Geschäftsführer Daniel Frömelt spricht im Interview mit top.tirol über die Gründe für die Schließung, den Wandel in der Branche und die unsichere Zukunft.
1972 von Rainer Frömelt in Wattens als Werbeagentur gegründet, entwickelte sich das Unternehmen RWF, in das in weiterer Folge auch Wilhelm Hechenleitner einstieg, bald zu einer erfolgreichen Offsetdruckerei. 2001 übersiedelte der Betrieb nach Volders, 2019 wurde nochmals in neue Maschinen investiert. Nun endet eine über 50-jährige Firmengeschichte: Mit 31. Dezember schließt die Druckerei endgültig.

Daniel Frömelt, RWF-Geschäftsführer
top.tirol: Warum wird die Druckerei mit Jahresende geschlossen?
Daniel Frömelt: Die Branche hat sich massiv verändert. Vieles läuft heute digital, der klassische Druck ist rückläufig und der Preiskampf ist enorm. In Nordtirol gibt es nur noch drei Ganzbogendruckereien, inklusive uns. Wirtschaftlich wurde es zuletzt untragbar – viele Aufträge, auch von öffentlichen Stellen, sind weggefallen. Vieles läuft heute über Apps oder Online-Lösungen, da wird einfach weniger gedruckt.
top.tirol: Sind Ihnen auch große Kunden abgesprungen?
Daniel Frömelt: Ja. Gerade mit Corona hat man gemerkt: Die Unternehmen beginnen zu sparen, die wirtschaftliche Lage ist allgemein schwierig und Werbung oder Drucksachen sind dann oft das Erste, woran gespart wird.
top.tirol: Wie geht es für Sie weiter?
Daniel Frömelt: Ich bleibe der Branche erhalten und mache mich als Medienberater und Druckvermittler selbstständig. Ich arbeite künftig allein, bleibe aber im bestehenden Gebäude in Volders, in dem auch Räumlichkeiten vermietet werden.
top.tirol: Wie viele MitarbeiterInnen sind betroffen?
Daniel Frömelt: Zehn MitarbeiterInnen verlieren ihren Arbeitsplatz.
top.tirol: Wie würden Sie die Situation am Tiroler Druckmarkt beschreiben?
Daniel Frömelt: Die Treue zu lokalen Betrieben hat stark nachgelassen. In Osteuropa sind die Produktionskosten deutlich niedriger. Viele Aufträge wandern ins Ausland. Dazu kommen stark gestiegene Energiekosten – sie haben sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt.

top.tirol: Sollte das Land Tirol Ihrer Meinung nach mehr Aufträge an heimische Druckereien vergeben?
Daniel Frömelt: Ja, das wäre wichtig, aber stattdessen wurde die neue Landesdruckerei eröffnet. Generell drucken viele auswärts, obwohl es in Tirol gute Betriebe gibt.
top.tirol: Wie steht es Ihrer Meinung nach um die Wettbewerbsbedingungen?
Daniel Frömelt: Wenn sich nichts ändert, ist der Preiskampf verloren. Für viele zählt nur noch der Preis. Zwar gibt es noch KundInnen, die Regionalität schätzen, aber das wird immer weniger.
top.tirol: Was passiert mit Ihren Maschinen?
Daniel Frömelt: Der Gebrauchtmaschinenmarkt in Europa ist tot. In anderen Ländern – etwa Kroatien, Slowenien, Ungarn oder Polen – gibt es EU-Förderungen für neue Maschinen von bis zu 45 Prozent. Deshalb gehen unsere Produktionsmaschinen nach China. Eine unserer Hauptmaschinen haben wir 2012 gekauft – heute bekommt man dafür noch einen Bruchteil des Anschaffungspreises. 2019 haben wir außerdem in neue Endfertigungsprodukte wie eine Schneidmaschine und einen Sammelhefter investiert. Heute sind diese Maschinen kaum mehr etwas wert.
„Ich hätte zu Jahresbeginn nie gedacht, dass wir am Ende des Jahres zusperren müssen."
top.tirol: 2019 wurde noch investiert. War die Lage damals noch stabil?
Daniel Frömelt: Ja, damals lief es gut. Mit Corona begann der Einbruch. Heuer hat sich die Situation massiv verschlechtert – vor allem über den Sommer. Ich hätte zu Jahresbeginn nie gedacht, dass wir am Ende des Jahres zusperren müssen. Firmen, die früher 30.000 Kataloge drucken ließen, machen heute vielleicht noch 5.000.
top.tirol: Was möchten Sie Politik und Kundschaft noch mitgeben?
Daniel Frömelt: Ich würde mir wünschen, dass Regionalität wieder mehr zählt als der Preis. Irgendwann kommt der Moment, in dem man kurzfristig etwas braucht – und dann gibt es vielleicht keine Druckerei mehr vor Ort. Nicht alles, was man im Internet bekommt, ist automatisch das Beste.