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Tirols neue Bierkultur

Zwischen Sudkessel und Experiment

Zwischen Sudkessel und Experiment
Von Essig bis Spa: Tirols Biervielfalt blüht.
Tirols neue Bierkultur

Zwischen Sudkessel und Experiment

Zwischen Sudkessel und Experiment
Von Essig bis Spa: Tirols Biervielfalt blüht.

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Kleine Brauereien, neue Rohstoffe, ungewöhnliche Ideen – die Tiroler Szene rund um den Gerstensaft ist im Wandel. Es geht längst nicht mehr nur ums Biertrinken, sondern um Herkunft, Handwerk und den Mut, Bekanntes neu zu denken.

Die Wurzeln des Bierbrauens in Tirol reichen tief – bis ins 10. Jahrhundert lassen sich erste Spuren zurückverfolgen. Und doch ist das, was heute in heimischen Sudkesseln entsteht, weit mehr als bloße Tradition: Es ist Ausdruck eines spürbaren Wandels, der Regionalität, Transparenz und handwerkliche Qualität in den Mittelpunkt rückt.

Heute prägt die Bierlandschaft vor allem ihre Vielfalt im Kleinen. Viele Betriebe produzieren in überschaubaren Mengen, oft mit klarer Handschrift und eigener Geschichte. Statt Masse zählt Individualität – und die Bereitschaft, auch ungewöhnliche Wege zu gehen. Das zeigt sich in der Auswahl der Rohstoffe, in saisonalen Spezialitäten oder in Kooperationen mit Landwirtschaft und Gastronomie.

  • Hopfen-aus-TirolFCShutterstock
  • Hopfen-und-WeizenFCShutterstock
  • WeizenFCShutterstock

Vom Feld ins Glas

Ein zentraler Trend ist die Rückbesinnung auf regionale Zutaten. Ein Beispiel dafür ist die Schwoicher Brauerei Bierol: Seit 2019 setzt sie verstärkt auf den eigenen, klimaschonenden Anbau von Braugetreide. „Dabei werden unter anderem robuste, alte Sorten wie Wildschönauer Weizen und Inntaler Roggen mit Fokus auf eine gesunde Fruchtfolge kultiviert“, betonen die Geschäftsführer Lisa Luginger-Bichler und Christoph Bichler. Der Ansatz dahinter: weniger Austauschbarkeit, mehr Charakter. Der Geschmack entsteht nicht erst im Sudkessel, sondern beginnt bereits auf dem Feld.

Auch beim Hopfen tut sich einiges. Das Projekt „Flügelschluck“ verbindet Brauinnovation mit Biodiversitätsschutz und rückt den experimentellen Hopfenanbau in den Fokus – in einer Region, die bislang kaum als Anbaugebiet gilt. „Der frisch geerntete Hopfen wird unmittelbar nach der Ernte ohne Trocknung im Wet-Hop-Verfahren verarbeitet. Diese Methode erfordert eine enge zeitliche Abstimmung zwischen Ernte und Brauprozess, ermöglicht jedoch besonders frische, grasige und aromatisch komplexe Bierprofile“, so Harald Stoiber vom Naturschutzhof Going Artenreich. Getragen wird das Projekt in Zusammenarbeit mit der Homebase St. Johann und Bierol. „Mit diesem Projekt konnten wir den ‚Ernte.Reif Preis 2025‘ gewinnen und heuer bauen wir es noch aus.“ Über 20 neue Stecklinge sollen demnach gepflanzt werden, um künftig noch mehr Biergenuss zu ermöglichen.

  • BieressigFCMK-Maria-Kirchner
  • Harald-Stoiber-GoingFCAMTirolMarkus-Krapf

Wenn Bier weitergedacht wird

Parallel dazu entstehen Produkte, die über das klassische Bier hinausgehen. Die Manufaktur Loder in Walchsee im Kaiserwinkl etwa zeigt mit ihrem Bieressig, wie sich Braukunst in andere Geschmackswelten übersetzen lässt. Aus Bier wird hier – durch Zeit, Fermentation und Fingerspitzengefühl – ein komplexer Essig, der in der Küche neue Akzente setzt: von Salatdressings über Saucen bis hin zum Marinieren von Fleisch und Fisch. „Gerade der Craft-Beer-Trend der letzten 15 Jahre bot perfekte Voraussetzungen, die Tür zur Welt der Bieressige in all ihrer Vielfalt aufzutun“, sagt Petra Loder. „Die vielen bekannten Bierstile bringen sensorisch völlig unterschiedliche Bieressige hervor. Der geschmackliche Facettenreichtum hat uns am Anfang sehr überrascht und fasziniert uns bis heute.“ Diese Vielfalt werde von Sommeliers bereits geschätzt, beim breiten Publikum sei sie jedoch noch kaum angekommen.

Solche Ansätze stehen exemplarisch für eine Szene, die offen für Experimente ist, ohne dabei ihre Wurzeln zu verlieren. Ein Beispiel dafür ist das Molkebier „Ku Brew“: Dieses Upcycling-Produkt entstand aus der Zusammenarbeit von Bierol Brauerei und Milchbuben Käserei und wurde mit dem ersten Tiroler Lebensmittelinnovationspreis ausgezeichnet. Die Idee dahinter: Ressourcen sinnvoll nutzen und gleichzeitig Neues kreieren.

  • BierbadFCHotel--Restaurant-Diana-GmbH--Co-KG
  • Bierbad-3FCHotel--Restaurant-Diana-GmbH--Co-KG
  • Bierbad-2FCHotel--Restaurant-Diana-GmbH--Co-KG

Bier als Wohlfühlfaktor

Auch Wellness geht in Tirol Hand in Hand mit Bier: im Hotel Diana in Seefeld. „Mit würzigem Duft und sprudelndem Prickeln verwöhnt der naturbelassene Gerstensaft, welcher frei von kosmetischen Zusatzstoffen ist, die Haut und entspannt auf besondere Weise“, erzählt Geschäftsführer Stephan Öfner. „Unser Bier-Bottich-Bad gibt es seit 2002 bei uns im Haus und ist in dieser Form das Einzige in Tirol.“ Im Biertrub stecken Malz- und Hopfeninhaltsstoffe, der Wassergehalt beträgt rund 80 Prozent. Gebucht werde das Gerstensaft-Bad aber nicht nur zur Entspannung: Im Bottich sitzend kann man selbst ein Bier zapfen – eine erfrischende Ergänzung zum klassischen Wellnesstag.

Apropos außergewöhnlich: Bis vor etwa einem Jahr beherbergte Tirol außerdem das erste Bierschwimmbad der Welt – auf Schloss Neustarkenberg in Tarrenz. Es bestand aus bis zu vier Becken, gefüllt mit 12.000 Litern Wasser und 300 Litern Starkenberger Bier.

Bierfakten aus Tirol

  • 32 Tiroler Brauereien sind derzeit laut WKO-Firmenverzeichnis gelistet (Stand: 2026)
  • Zu den ältesten Brauereien Tirols zählen Zillertal Bier mit rund 500 Jahren – die älteste Privatbrauerei Tirols –, Huber Bräu mit etwa 300 Jahren, schon zu Mozarts Zeiten bekannt, sowie Starkenberger mit rund 200 Jahren Tradition.
  • Das Stadl Bräu in Berwang ist Österreichs höchstgelegene Hausbrauerei Österreichs
  • „Aurum Imperium Tirol“ ist ein spezielles Bier aus Tirol, das echtes Blattgold enthält. Diese energetisierende Wirkung soll sich positiv auf Wohlbefinden, Selbstbewusstsein und innere Ausgeglichenheit auswirken.
  • Jährlich im Mai findet in Zell am Ziller mit dem „Gauder Fest“ das größte Trachtenfest Österreichs statt. 2014 erklärte die UNESCO es zum Immateriellen Kulturerbe. Der „Gauder Bock“ von „Zillertal Bier“ ist mit 7,8 Prozent das stärkste Festbier des Landes.
  • Am 30. September wird der „Tag des österreichischen Bieres“ gefeiert, zeitgleich mit dem traditionellen „Brausilvester“. Seit 2016 würdigt dieser Tag die österreichische Braukultur, die Vielfalt der heimischen Biere und den Beginn des neuen Braujahres.
04. April 2026 | AutorIn: Michaela Ehammer | Foto: Shutterstock (4); AMTirol/Markus Krapf; MK Maria Kirchner; Hotel – Restaurant Diana GmbH & Co KG (3)

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