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Thomas Reisenzahn

Zwischen Kostenanstieg und Investitionsdruck

Zwischen Kostenanstieg und Investitionsdruck
Hotelinvestitionen müssen laut Reisenzahn heute von Beginn an integriert gedacht werden: Kapital, Betriebskonzept, Betreiberkompetenz, Standort, Zielgruppe und Gastgeberkultur müssen schlüssig zusammenpassen.
Thomas Reisenzahn

Zwischen Kostenanstieg und Investitionsdruck

Zwischen Kostenanstieg und Investitionsdruck
Hotelinvestitionen müssen laut Reisenzahn heute von Beginn an integriert gedacht werden: Kapital, Betriebskonzept, Betreiberkompetenz, Standort, Zielgruppe und Gastgeberkultur müssen schlüssig zusammenpassen.

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Der „Alpine Hospitality Summit“ in Kitzbühel brachte auch heuer wieder über 340 EntscheidungsträgerInnen aus Tourismus, Politik und Immobilien zusammen. Im Gespräch mit Thomas Reisenzahn zeigt sich, warum sich Erfolg heute aus dem Zusammenspiel von Konzept, Kapital und Gastgeberkultur entscheidet.

 

Herr Reisenzahn, der „Alpine Hospitality Summit“ in Kitzbühel stellte heuer die Themen Innovation, Finanzierung und Gastgeberkultur in den Mittelpunkt. Was kann man sich darunter vorstellen?

Der Alpine Hospitality Summit versteht sich als Plattform für die zentralen Zukunftsfragen der alpinen Hotellerie – gerade in einem Marktumfeld, das durch steigende Kosten, veränderte Gästebedürfnisse und komplexere Finanzierungsbedingungen geprägt ist. Innovation bedeutet dabei nicht nur Digitalisierung, sondern vor allem die Entwicklung stimmiger Konzepte mit mehr Individualität, Qualität, Authentizität und klarer Haltung – etwa im Sinne von „Quiet Luxury“, also leiser, unaufdringlicher Luxus. Finanzierung und Gastgeberkultur gehören dabei untrennbar zusammen, denn ein Hotel ist keine reine Immobilie, sondern lebt von Konzept, Persönlichkeit, Glaubwürdigkeit und der Fähigkeit, langfristig wirtschaftlich erfolgreich zu sein.

 

Die aktuellen Zahlen zeigen, dass der österreichische Tourismus trotz einer erfreulichen Wintersaison vor erheblichen betriebswirtschaftlichen Herausforderungen steht. Was bedeutet das konkret für Tirol – und wo spürt man diese Entwicklung am stärksten?

Tirol hat mit Weihnachten, Jänner und Feber eine sehr starke Wintersaison erlebt; in vielen Betrieben waren Kapazitäten, MitarbeiterInnen sowie Dienstleistungen in diesen Wochen bereits stark am Anschlag. Das große Sorgenkind bleibt jedoch der März, in dem Tirol seit 2018 nahezu 30 Prozent der Nächtigungen verloren hat – weitgehend unabhängig davon, wie Ostern fällt. Gerade dieser Monat ist betriebswirtschaftlich entscheidend, weshalb Seilbahnen, Hotellerie und Tourismusverbände gemeinsam eine enorme Kraftanstrengung unternehmen müssen, um Sonnenskifahren bei besten Bedingungen wieder stärker in die Köpfe der Gäste zu bringen.

 

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„Entscheidend werden Konzepte sein, die aus dem Ort, der Gastgeberpersönlichkeit und der Architektur heraus entwickelt werden – etwa Naturhotellerie, Retreats, alpine Premiumkonzepte, Gesundheits- und Regenerationsangebote oder neue Formen von Quiet Luxury."

- Thomas Reisenzahn, Prodinger Tourismusberatung

 

Ein weiterer Programmpunkt waren die gestiegenen Mitarbeiterkosten. Was treibt diese Entwicklung aktuell an – und wie könnte sie sich in den kommenden Jahren weiterentwickeln?

Die Mitarbeiterkosten steigen einerseits durch kollektivvertragliche Anpassungen und Inflation, andererseits durch einen strukturell veränderten Arbeitsmarkt, in dem qualifizierte MitarbeiterInnen knapper geworden sind. Gleichzeitig erwarten Beschäftigte heute mehr als nur einen Arbeitsplatz: gute Unterkunft, verlässliche Dienstpläne, faire Führung, Weiterbildung, Freizeitqualität und eine glaubwürdige Betriebskultur sind zentrale Faktoren geworden. Diese Entwicklung wird sich kaum vollständig entspannen, weshalb Betriebe ihre Angebotsbreite, Öffnungszeiten, Prozesse und Servicetiefe kritisch prüfen müssen, ohne dabei die Arbeitgeberqualität zu vernachlässigen.

 

Neben den betrieblichen Kosten spielt auch die Anreise der Gäste eine Rolle: Welche Auswirkungen hat die sogenannte Benzinpreisbremse auf den heimischen Tourismus?

Entlastungen bei Treibstoffpreisen haben für den österreichischen Tourismus eine indirekte, aber relevante Wirkung, weil Tirol stark vom autoaffinen Nah- und Mittelstreckenmarkt abhängig ist. Wenn Mobilitätskosten stark steigen, beeinflusst das Reiseentscheidungen, insbesondere bei Familien und preisbewussteren Gästen, die Unterkunft, Skipass, Gastronomie, Anreise und Nebenkosten gemeinsam betrachten. Man darf die Wirkung aber nicht überschätzen, denn langfristig wird Tirol seine Erreichbarkeit breiter denken müssen – mit besseren Bahnangeboten, intelligenter letzter Meile und Mobilitätskonzepten, die Nachhaltigkeit und Komfort verbinden.

 

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 „Erfolgreiche Projekte investieren nicht in Größe um der Größe willen, sondern gezielt dort, wo ein klarer Mehrwert für Gast, Marke und Ergebnis entsteht und zugleich die Identität des Hauses langfristig gestärkt wird."

- Thomas Reisenzahn, Prodinger Tourismusberatung

 

Ein zentrales Thema des Summits war auch die Frage, wie Österreichs Hotellerie ihre Führungsrolle behaupten oder ausbauen kann. Welche Ansätze oder Strategien wurden dazu diskutiert?

Österreich hat im alpinen Tourismus eine international sehr starke Ausgangsposition, weil Landschaft, Gastfreundschaft, Qualität, Sicherheit, Kulinarik, Familienbetriebe und touristische Infrastruktur einen enormen Wettbewerbsvorteil bilden. Diese Führungsrolle ist aber kein Selbstläufer, weshalb sich die Hotellerie stärker über Qualität, Spezialisierung, klare Positionierung und glaubwürdige Haltung differenzieren muss. Entscheidend werden Konzepte sein, die aus dem Ort, der Gastgeberpersönlichkeit und der Architektur heraus entwickelt werden – etwa Naturhotellerie, Retreats, alpine Premiumkonzepte, Gesundheits- und Regenerationsangebote oder neue Formen von „Quiet Luxury“.

 

Zum Schluss noch einmal zur wirtschaftlichen Gesamtlogik: Finanzierungen sind heute deutlich komplexer geworden. Wie müssen Investitionen in der Hotellerie strukturiert sein, damit Kapital, Betrieb, Konzept und Gastgeberkultur langfristig erfolgreich zusammenspielen?

Hotelinvestitionen müssen heute von Beginn an integriert gedacht werden: Kapital, Betriebskonzept, Betreiberkompetenz, Standort, Zielgruppe und Gastgeberkultur müssen schlüssig zusammenpassen. Banken, InvestorInnen und Förderstellen erwarten belastbare Konzepte, die zeigen, welche Preisfähigkeit besteht, wie hoch der Personalbedarf ist, welche Auslastung realistisch erscheint und welche Erträge nach Kosten, Kapitaldienst und Reinvestitionen tatsächlich bleiben. Erfolgreiche Projekte investieren nicht in Größe um der Größe willen, sondern gezielt dort, wo ein klarer Mehrwert für Gast, Marke und Ergebnis entsteht und zugleich die Identität des Hauses langfristig gestärkt wird.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

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Zur Person

Thomas Reisenzahn ist Gründer, Gesellschafter und Geschäftsführer der Prodinger Tourismusberatung. Seine Tätigkeitsschwerpunkte umfassen unter anderem Positionierungs- und Strategieentwicklung sowie Betriebsübergaben.

12. Mai 2026 | AutorIn: Michaela Ehammer | Foto: JACKYZOE; Magnific/AI-generated; Prodinger Tourismusberatung (2)

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