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Interview mit Lars Feld

„Die Welt ist im Übergang zu einer neuen Ordnung“

Interview mit Lars Feld

„Die Welt ist im Übergang zu einer neuen Ordnung“

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Beim Europäischen Mediengipfel versammelt sich in Tirol erneut ein hochkarätiges internationales Publikum. Ein zentrales Thema: die rasant im Wandel befindliche globale Wirtschaft. Wirtschaftsökonom Lars Feld erklärt im Interview, wie sich die Tiroler Wirtschaft auf diese Veränderungen vorbereiten kann.

Wie würden Sie die aktuellen globalen Entwicklungen in der wirtschaftlichen Weltordnung beschreiben?

Lars Feld: Die Welt ist im Übergang zu einer neuen Ordnung. Während die seit dem Zweiten Weltkrieg achtzig Jahre währende Pax Americana durch Multilateralismus, Globalisierung und ökonomische Interessen gekennzeichnet war, dominiert heute wieder Machtpolitik das Geschehen mit ihren hässlichen Geschwistern Nationalismus, Protektionismus und Moralismus. Ökonomische Interessen – das bedeutet im Kern ein freiwilliger Tausch zum gegenseitigen Vorteil. Dies ist auf Mehrwert, auf ein Positiv-Summen-Spiel ausgerichtet. Der neue Moralismus zeigt mit dem Finger auf andere, nach dem Motto: Du bist schuld, dass es mir schlecht geht. Dies ist auf Umverteilung, bestenfalls ein Null-Summen-Spiel, wahrscheinlich ein Negativ-Summen-Spiel ausgerichtet.

Welche Faktoren sehen Sie als die größten Treiber für Veränderungen in der globalen Wirtschaft?

Geopolitische Spannungen stehen ganz klar im Vordergrund. Sie werden bestimmen, mit welchen Technologien eine neue Hegemonie erzielt wird – des Westens oder des von China dominierten Blocks der CRINK-Staaten (China, Russland, Iran, Nordkorea). Handelsbeziehungen, im Grunde alle außenwirtschaftlichen Beziehungen werden davon dominiert sein.

Wie wirken sich diese Entwicklungen konkret auf Regionen wie Mitteleuropa und insbesondere auf den Alpenraum aus?

Für die Mitgliedstaaten der EU und des EWR bedeutet dies eine Einschränkung ihrer Handelsbeziehungen. Sie sehen sich einem schwindenden Geschäft mit China gegenüber, das sich nicht ohne weiteres durch Handel mit anderen Staaten ersetzen lässt. Dies gilt vor allem für die kleinen, offenen Volkswirtschaften des Alpenraums wie Österreich und die Schweiz. Gleichwohl müssen die EU und die EWR-Staaten auf intensivere Handelsbeziehungen mit den Staaten der südlichen Hemisphäre abzielen, um wenigstens eine gewisse Kompensation für die schwierigeren Handelsbeziehungen mit China und den USA zu erreichen. Das Handelsabkommen mit dem Mercosur befindet sich nun in der Ratifizierungsphase und muss dringend zustande kommen. Die Handelsverträge mit Indonesien und Indien müssen ratifiziert werden. Nicht zuletzt muss die EU entschiedene Schritte zur Komplettierung des Binnenmarkts durch Abbau nicht-tarifärer Handelshemmnisse zwischen den Mitgliedstaaten gehen. Und diese müssen wettbewerbsfähiger werden.

Welche Rolle kann Tirol aus Ihrer Sicht in dieser neuen wirtschaftlichen Weltordnung spielen?

Gerade das Thema Wettbewerbsfähigkeit spielt für die Regionen Europas, also auch für Tirol, eine wesentliche Rolle. Hierzu gehört eine Entschlackung des Sozialstaats. In Österreich, wie in Deutschland überlappen sich sozialpolitische Zuständigkeiten, erlauben verschiedene Sozialleistungen eine Akkumulation von Transfers, welche die Arbeitsanreize zuschüttet. Dies sollte korrigiert werden. Zudem kann Tirol über eine dezidierte Forschungs- und Wissenschaftspolitik seinen Teil zur Entstehung oder Fortentwicklung erfolgreicher Technologie-Cluster beitragen.

Welche Chancen und Herausforderungen sehen Sie für die Tiroler Wirtschaft in den kommenden Jahren, und welche Maßnahmen wären sinnvoll, um sich optimal darauf vorzubereiten?

Die Tiroler Wirtschaft muss sich für die anstehenden Strukturwandlungen wappnen. Dies bedeutet nicht zuletzt, dass sich der Staat in Österreich insgesamt, gerade auch auf der Ebene der Bundesländer zurücknimmt und mehr private Initiative zulässt. Der österreichische Staat frisst die Wirtschaft auf.

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Zur Person

Lars P. Feld ist ein deutscher Ökonom, Professor für Wirtschaftspolitik an der Universität Freiburg und Direktor des Walter Eucken Instituts. Er gehört zu den bekanntesten ordnungspolitisch geprägten Wirtschaftswissenschaftlern Deutschlands und war zehn Jahre Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland, auch bekannt als „Wirtschaftsweisen“.

03. Dezember 2025 | AutorIn: Frau Barbara Kluibenschädl | Foto: Walter Eucken Institut

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