Viele Start-ups haben in Tirol bereits kreative Geschäftsmodelle auf die Beine gestellt. In dieser Rubrik wollen wir die heimischen GründerInnen in den Fokus rücken und ihre innovativen Ideen vorstellen. Diese Woche: Pro Planche.

Die Schneidbretter von Pro Planche vereinen Stabilität, Hygiene und ein natürliches Erscheinungsbild.
Warum braucht es neue Materialien für Schneidbretter?
Schneidbretter gehören zu den meistgenutzten Gegenständen in der Küche – und sind doch oft ein Kompromiss. Holz gilt als natürlich und optisch ansprechend, nimmt aber Feuchtigkeit auf und ist schwer zu reinigen. Kunststoff wiederum ist pflegeleicht, neigt jedoch zu Schnittspuren und Verfärbungen. Genau zwischen diesen beiden Welten suchten Armin Hofmann und Roland Tiefnig nach einer Alternative. „Wir stellten uns die Frage: Welches Material ist dafür besser geeignet? Holz oder doch lieber Kunststoff?“, erinnert sich Hofmann.

Armin Hofmann hat Pro Planche 2020 gegründet.

Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner arbeitet Gründer Roland Tiefnig an neuen Designs für die Produktlinie.
Wie lässt sich Papier in ein robustes Küchenprodukt verwandeln?
Die Antwort fanden die Gründer in einem ungewöhnlichen Werkstoff: Papier.
Dabei handelt es sich nicht um einfaches Recyclingpapier, sondern um ein sogenanntes Papierverbundmaterial. Dieses entsteht aus mehr als 60 Lagen Papier, die in einem lebensmitteltauglichen Harz getränkt und anschließend unter hohem Druck sowie hoher Temperatur ausgehärtet werden. Das Ergebnis ist ein Material, das die positiven Eigenschaften beider Welten vereint – stabil wie Kunststoff, aber warm und natürlich in der Haptik wie Holz.
Das fertige Brett ist laut Angaben des Unternehmens spülmaschinenfest, bis 170 Grad Celsius hitzebeständig und langlebig. Gefertigt wird regional in Lienz von einem sozial-ökonomischen Betrieb. „Uns war von Anfang an wichtig, dass wir mit der Produktion auch in der Region Wertschöpfung schaffen“, betont Tiefnig.
Seit der Firmengründung im Jahr 2020 arbeiten Hofmann und Tiefnig daran, das Sortiment zu erweitern. Ihre Marke Pro Planche steht inzwischen für funktionale, designorientierte Küchenprodukte – aus einem Werkstoff, den man so in diesem Bereich bislang kaum kannte.

Das Schneidbrett zeigt im Alltag seine Stärke – schnittfest, formstabil und spülmaschinengeeignet.
Was plant Pro Planche für die Zukunft?
Das Start-up will künftig sein Portfolio ausbauen und weitere Haushaltsprodukte entwickeln, die auf dem gleichen Prinzip basieren. Ziel sei es, altbewährte Alltagsgegenstände mit modernen Materialien neu zu denken. „Wir wollen zeigen, dass sich Nachhaltigkeit und Funktionalität nicht ausschließen“, sagt Hofmann.
Pro Planche wurde in den vergangenen Jahren mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Osttirol Innovation Award 2021 und dem Tiroler Jungunternehmerpreis 2022. Auch das Wirtschaftsmagazin Gewinn listete das Unternehmen unter die fünfzig vielversprechendsten Start-ups Österreichs.
Die Gründer sehen ihr Projekt als langfristige Entwicklung: „Mit innovativen Werkstoffen können wir zeigen, dass selbst so einfache Produkte wie Schneidbretter noch Raum für neue Ideen haben.“

Die charakteristische Schichtstruktur des Papierverbundmaterials entsteht durch über 60 Lagen Papier.