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Wie entwickelt sich der Tourismus in Tirol, Herr Kneisl?

Benjamin Kneisl schätzt dezentral organisierte Strukturen im Tourismus.

Wie entwickelt sich der Tourismus in Tirol, Herr Kneisl?

Benjamin Kneisl schätzt dezentral organisierte Strukturen im Tourismus.

Sie sind seit April Vorstandsvorsitzender der Tiroler Tourismusverbände. Was ist Ihr Eindruck nach den ersten Wochen auf diesem Posten?

Ich habe einen sehr positiven Eindruck gewonnen. Nach den Krisen der letzten Jahre fühlen wir uns im Tourismus darin bestätigt, dass wir im Vergleich zu anderen Branchen und Mitbewerbern ein Top-Produkt vorzuweisen haben und hier mit Qualität punkten können. Urlaub ist immer verknüpft mit Emotionen und Tirol ist der Inbegriff für alpinen Tourismus auf höchstem Niveau.

Wie schwierig ist es, 34 Meinungen und Wünsche unter einen Hut zu bringen?

In der vorhandenen Vielfalt gibt es mitunter da und dort unterschiedliche Auffassungen. Jeder Verband hat seine Positionierung und möchte seine Interessen vertreten sehen. Das ist auch gut so, lieber habe ich eine lebendige Diskussion als eine desinteressierte Haltung. Eines verbindet uns aber alle: das gemeinsame Ziel Tirol weiterhin als Top-Urlaubs­destination in Kombination mit einem intakten Lebensraum anzubieten. Man hat die Zeichen der Zeit erkannt, das ist es, was uns in Tirol ausmacht. Nun gilt es, weitere Schritte einzuleiten und konsequent weiterzuarbeiten.

Tourismus weltweit befindet sich gerade im Wandel. Sind Tourismusverbände als Struktur für diese Veränderungen überhaupt gewappnet oder besser gesagt geeignet?

Vergangenes hat gezeigt: Nicht alles können wir beeinflussen! Wir können aber die Schalter schnell umlegen. Wir verstehen wie wenige andere unsere Gäste, deren Wünsche und handeln rasch. Die dezentral organisierten Strukturen bieten hier ein hohes Maß an Flexibilität. Wir werden uns auch hier als Tiroler Tourismusverbände weiterhin gemeinsam mit unseren fleißigen Händen und dem Know-how, das wir uns angeeignet haben, diesen Aufgaben stellen. Ich bin überzeugt, dass wir hier alle nötigen Werkzeuge in der Tasche haben.

Welche drei Herausforderungen wird konkret der Tiroler Tourismus meistern müssen, um auch in Zukunft eine Vorreiterrolle einnehmen zu können?

Künstliche Intelligenz und Digitalisierung, um die verschiedenen Bereiche des Tourismus besser miteinander zu verbinden und dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Herausforderungen des Lebensraums: Der Lebensraum spielt eine wichtige Rolle im Tourismus, da er zunehmend zum Motiv für viele Reisende wird, eine bestimmte Destination zu besuchen. Der zukunftsorientierte Umgang gewährleistet auch das Wohlergehen der lokalen Bevölkerung und die Erhaltung der natürlichen und kulturellen Schätze eines Ortes.

Und damit zusammenhängend: Klimawandel. Dieser wird in den nächsten Jahren auch den Tourismus verändern – hin zu höher gelegenen Skigebieten im Winter und verkürzten Skisaisonen im Allgemeinen. Aber wo ein Schaden, da auch ein Nutzen, nämlich die weitere Fokussierung auf Ganzjahrestourismus. Tirol bietet hier eine hervorragende Infrastruktur.

Was sind beim Thema Digitalisierung die größten Chancen und was sind die Limits?

Die Chancen sind unvorstellbar groß. Die Art, wie man mit digitalen Helfern verreist, die Vorbereitung auf den Urlaub durch VR, die Information vor Ort etwa durch den Wegfall von Informationsgebäuden hin zu Chatbots und vieles mehr … Dieser Bereich entwickelt sich exponentiell mit einem nie dagewesene Tempo. Das wird unser aller Denken und unsere Vorstellung neu ordnen. Ich bin ein Freund von Technik und der damit verbundenen Entwicklung. Limits gibt es da nur in Bezug auf soziale Faktoren, hier müssen Regeln geschaffen werden – ansonsten müssen wir uns dem weltweiten Wettbewerb stellen und mit der Zeit gehen. Ich sehe deutlich mehr Chancen als Risiken.

Zur Person

Benjamin Kneisl ist Vorstandsvorsitzender des VTT (Verbund der Tiroler Tourismusverbände) und Obmann des Ötztal Tourismus. Er absolvierte die HTL-Elektrotechnik in Innsbruck und übernahm mit 22 Jahren den Betrieb seiner Eltern.

13. Juli 2023 | Autor: top.tirol Redaktion | Foto: Ötztal Tourismus

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