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Familienangelegenheiten

Zwei Innsbrucker Betriebe im Generationenwechsel

Vater und Tochter – Anna Klausner hat sich überraschend entschieden, in die beruflichen Fußstapfen ihres Vaters zu treten.
Familienangelegenheiten

Zwei Innsbrucker Betriebe im Generationenwechsel

Vater und Tochter – Anna Klausner hat sich überraschend entschieden, in die beruflichen Fußstapfen ihres Vaters zu treten.

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Seit über 200 Jahren schon versorgt Familie Munding, mittlerweile in fünfter Generation, Innsbruck mit süßen Köstlichkeiten. Die innerfamiliäre Übergabe erfolgt hier fließend. Beim Ver­sicherungsmakler CK wird erstmals ein solcher Generationenwechsel stattfinden, weil Tochter Anna unverhofft zur Juniorchefin avancierte.

„Übergeben heißt nimmer leben.“ Almut Munding, Chefin der gleichnamigen Café-Konditorei in der Innsbrucker Altstadt, erinnert sich noch gut an diesen Spruch, den sowohl ihre Großmutter als auch ihr Vater geprägt haben. Er zeugt von der Verbundenheit der Mundings mit ihrem Unternehmen und erklärt, warum man in der Kiebachgasse kein Pensionsalter kennt. Seit 1803 ist der Betrieb, den Johann Nepomuk Munding als erstes Damencafé der Stadt eröffnet hatte, im Familienbesitz. Seit 2015 sind Almut und ihr Bruder Christoph als fünfte Generation am Ruder. Die 60-Jährige begrüßt hinter der Theke voller süßer Köstlichkeiten täglich die Kaffeehaus-Gäste, während ihr 55-jähriger Bruder in der Backstube für Nachschub sorgt. Die 91-jährige Seniorchefin ist ebenfalls noch täglich im Betrieb anzutreffen. „Die Mama ist eine große Hilfe für uns“, sagt Almut.

Mehr als ein Arbeitsplatz

Die sechste Generation ist noch nicht im Betrieb tätig, die Frage der Übergabe wurde bisher nicht behandelt. Sie wird aber irgendwann anstehen. Im Hause Munding hat man damit mehr als 200 Jahre Erfahrung und geht es daher entspannt an. Die Zukunft sei bei den Geschwistern immer öfter Thema: „Aber kein belastendes.“ Trotzdem sieht Almut die Frage der Nachfolge als eine „große Verantwortung“. Zudem ist das Haus in der Kiebachgasse, wo die Mundings Innsbruck mit ihren „Gutelen“ versorgen, mehr als nur ihr Arbeitsplatz. In den oberen Stockwerken lebt die Familie. „Die Pension ist für uns noch kein Thema, denn das Kaffeehaus ist wie unser Wohnzimmer“, sagt Almut, die hier schon als Kind im Betrieb aufgewachsen ist. Dass sie und ihr Bruder irgendwann übernehmen würden, sei zwar immer klar gewesen, aber seitens der Eltern wurde nie Druck in der Hinsicht ausgeübt.

„Als Jugendliche gab es eine Zeit, in der wir beide gar nichts damit zu tun haben wollten“, erinnert sich Almut. Die Eltern zeigten Verständnis dafür und ermutigten die Kinder, ins Ausland zu gehen, um Erfahrungen zu sammeln. Sie rieten sogar davon ab, zu früh in den Familienbetrieb einzusteigen. Almut ging nach Australien, nach Neuseeland, lebte zeitweise in den USA und arbeitete auf Kreuzfahrtschiffen. Bruder Christoph zog es nach Frankreich, Italien und in die USA, wo er in der gehobenen Patisserie tätig war. „Eine wichtige Zeit“, wie Almut rückblickend sagt.

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Mutter und Tochter: Die Café-Konditorei Munding ist seit über 200 Jahren in Familien­besitz, aktuell ist die fünfte Generation am Ruder.

Vom Bereitsein

Doch irgendwann, erinnert sich Almut, kam die Überzeugung, dass all die harte Arbeit und der Einsatz, den sie für andere Arbeitgeber leistete, im familieneigenen Betrieb besser investiert wären. Und so kehrten die Geschwister kurz nach der Jahrtausendwende zurück nach Innsbruck, um bei Vater und Mutter im Familienbetrieb einzusteigen. Die Eltern waren überglücklich und ein gutes Jahrzehnt lang arbeiteten beide Generationen gemeinsam. „Man hat damals gemerkt, dass dem Vati dadurch eine Last abgefallen ist“, sagt Almut. 2015 erfolgte die offizielle Übergabe des Betriebes an die Geschwister.

 

„Unser Café hat schon so viele Generationen ernährt, es ist offensichtlich ein krisen­sicheres Geschäft.“

Almut Munding

 

Wer aus der sechsten Generation der Mundings nachfolgen wird, ist noch offen. Ebenso das Wann. Almut will es aber ihren Eltern gleichtun und die Frage der Übergabe ohne Druck und Eile angehen: „Man darf die Verantwortung, die mit einem so alten Familienbetrieb übernommen wird, nicht unterschätzen. Dafür muss man bereit sein.“ Die Nachfolge und damit die Zukunft des Unternehmens seien für sie und ihren Bruder im Moment noch „schwammige Themen, die in weiter Ferne scheinen, aber doch immer näher rücken“.

Sie gehen es optimistisch und mit der Routine von mehr als 200 Jahren Familienerfahrung an. Das Munding habe schon so einiges überstanden – von Kriegen über Wirtschaftskrisen bis hin zu Pandemien. Daher ist Almut sehr zuversichtlich, was die Zukunft anbelangt: „Unser Café hat schon so viele Generationen ernährt, es ist offensichtlich ein krisensicheres Geschäft.“

Plötzlich Maklerin

Ganz anders bahnt sich der Generationenwechsel beim Versicherungsmakler-Büro CK in Innsbruck an. Tochter Anna Klausner stieg 2022 unverhofft in das Unternehmen, das Vater Christian 2007 gegründet hatte und in dem auch Mutter Sabine tätig ist, ein. „Diese Entscheidung fiel beim Abendessen“, erinnert sich die heute 28-jährige Juniorchefin. Es war die Zeit der Coronapandemie, und die Eltern plagten Sorgen, weil sich einige MitarbeiterInnen verabschiedet hatten. Man stand vor der Frage, wie weitermachen. Das Unternehmen verkleinern? Oder gar verkaufen? Da meldete sich Tochter Anna zu Wort, die sich zu dieser Zeit nach Abschluss ihres Jus-Doktoratsstudiums gerade auf Jobsuche befand: „Probieren wir es doch, ich könnte bei euch anfangen!“ Vater Christian wandte ein, dass man so etwas nicht einfach probiere, dafür müsse man sich entscheiden.

Als Frau der Tat erwiderte Anna: „Okay, Papa, dann entscheide ich mich jetzt dafür.“ Obwohl sie zum damaligen Zeitpunkt keine Ahnung hatte, was den Job einer Versicherungsmaklerin ausmacht, und auch noch nie im elterlichen Betrieb mitgearbeitet hatte. „Ganz überzeugt war Papa nicht von der Idee, aber er hat sich schließlich darauf eingelassen.“

Lernprozess

Anna stürzte sich in die neue Aufgabe und lernte die Maklertätigkeit von der Pike auf. „Ich habe mit KfZ-Versicherungen begonnen, obwohl mich Autos gar nicht interessieren. Aber als Maklerin muss ich wissen, wie das funktioniert.“ Und so spazierte die junge Frau Doktorin der Jurisprudenz mit den Nummerntafeln unterm Arm zur Zulassungsstelle, um die Abläufe zu lernen. Im Büro saß sie anfangs neben erfahrenen MitarbeiterInnen am Schreibtisch und lernte von ihnen. Schon bald übernahm sie die Personalagenden, kümmerte sich darum, ein neues und junges Team fürs Familienunternehmen aufzubauen. Mit Erfolg: „Wir sind 13 Leute im Unternehmen – Mama, Papa und mich miteingerechnet. Unser Team ist heute zwischen 21 und 35 Jahre alt, das ist untypisch jung für die Versicherungsbranche.“

 

„Als Tochter vom Chef muss man besonders
darauf achten, seine Leistung zu bringen.“

Anna Klausner

 

Mittlerweile ist Anna als Prokuristin neben ihrem Vater die zweite Zeichnungsberechtigte in der Firma. „Als Tochter vom Chef muss man besonders darauf achten, seine Leistung zu bringen“, ist Anna überzeugt. Sie wollte nie als Papas Protegé wahrgenommen werden. Daher achte sie darauf, als eine der Ersten im Büro zu sein und als eine der Letzten zu gehen. Auch gegenüber Kund­Innen und Mitbewerbern muss sie sich behaupten. „Die Branche ist alt, weiß und männlich. Es ist nicht immer einfach, als junge Frau ernst genommen zu werden“, sagt Anna.

Neues Arbeits- und Familienklima

Dass plötzlich die eigene Tochter im Unternehmen mitarbeitet und -entscheidet, sei ein Gewinn. Vater Christian ist offen für Vorschläge und Veränderungen, Tochter Anna fühlt sich gehört: „Sonst wäre das nicht möglich. Zwei Generationen heißt zwei Perspektiven, das ist ein Mehrwert.“ Mit den eigenen Eltern zusammenzuarbeiten, habe allerdings Vor- und Nachteile, wie die Juniorchefin erklärt: „Positiv ist sicher die Gesprächsbasis, die zwischen Vater und Tochter eine ganz andere ist als zwischen KollegInnen. Negativ ist hingegen, dass ich auch um 22 Uhr abhebe, wenn Papa mich wegen der Arbeit anruft. Bei einem normalen Chef würde ich das nicht tun.“ Überhaupt sei es wichtig, auf ein gewisses Maß an Abstand zu achten, sagt Anna: „Bevor ich in die Firma eingestiegen bin, war es mir wichtig, zu Hause auszuziehen. Sonst wäre das zu viel Nähe.“

Auf der persönlichen Ebene habe die Beziehung zu ihrem Vater an Qualität gewonnen, seit sie zusammenarbeiten: „Wir haben über den Job ein gemeinsames Thema, das war früher weniger der Fall.“ Umgekehrt sei es wichtig, dieses gemeinsame Thema nicht immer ins Private mitzunehmen. Denn Annas jüngerer Bruder geht beruflich ganz andere Wege: „Wenn wir bei den Eltern zum Essen sind, wird daher die Firma bei Tisch ausgespart.“

Einen fixen Termin für die Übergabe des Unternehmens an die Tochter gibt es noch nicht. „Papa fragt nur manchmal, wann er endlich mit dem Arbeiten aufhören könne“, lacht Anna. Wobei der Vater auch anmerkt, dass er seit dem Einstieg der Tochter selbst wieder mehr Spaß an seiner Arbeit habe. Anna will ohnehin noch mehr Erfahrung im Maklerbusiness sammeln, bevor sie übernimmt. Aber „in ein paar Jahren“ sei es für sie denkbar, den Vater an der Spitze abzulösen. 2024 wurde sie bereits als Österreichs „Jungmaklerin des Jahres“ ausgezeichnet. Die Zukunft des Familienunternehmens scheint gesichert.

06. Januar 2026 | AutorIn: Steffen Kanduth | Foto: Gerhard Berger

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