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Digitale Medien haben die Kommunikationslandschaft in den letzten Jahren drastisch verändert. Raffael Heiss beschäftigt sich am MCI damit, was das für die politische Kommunikation bedeutet und wie Social Media als Tool für Politiker funktioniert.

Egal, ob sie direkt über politische Akteure oder über die Medien läuft: Politische Kommunikation bestimmt, was Menschen von Politik mitbekommen, und beeinflusst damit auch, ob und wie Bürger politisch partizipieren. Während politische Information lange Zeit hauptsächlich über traditionelle Medien wie Zeitungen, Fernseher und später auch Webseiten erfolgte, nimmt Social Media hier inzwischen eine immer wichtigere Rolle ein: „Gerade für Jugendliche ist Social Media heute bereits der wichtigste Informationskanal. Natürlich sind auch die klassischen Medienkanäle noch relevant, aber der digitale Bereich ist die Zukunft“, sagt Politik- und Kommunikationswissenschaftler Raffael Heiss, der am MCI das Verhalten politischer Akteure in den sozialen Medien untersucht.

Ungenutztes Potenzial

Konkret schauen sich Heiss und seine Kollegen an, wie Politiker über Social Media kommunizieren, welche Inhalte sie posten und welche Effekte diese auf Bürger haben. Dazu verwenden sie neben Umfragen und Experimenten vor allem Inhaltsanalysen, um herauszufinden, welche Arten von Posts besonders gut funktionieren. Hier hat sich gezeigt, dass neben Faktoren wie Humor, Emotion und Negativität auch komplexere, mit Argumenten und Fakten bereicherte Posts mit längeren Texten überdurchschnittlich häufig gelikt, geteilt und kommentiert werden – das scheint den meisten Politikern allerdings nicht wirklich bewusst zu sein: „Politiker haben sehr viel Negatives und Emotionales gepostet, aber nur in rund zwei Prozent aller Posts, die wir analysiert haben, wurden auch faktenbasierte Argumente vermittelt“, berichtet Heiss.

Polarisierte Gesellschaft

Abgesehen von diesem nicht ausgeschöpften inhaltlichen Potenzial habe sich auch gezeigt, dass die politischen Ansichten und Einstellungen von Menschen dadurch verstärkt werden, dass sie auf Social Media genau den Politikern folgen, die ähnliche Ansichten vertreten. Das berge ein großes Polarisierungspotenzial, erklärt der Kommunikationswissenschaftler: „Politiker vermitteln natürlich ihre eigene Sicht, ihre eigenen Perspektiven und Ideologien – und je weiter ein Politiker am linken oder rechten Rand verortet ist, umso stärker wird er seine Positionen wahrscheinlich auch vertreten.“ Das sei ein Problem, weil man den Inhalten auf Social Media ungefiltert ausgesetzt ist und dort eben meist nur sehr einseitig und oberflächlich informiert wird. „In den klassischen Medien erfährt man auch, was Politiker sagen, aber ihre Aussagen werden von Journalisten selektiert, aufbereitet und interpretiert. Diese Selektions- und Kontextualisierungsleistung fehlt auf Social Media komplett.“

Politische Zukunft

Besonderen Handlungsbedarf sieht Heiss im Zusammenhang mit Jugendlichen. „Wenn die ersten Inhalte, mit denen sie in den sozialen Medien konfrontiert werden, rechtspopulistische oder sogar extremistische Inhalte sind, die häufig besonders gepusht werden, besteht natürlich die Gefahr, dass sie auf Basis dieser Inhalte politisch sozialisiert werden“, erklärt er. Wenn man das verhindern wolle, müsse man mehr und früh in politische Bildung investieren, die Qualität des politischen Angebots auf Social Media verbessern und die Inhalte thematisch mehr auf den politischen Nachwuchs zuschneiden: „Jugendliche sind extrem präsent auf Social Media, gehören teilweise schon zum Elektorat und werden die Zukunft unserer Demokratie mitbestimmen. Da liegt es auf der Hand, dass man sie möglichst früh mit Inhalten abholen sollte, nicht nur mit Emotionen und Humor.“

Welche Plattformen sind wichtig?

Obwohl die Nutzerzahlen von Facebook zurückgehen, erreicht man damit in Österreich mit fast vier Millionen Nutzern immer noch die meisten Menschen. Zunehmend wichtig für politische Kommunikation werden die Video- und Bildportale YouTube und Instagram, die vor allem bei Jugendlichen beliebt sind.

Von Likes und Shares
Manche Politiker nutzen Social Media bereits exzessiv, um Ideen und Ansichten zu teilen – Inhalte bleiben dabei aber meist auf der Strecke.

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