das Funplexxx in Kufstein und seit drei Jahren auch das Kino in Imst. Darüber hinaus vertritt er als Fachgruppenobmann bei der Wirtschaftskammer Tirol die Interessen der KinobetreiberInnen.

Dass sein Engagement weit über den reinen Betrieb hinausgeht, zeigt sich beim Blick in die Kinosäle in Kufstein. Jeder Saal ist individuell gestaltet, keiner gleicht dem anderen. Wurzenrainer brachte dabei nicht nur sein fachliches Know-how ein, sondern konnte bei der Gestaltung selbst Hand anlegen.

Auf Nachfrage seines Lieblings-Kinomomentes fiel ihm sofort ein besonderer Augenblick ein. Als der Film „Ich – einfach unverbesserlich 4“ frisch angelaufen war, stellte er sich bei einer nahezu ausverkauften Vorstellung hinter die letzten Reihen. Als das Publikum bei einer Szene geschlossen in Gelächter ausbrach, wurde ihm klar, warum er diesen Beruf ausübt. „In solchen Momenten weiß man, wofür man das alles macht“, sagt Wurzenrainer.

31. Januar 2026 | AutorIn: Alexandra Schallhart | Foto: Alexandra Schallhart (6), top.tirol, WK Tirol/Die Fotografen

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