Ein Land der Gleichheit – zumindest auf dem Papier: In Wirklichkeit besitzt die reichste Minderheit in Österreich den Großteil des Vermögens. Kein anderes EU-Land weist eine so extreme Schieflage auf.
Österreich weist innerhalb der Europäischen Union die stärkste Ungleichverteilung von Vermögen auf. Laut Daten der Europäischen Zentralbank aus der 2022 veröffentlichten Studie zur Vermögensverteilung besitzen die obersten 10 Prozent der österreichischen Haushalte etwa 60 Prozent des Gesamtvermögens. Im Vergleich dazu liegen EU-Durchschnitt und andere Länder deutlich darunter:
- Deutschland: Die obersten 10 Prozent besitzen etwa 56 Prozent des Gesamtvermögens.
- Frankreich: Rund 53 Prozent der Vermögenswerte liegen bei den obersten 10 Prozent.
- Italien: Etwa 49 Prozent des Vermögens konzentriert sich bei den reichsten 10 Prozent.
- Spanien: Die obersten 10 Prozent halten rund 47 Prozent des Gesamtvermögens.
Verzerrtes Bild
Ein weiteres Indiz für die zunehmende Vermögensungleichheit ist die hohe Sparquote in Österreich – aktuell rund elf bis dreizehn Prozent des verfügbaren Einkommens. Diese Zahl wird jedoch zunehmend kritisch gesehen. Das Momentum Institut weist darauf hin, dass die Sparquote stark verzerrt ist: Die reichsten zehn Prozent der Haushalte sparen bis zu vierzig Prozent ihres Einkommens – das sind im Schnitt über 2.000 Euro monatlich. Gleichzeitig können die einkommensschwächsten dreißig Prozent nichts oder sogar negativ sparen, weil sie mehr ausgeben müssen, als sie einnehmen.