Fair Play

Das Projekt I-Value will durch die Vermittlung positiver Werte einen Teil zur Dopingprävention beitragen. Dafür setzt man bereits möglichst früh an – nämlich bei Schülern ab sechs Jahren.

Steigt der Druck, steigt oft auch die Ver­zweiflung. Und damit ebenso die Bereitschaft, sich, wenn nötig, mit ungewöhnlichen oder gar unlauteren Mitteln zu helfen. Besonders augenscheinlich wird dies in der Welt des Spitzensports, die regelmäßig von diversen Dopingskandalen erschüttert wird – zuletzt etwa unter anderem im Rahmen der Nordischen Ski-WM in Seefeld, als mehrere Athleten in flagranti beim Blutdoping erwischt wurden.

Derartige Fälle bereits möglichst im Keim zu ersticken, ist das langfristige Ziel von I-Value. Dabei handelt es sich um ein von der EU gefördertes internationales Forschungsprojekt, das von der nationalen Antidopingagentur Sloweniens geleitet und gemeinsam mit den nationalen Antidopingagenturen aus Belgien, Rumänien, Serbien und Österreich sowie mit den beiden universitären Partnern der Privatuniversität UMIT Tirol in Hall in Tirol und der englischen Leeds Beckett University realisiert wird. Es richtet sich an sechs- bis 14-jährige Schulkinder und soll diesen positive Werte näherbringen, sodass sie selbst in Ausnahmesituationen nicht in Versuchung geraten, auf (illegale) leistungssteigernde Mittel und Methoden zurückzugreifen.

Schutz für Schüler

Welchen Stellenwert bestimmte Wertvorstellungen und deren Vermittlung in Bezug auf eine Dopingprävention haben können, erläutert Cornelia Blank von der UMIT Tirol, die das Projekt zusammen mit der Leeds Beckett University wissenschaftlich begleitet: „Werte fungieren gewissermaßen als Schutzfaktoren. Wenn ich unter Druck gerate und ein entsprechendes Angebot bekomme, überlege ich mir mit gefestigten Werten eher, ob ich darauf einsteige oder nicht.“

Das Besondere an I-Value gegenüber bisherigen Initiativen dieser Art ist, dass es nicht auf Kaderathleten und Leistungssportler, sondern auf Grundschüler abzielt. „Die meisten Präventionsmaßnahmen richten sich an Spitzensportler oder Schüler über 14. Wir aber starten früher, weil wir glauben, dass die Werteentwicklung schon vorher beginnt – nämlich dann, wenn Kinder zum ersten Mal mit Sport in Berührung kommen“, erzählt Blank.

Spiele und Ziele

Derzeit befindet man sich in der finalen Phase der Entwicklung spezieller Stundenbilder, in deren Rahmen den Kindern auf spielerische und interaktive Weise positive Prinzipien wie Fairness und Respekt nähergebracht werden sollen. Das Spektrum reicht dabei von Bastelaufgaben über Karten- und Rollenspiele bis hin zu Pantomime, wobei Methoden wie Ziele sich je nach Altersgruppe unterscheiden.

Bei den Sechs- bis Achtjährigen gehe es Blank zufolge vornehmlich darum, positive Werte zu erklären und deren Relevanz im Sport darzustellen, während bei den Neun- bis Elfjährigen neben dem Verständnis insbesondere die Anwendung der Werte im Vordergrund stehe. Bei den Zwölf- bis 14-Jährigen wiederum fokussiere man sich zusätzlich auf die selbstständige Übertragung der Werte auf neue Situationen. „Die Stundenbilder bauen alle aufeinander auf“, so die Wissenschaftlerin, „haben aber ein Ziel, nämlich in letzter Instanz das moralische Urteilsvermögen der Schüler zu verbessern.“

Über den Sport hinaus

Im Herbst soll I-Value, das auch Lehrer und Eltern stark miteinbindet, erstmals im Rahmen einer von der Universität UMIT Tirol begleiteten Pilotstudie an Bildungseinrichtungen in den jeweiligen Ländern getestet werden. Danach werden die Stundenbilder nochmals evaluiert und gegebenenfalls adaptiert, bevor sie 2022 an möglichst vielen Schulen zur Anwendung kommen sollen.

Vom Nutzen des Projekts zeigt man sich vonseiten der UMIT Tirol jedenfalls überzeugt – nicht zuletzt, weil es über sportliche Aspekte hinausgehe, wie Blank meint. „Es läuft zwar unter Dopingprävention, greift aber wesentlich weiter. Im Grunde handelt es sich dabei eher um Persönlichkeitsentwicklung, wo es darum geht, Moral und positive Werte zu entwickeln, zu festigen und anzuwenden. Und diese sind ja nicht nur im Sport wichtig.“

Was wird vermittelt?

Die im Rahmen des Projekts I-Value erarbeiteten Stundenbilder basieren auf Werten, die im Zuge einer systematischen Literaturrecherche der Leeds Beckett University als besonders relevant für die Dopingprävention eingestuft wurden. Konkret sollen den Schülern vor allem folgende fünf Prinzipien vermittelt werden:
1.  Respekt
2.  Mitgefühl
3.  Fairness
4.  Aufrichtigkeit
5.  Verantwortung

Zur Person:

Cornelia Blank ist ao. Professorin und stellvertretende Leiterin des Instituts für Sport-, Alpinmedizin und Gesundheitstourismus (ISAG) an der Universität UMIT Tirol in Hall in Tirol. Dort beschäftigt sie sich unter anderem mit Präventionsmaßnahmen gegen Substanzen und Methoden im (Nachwuchs-)Leistungssport.

Fair Play
Dopingprävention beginnt schon bei den Kleinsten.

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