Gut verpackt durch die Krise

Wie sich die Pandemie auf die Pharma­industrie ausgewirkt hat, was den Standort Tirol so besonders macht und warum Einwegverpackungen in der Medizin das geringere Übel sind, erklärt Marco Rupprich, Business Development Manager von Single Use Support.

Herr Rupprich, Sie haben Ihren Umsatz in den letzten Jahren enorm steigern können. Wie ist es dazu gekommen?

Marco Rupprich: Mit unserer Technologie haben wir eine Lücke zwischen Herstellern und Anwendern von Impfstoffen geschlossen. Als dann die Coronakrise kam, haben wir sehr stark davon profitiert. Das war sicher hauptverantwortlich für unser Wachstum.

Wie sieht die aktuelle Situation am Pharma- und Medizintechnikmarkt aus?

Der Hype, den es durch die Coronakrise speziell im Impfstoffbereich gab, ist deutlich abgeflacht. Der Markt ist gesättigt. Aber durch die Fortschritte in der Gen- und Zelltherapie, vor allem in der Krebsforschung, bahnt sich bereits der nächste Boom an.

Haben Sie mit ähnlichen Lieferproblemen wie zum Beispiel die Autobranche zu kämpfen?

Ja. Besonders bei Einwegteilen wie unseren Produktbeuteln, wobei wir von Biocontainern sprechen. Da gibt es Lieferzeiten von bis zu zwölf Monaten. Das war einer der Gründe, warum wir uns entschieden haben, diese teilweise selbst zu produzieren. Die Rohmaterialien sind nämlich lieferbar. Deswegen waren wir in den letzten Jahren auch so erfolgreich. Wir konnten unseren KundInnen innerhalb von acht Wochen die gewünschten Produkte liefern, wohingegen unsere MitbewerberInnen eher von acht Monaten gesprochen haben.

Sie sprechen von Einwegteilen. Ist das nicht schlecht für die Umwelt?

Diese Vorstellung haben viele Menschen. In unserer Branche muss man aber bedenken, dass konventionelle Systeme wie Edelstahlbehälter aufwendig sterilisiert werden müssen. Dafür benötigt man extrem viel Wasser, Chemikalien und Energie. Und wie unsere Einwegbeutel werden die meisten Chemikalien aus Erdöl hergestellt. Laut einer aktuellen Studie ist der ökologische Fußabdruck von Single-Use-Produkten in der Pharma­branche 40 bis 60 Prozent geringer als bei Mehrwegsystemen.

Ist es in einer so internationalen Branche wie der Pharmaindustrie ein Nachteil, in Tirol zu sitzen, quasi in der Provinz?

Nicht wirklich. Wir können zwar, was BewerberInnen angeht, nicht so aus dem Vollen schöpfen, aber dafür gibt es auch große Vorteile.

Zum Beispiel?

Hier gibt es sehr viele kleine und mittelständische Unternehmen, gerade in der Kunststoff- und Automatisierungstechnik sowie im Stahlbau. Diese kleineren Unternehmen sind viel flexibler als große. Und da unsere Produkte sehr kundenspezifisch sind, brauchen wir diese Flexibilität. Außerdem können wir durch kurze Wege zwischen uns und unseren PartnerInnen eventuelle Lieferschwierigkeiten ausgleichen. Deswegen ist der Standort Tirol insgesamt ein Vorteil.

Gibt es deswegen so viele Pharmaunternehmen, wie Sie, Med-EL oder Sandoz, in Tirol?

Diese Unternehmen hatten andere Gründe. Aber durch deren Anwesenheit hat sich hier eine Art Hotspot entwickelt. Und in Kombination mit den angesprochenen Vorteilen lockt das immer mehr Unternehmen nach Tirol. Wie beispielsweise die BASF nach Kundl.

Das heißt, in Tirol ist noch genug Platz für neue Pharmaunternehmen?

Der Markt gibt das auf jeden Fall her. Das gilt vor allem für große Unternehmen. Kleine Start-ups können in Tirol aufgrund der hohen Grundstückspreise schwer Fuß fassen. In der Nähe von Graz gibt es ähnliche Cluster wie hier, da sind die Grundstückspreise jedoch deutlich niedriger. Deshalb ist es dort für junge Unternehmen attraktiver. Ich bin aber zuversichtlich, dass der Standort Tirol an Attraktivität zulegt.

Und wohin geht die Reise für Single Use Support?

Zum einen wollen wir unsere Produktpalette erweitern. Zell und Gentechnik sind Bereiche, in denen wir starkes Wachstum erwarten. Dort können wir mit unserer Technologie Fuß fassen. Außerdem wollen wir neue Märkte erschließen. Bisher waren die USA und teilweise Europa unser Hauptmarkt. In Zukunft wollen wir den asiatischen und afrikanischen Markt stärker bedienen. Dort ist das Wachstumspotenzial wesentlich größer als hier.        

Infos zum Unternehmen:

Das Kufsteiner Unternehmen Single Use Support stellt innovative Produkte zum Transport und zur Lagerung von Flüssigkeiten in der Pharmaindustrie her, zum Beispiel für Impfstoffe im gefrorenen Zustand. Seit 2019 haben die Tiroler ihren Umsatz von 3 auf 130 Millionen Euro pro Jahr gesteigert und beschäftigen mittlerweile über 140 MitarbeiterInnen.

  • RoSSKSETFrozen-3-von-5fcSingleUseSupport

    Single Use Transportbeutel für Impfstoffe

  • RoSSFILL-CGT-8fcSingleUseSupport

    Automatische Befüllung und Entleerung der Transportbeutel mit bis zu 300 Liter pro Stunde.

Gut verpackt durch die Krise
„Der ökologische Fußabdruck von Single-Use-Produkten in der Pharmabranche ist 40 bis 60 Prozent geringer als bei Mehrwegsystemen.“ Marco Rupprich, Business Development Manager

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