Houska­preis All Stars: Plätze 1 und 3 gehen nach Inns­bruck

Clemens Zierhofer, Professor am Institut für Mechatronik, erhielt für die Entwicklung und Verbesserung von Innenohr-Implantaten den ersten Preis beim Houskapreis 2022. Auch der dritte Platz ging an einen Wissenschaftler der Universität Innsbruck. Armin Hansel vom Institut für Ionenphysik und Angewandte Physik erhielt den Preis für seine Forschungsarbeiten in der Spurengasanalytik.

Im Rahmen der festlichen Preisverleihung am Abend des 28 April erhielt Clemens Zierhofer den Houskapreis 2022 All Stars. Mit diesem Preis zeichnet die B&C Privatstiftung heuer jene Projekte aus, die zwischen 2005 und 2020 bereits nominiert waren und seither den größten wirtschaftlichen Erfolg erzielt haben. Fünf Projekte traten im Wettbewerb um den österreichischen Forschungs-Oscar an, von denen sich Clemens Zierhofer und seine Arbeitsgruppe schließlich durchsetzten.

Der Professor am Institut für Mechatronik der Universität Innsbruck entwickelte gemeinsam mit Industriepartner MED-EL praxistaugliche Konzepte für Innenohr-Implantate für taube und stark hörbeeinträchtigte Menschen, den sogenannten Cochlea-Implantaten. Cochlea-Implantat-TrägerInnen brachte diese Entwicklung Vorteile beim Sprachverstehen mit Hintergrundgeräuschen und beim Hören von Musik. Dafür wurde Zierhofer bereits beim Houskapreis 2012 mit dem 3.Platz ausgezeichnet.

Fast alle entwickelten Komponenten basierten auf neuen theoretischen Grundlagen, die zu Patenten, Veröffentlichungen und internationalen Patentanmeldungen führten. Für alle elektrotechnischen Details des Systems konnten funktionstaugliche Prototypen entwickelt werden. So wurden die Grundlagen für ein vollständiges Cochlea-Implantatsystem geschaffen, das von MED-EL GmbH vermarktet wurde. Gemeinsam mit MED-EL wurden die Cochlea-Implantate stetig weiterentwickelt und neue Produktlinien auf den Markt gebracht. Mittlerweile werden mehr als 20.000 Menschen jährlich in 134 Ländern und über 4.000 Kliniken mit MED-EL Implantaten versorgt. Der Umsatz des Unternehmens hat sich seit der Einreichung zum Houskapreis 2012 beinahe verdoppelt.

Universität Innsbruck holt auch dritten Platz

Der dritte Platz ging an diesem Abend an einen weiteren Kandidaten der Universität Innsbruck: Armin Hansel, Professor am Institut für Ionenphysik und Angewandte Physik, entwickelte mit seiner Forschungsgruppe das Messverfahren PTR-TOF Spurengasanalytik (Proton-Transfer-Reaction Time-of-Flight). Mit diesem können flüchtige organische Verbindungen wie Kohlenwasserstoffe, Alkohole und organische Säuren in Echtzeit nachgewiesen werden. Dafür wurde Hansel beim Houskapreis 2013 mit dem 1.Platz ausgezeichnet. Neue Forschungsergebnisse und Weiterentwicklungen wurden patentiert und mit der Gründung des Spin-offs Ionicon auf den Markt gebracht. Mittlerweile wird das Spurengasanalytik-Verfahren in der Pflanzenbiologie, Umweltforschung und Lebensmittel-Qualitätskontrolle eingesetzt. Ionicon feierte mit dieser Technologie und ihren Weiterentwicklungen einen großen wirtschaftlichen Erfolg und ist mittlerweile Weltmarktführer auf ihrem Gebiet. Aktuell wird die PTR-MS-Technologie zur Bekämpfung der Covid-19 Pandemie in Asien bei Atemtestgeräten zur Detektion von SARS-CoV-2 Infektionen eingesetzt. Außerdem leisten Ionicon PTR-TOF Analyzer einen wichtigen Beitrag bei der Luftüberwachung und Qualitätssicherung in Reinräumen bei der Chip-Produktion.

Tilmann Märk, Rektor der Universität Innsbruck, freut sich über den großen Erfolg der Projekte: „Die Auszeichnung mit dem ersten und dritten Platz beim Houskapreis 2022 All Stars ist eine große Ehre und zeigt die Innovationskraft und die große wirtschaftliche Bedeutung des Cochlea-Implantats und der PTR-TOF-Technologie. Dass heuer mit MED-EL und Ionicon gleich zwei Projekte aus der Universität Innsbruck prämiert wurden zeigt, wie gut der Technologietransfer an unserer Universität funktioniert und wie erfolgreich sich diese beiden Spin-offs entwickelt haben.“

340.000 € für Forschung, Ausbildung und Infrastruktur

Die Preisausschüttung für den Houskapreis 2022 All Stars ist anders gestaltet als in den vergangenen Jahren: Anstelle eines Preisgeldes erhielten die Gewinner Gutscheine für Forschungs-, Ausbildungs- oder Infrastrukturinvestition. Die festliche Preisverleihung ging mit einer weiteren Besonderheit einher: Gleich zwei Projekte errangen den ersten Platz, auch Stefan Pogatscher von der Montanuniversität Leoben wurde eine goldene Houska-Statuette überreicht. Der zweite Platz fiel aus. Clemens Zierhofer und Pogatscher erhielten beide einen Gutschein im Wert von jeweils 150.000 Euro, der dritte Platz für Armin Hansel betrug 20.000 Euro. Für die beiden weiteren nominierten Projekte stellt die B&C Privatstiftung Gutscheine im Wert von je 10.000 Euro bereit.

Der Dr.-Wolfgang-Houska-Preis wurde 2005 von der B&C Privatstiftung ins Leben gerufen und fördert praxisorientierte Forschung an österreichischen Universitäten. Die Stiftung unterstützt mit dem Preis einzelne Wissenschaftler*innen bzw. Forscherteams, deren eingereichte Projekte in Kooperation mit österreichischen Unternehmen realisiert werden. Ausschlaggebend für die Vergabe sind Innovation und wirtschaftliche Nachhaltigkeit. Der Preis ist nach dem Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Dr. Wolfgang Houska benannt, der von 2000 bis 2005 Vorstandsmitglied der Stiftung war.

Houska­preis All Stars: Plätze 1 und 3 gehen nach Inns­bruck
Clemens Zierhofer (2.v.r.) erhielt beim Houskapreis 2022 All Stars den österreichischen "Forschungs-Oscar".

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