Auch Lehrlingsausbilder haben noch längst nicht ausgelernt

In Tirol führt der Weiterbildungspass zum diplomierten Lehrlingsausbilder.

Firmenchef, Fachkraft im Betrieb, hauptberuflicher Lehrlingsbeauftragter oder Mitarbeiter in der Personalabteilung: Die Verantwortung für die Nachwuchskräfte ruht - je nach Größe und Ressourcen einer Firma - auf recht unterschiedlichen Schultern. In Tirol sind rund 5400 Personen mit der Ausbildung von Lehrlingen betraut. Sie alle eint, dass sie sich mit der Ausbilderprüfung (40 Stunden Vorbereitung) für die Lehrlingsbetreuung qualifiziert haben.

Weiterbildungspass

Auch für sie heißt es aber, ständig am Ball zu bleiben, um mit aktuellen Entwicklungen und den Herausforderungen der Aufgabe Schritt halten zu können. Tirol hat mit dem "Weiterbildungspass" bereits 2005 einen Weg geschaffen, auf dem Lehrlingsverantwortliche ihre Qualifi­kationen durch Vorträge, Seminare und Workshops erweitern und vertiefen können. Aufgebaut als Drei-Stufen- bzw. Punktesystem führt er zum "diplomierten Lehrlingsausbilder". Den Abschluss bildet eine 20-seitige Facharbeit, die vor einer Jury präsentiert werden muss.

Digitale Kommunikation als Bindeglied zwischen Lehrling und Betrieb

Inhaltlich geht es vor allem um berufspädagogische Fragen, berichtet Eva Spiegel-Peters vom Ausbilderforum, das den Pass koordiniert. Die Corona-Krise mit Lockdowns, Kurzarbeit und Distance Learning macht z. B. die digitale Kommunikation als Bindeglied zwischen Lehrling und Betrieb zum handfesten Thema. "Auch die psychische Belastung der Lehrlinge ist eines", berichtet Spiegel-Peters. Weitere Inhalte sind etwa die Ausbildungsplanung, die je nach Betriebsstruktur recht unterschiedlich ausfällt, sowie die Teamarbeit. Ganz abgesehen von Fragen, die in der Arbeit mit Jugendlichen zwangsläufig auftauchen. "Pubertät, das goldene Zeitalter", heißt etwa ein Modul.
Das vielfältige Rüstzeug können Lehrlingsausbilder nicht nur in der Ausbildungsakademie erwerben. Anrechenbar sind auch einschlägige Vorträge und Seminare etc. anderer Anbieter (sofern deren Besuch maximal fünf Jahre zurückliegt).

136 diplomierte Lehrlingsausbilder

Was ein bisschen zögerlich begann, nimmt jetzt Fahrt auf: Bisher gibt es in Tirol 136 diplomierte Lehrlingsausbilder. "Da ist noch Luft nach oben", räumt Spiegel-Peters ein. "Aber aktuell sind 322 Personen in der Stufe 1 und 177 in der Stufe 2. Wenn die alle dranbleiben, haben wir bald 500 neue diplomierte Lehrlingsausbilder." Wie sie betont, kommen auch viele der Trainer in der Ausbildungsakademie aus der beruflichen Ausbildung.

Als wichtiges Element hat sich der Erfahrungsaustausch zwischen den Teilnehmern erwiesen: Vernetzungstreffen, die zumindest vor Corona oft mit Betriebsbesuchen verknüpft wurden, sind besonders gefragt. Bei diesen "Stammtischen" holen sich die Ausbilder wertvolle Tipps und Ideen aus der Praxis. "Ganz viel geht es dabei um den Umgang mit Lehrlingen", weiß Spiegel-Peters. Klassische Vernetzungstreffen sind derzeit nicht möglich - noch im Jänner soll aber zumindest ein Online-Stammtisch stattfinden.

Auch mit dem Diplom ist für viele nicht Schluss: "Die, die zu uns kommen, die können gar nicht mehr aufhören", sagt Spiegel-Peters lachend. "Wir haben jetzt begonnen, Vertiefungskurse für Diplomierte anzubieten."

Hier geht´s zum Tiroler Lehrlingsportal www.karrieremitlehre.tirol

Auch Lehrlingsausbilder haben noch längst nicht ausgelernt
Die Diplome verleiht das Land traditionell beim LehrlingsausbilderInnen-Kongress – zuletzt 2019. Der Kongress 2020 fiel aus.

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