Ein Ohr für die Autobahn

Ein Forschungsteam der FH Kufstein Tirol analysiert Schallemissionen auf kritischer Infrastruktur. Dadurch, so sind die ForscherInnen rund um Datenanalyst Michael Kohlegger überzeugt, lassen sich Rückschlüsse auf den Zustand verkehrstechnisch wichtiger Bauwerke ziehen.

Autobahnbrücken und andere kritische Infrastruktur sind für ein intaktes Verkehrsnetz enorm wichtig. Schäden oder Abnutzungen darauf belasten das gesamte Verkehrssystem und können zu langen Verzögerungen oder auch zu Unfällen führen. Um das zu vermeiden, wird ihr Zustand immer wieder überprüft.

Aber einmal abgesehen von der Fehleranfälligkeit des Faktors Mensch, sind die Kontrollen auch nicht sonderlich praktisch: „Die Inspektionen sind für das Kontrollpersonal nicht ungefährlich“, erklärt Michael Kohlegger, Datenanalyst und -experte der FH Kufstein Tirol. Um für ihre Sicherheit zu sorgen, muss der Verkehr beschränkt oder umgelenkt werden, was wiede-rum zu Verzögerungen führt. Auch die Dokumentation der Kontrollgänge ist umständlich. Wünschenswert wäre eine permanente, dokumentierte Überwachung des Zustands kritischer Infrastruktur, die keine KontrolleurInnen in Gefahr bringt und objektiv generierte Daten liefert.

Arbeitsersparnis

ForscherInnen der FH Kufstein Tirol scheint in Zusammenarbeit mit der Bernard-Gruppe genau das zu gelingen. Michael Kohlegger und sein Team glauben, dass durch die Analyse von Schallemissionen auf einem Straßenabschnitt Rückschlüsse auf dessen Zustand gezogen werden können: „Dafür reicht uns die Amplitude des Geräuschs beispielsweise auf einer Brücke“, erklärt Kohl-egger. Die Informationen, die daraus generiert werden, ersparen viel Arbeit. „Aus den Daten lässt sich vermutlich nicht nur herauslesen, ob eine Störung vorliegt, sondern auch, um welche es sich handelt“, meint der Datenanalyst. Mit ersten Details der Datenauswertung sei allerdings erst mit Ende des Jahres zu rechnen. Dann soll sich auch feststellen lassen können, worauf sich durch die Analyse des Schallprofils schließen lassen kann.

„Schon jetzt lässt sich das Projekt aber als Erfolg werten“, gibt sich Michael Kohlegger stolz. Denn die Anschaffung der Sensorik zur Dokumentation von Schallemissionen ist kostengünstig, effektiv, permanent und genau. So genau, dass sich damit voraussichtlich sogar jetzt schon weitere Daten erheben lassen. Alleine die Information einer Abnutzung oder Beschädigung auf einem Autobahnabschnitt sei für Autobahnbetreibende wie beispielsweise die Asfinag von großer Bedeutung – doch dabei soll es nicht bleiben.

Auch für andere Bereiche geeignet

Nicht nur Schäden oder Abnutzungen am Bauwerk lassen sich anhand der Schallprofile feststellen, sondern auch die Fahrzeugtypen, die sie befahren. „Auf diese Weise können wir in Zukunft punktgenaue Daten über Verkehrsaufkommen erhalten, ohne dafür viele Ressourcen einsetzen zu müssen“, erklärt der Forscher der FH Kufstein Tirol. Schwerverkehr verursacht einfach andere Schallemissionen als Personenverkehr – diese Unterscheidung kann laut den ForscherInnen der FH Kufstein Tirol festgestellt werden, ohne andere Parameter außer Acht lassen zu müssen. Dies lasse auch weitere Schlüsse zu: „Schallemissionen können nicht nur im Verkehrswesen, sondern vermutlich auch in der Industrie von Nutzen sein“, sagt Michael Kohlegger. Denn auch dort müssen beispielsweise Maschinen immer wieder gewartet und überprüft werden, „was mit Arbeits- und Zeitaufwand verbunden ist. Beides kann vermieden werden“, ist sich der Experte sicher.         

Zur Person

Michael Kohlegger ist FH-Vizerektor, Studiengangsleiter Master Data Science & Intelligent Analytics an der FH Kufstein Tirol.

Ein Ohr für die Autobahn
Hört man der Autobahn richtig zu, kann man erfahren, wie es ihr geht, sind die ForscherInnen überzeugt.

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