Zukunftsmusik - Vertical Farming

Auch wenn vieles noch in den Kinderschuhen steckt, zeichnen sich manche Vorteile des vertikalen Anbaus bereits deutlich ab. Zum einen würde die Produktion in oder am Rande von Städten viele Logistikprobleme lösen. Zum anderen haben Versuchsprojekte und Simulationen gezeigt, dass:

  • Wasserbedarf um bis zu 95 % reduziert werden kann.*
  • 95 % weniger Dünger eingesetzt werden muss.*
  • mehrere Erntezyklen in einem Jahr möglich sind.**
  • die Reisproduktion in einem 20-stöckigen Gebäude 200-mal mehr Ertrag pro Flächeneinheit liefern kann als im Freien.**

Noch ist Vertical Farming bestenfalls in Nischenbereichen einsetzbar. Für viele Aspekte ist noch Grundlagenforschung nötig. Daran beteiligt hat sich auch Igor Schweiggl, im Rahmen seines MCI-Studiums.

Was bringt Vertical Farming?

Igor Schweiggl: Abgesehen von der Platzersparnis ist da der Anbau in Form eines nahezu vollständig geschlossenen Kreislaufs. Damit können Wasser und nicht aufgenommene Nährsalze einfach wiederverwendet werden. Zudem erlaubt uns der geschlossene Raum eine optimale Klimaführung: Wir können die Bedingungen nahezu perfekt an die Pflanze anpassen, ganz unabhängig vom Wetter. Und weil das System geschlossen ist, haben auch Schädlinge kaum eine Chance. Damit wird der Bedarf an Pflanzenschutzmitteln auf ein Minimum reduziert.

Wo liegen die aktuellen Hürden?

Eine große Hürde ist zurzeit noch der hohe Energieverbrauch durch die künstliche Beleuchtung. LED-Lampen sind zwar bereits sehr energiesparend, jedoch reicht dies meist nicht aus, um rentabel zu wirtschaften. Ein Ansatz ist Solarenergie – insbesondere auf den Fassaden der „Farmen“, die viel Platz bieten.

Für welche Pflanzen eignet sich das Prinzip?

Prinzipiell wäre „vertikales Farming“ bei nahezu allen Pflanzen denkbar. Die Handhabung mancher Gewächse ist allerdings schwieriger und die Anbautechniken sind noch nicht ausgereift. Deswegen beschränkt sich die Methode bislang auf einige wenige.

Wo wird es sich anfänglich durchsetzen?

Zurzeit wird dieses Anbausystem hauptsächlich bei Blattgemüse und zur Produktion von sogenannten „micro-greens“ angewandt, die sehr früh in ihrem Lebenszyklus geerntet werden. Komplexere Gewächse eignen sich aktuell vor allem in der Aufzucht. Dabei gibt es bereits Versuche mit Paprika und ucchini. Hier haben wir den Vorteil, dass durch die Lichtverhältnisse Pflanzeneigenschaften, wie die Anzahl an ausgebildeten Blättern und die Stillänge, beeinflusst werden können.

Was waren die überraschendsten Erkenntnisse aus dem Forschungsprojekt?

Sehr überrascht waren wir davon, wie schwer es ist, in der Versuchsanordnung vom Samen einer Pflanze zu deren Keimling zu gelangen. Vor allem dadurch, dass wir ohne Erde keimen wollten, stellten sich uns einige Herausforderungen. Erst nach mehreren Aufzuchtversuchen konnten wir Fortschritte beobachten.

Zur Person:

Igor Schweiggl hat die Fachoberschule für Landwirtschaft in Südtirol abgeschlossen und studiert aktuell Bio- und Lebensmitteltechnologie am MCI Innsbruck. Dort hat er im vergangenen Jahr auch an Versuchen mit Wasserlinsen gearbeitet, die in einer Vertical-Farming-Anordnung gezüchtet worden sind.

Quellen:
* Andreas Reimann – Frauenhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME in Breaking lab: Effizienteste Vertical Farm Europas – die Zukunft der Landwirtschaft –


** A European perspective of innovations towards mitigation of nitrogen-related greenhouse gases Wilfried Winiwarter et al.

Zukunftsmusik - Vertical Farming
Grundlagenforschung für Ver tical Farming: Unter Laborbedingungen züchtete Igor Schweiggl Wasserlinsen.

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