Wie geht es eigentlich... den Druckereien?

Papier ist knapp und teuer: wie Druckereien mit diesen Entwicklungen umgehen erzählt Martin Fiegl, Geschäftsführer von Alpina Druck.

Wie geht es den Druckereien aktuell wirtschaftlich?

In den letzten zehn Jahren gab es europaweit jährlich einen Rückgang von rund drei Prozent, das summiert sich in zehn bis zwölf Jahren natürlich und wir haben heute nur mehr das halbe Druckvolumen. Die Branche ist stark geschrumpft, auch in Tirol – mit Ausnahme des Verpackungsdruck, wo das Gegenteil der Fall ist. Seit letztem Sommer kämpft die Branche mit Papierknappheit.  Wir leiden unter dem Mangel und den damit einhergehenden Preiserhöhungen, das ist gerade eine große Herausforderung.

Was sind die Gründe für die Knappheit?

Durch das Schrumpfen der Branche haben auch Papierfabriken Kapazitäten vom Markt genommen und sich auf den Verpackungsbereich umgestellt. Zeitgleich mit dem Papiermangel seit letztem Sommer ist aber auch eine Renaissance des Druckens gekommen und die Nachfrage nach Gedrucktem gestiegen. Weniger Papier und mehr Nachfrage führen zur aktuellen Situation.

Rohstoffknappheit, gestörte Lieferketten und der Online-Boom sorgen für Papierknappheit. Wann ist ein Ende absehbar?

Es ist kein Ende absehbar, weil die Kapazitäten fehlen. Möglicherweise kommt es zu einer Entspannung der Lage, wenn die hohen Lagerbestände reduziert werden.

Welche Branchen spüren die Auswirkungen der Papierknappheit und Preissteigerungen?

Es spüren eigentlich alle, die in der Druckerei bestellen. Es gibt stark veredelte Produkte, mit einem Papieranteil von 20 Prozent vom Gesamtpreis, zum Beispiel bei einem Buch. Dann wirken sich die Preissteigerungen weniger aus als bei Firmen und Branchen, in denen der Papieranteil bei 50 bis 60 Prozent liegt.

Welche Folgen sind bei einem Öl/Gas-Embargo zu befürchten?

Die Folgen wären verheerend. Man kann dem nur vorbeugen, in dem man die Lager entsprechend aufbaut. Die Folgen eines Gasembargos wären dermaßen dramatisch für Papier, Stahl und alle energieintensiven Industrien, das ist unvorstellbar.

Welche Rahmenbedingungen brauchen die Druckereien, um in Zukunft gut wirtschaften zu können?

Die Rahmenbedingungen haben sich mittlerweile zum Glück geändert, auch in und durch die Pandemie. Es ist ein starkes Bewusstsein für Regionalität entstanden. In Tirol haben wir einen sehr großen Markt, der bisher nicht im Lande gedruckt hat. Vor fünf Jahren hat man da noch anders gedacht. Man schätzt jetzt sowohl die Produktionssicherheit als auch das ökologische Gewissen. Das ist ein positiver Rahmen, der aber nicht von außen kommt. Durch die Politik gegeben sind etwa neue Gesetze zu Ausschreibungen – die eben nicht mehr gerade zu provozieren, dass weiß Gott wo im Ausland produziert und gedruckt wird. Auch politisch ist mittlerweile der Wille da, die heimische Wirtschaft zu stützen.

Wie geht es eigentlich... den Druckereien?
Martin Fiegl, Geschäftsführer Alpina Druck

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