„Das ist eine nachhaltige Revolution am Arbeitsmarkt“

Foto: Gretter Fotografie
Christian Mey ist Geschäftsführer von UNTERLAND.JOBS, dem regionalen Jobportal für die Bezirke Kufstein, Kitzbühel und Schwaz. Darüber hinaus unterstützt das Unternehmen Arbeitgeber dabei, ihr Recruiting zu optimieren.

„Das ist eine nachhaltige Revolution am Arbeitsmarkt“

Christian Mey ist Geschäftsführer von UNTERLAND.JOBS, dem regionalen Jobportal für die Bezirke Kufstein, Kitzbühel und Schwaz. Darüber hinaus unterstützt das Unternehmen Arbeitgeber dabei, ihr Recruiting zu optimieren.

Christian Mey von UNTERLAND.JOBS im Gespräch mit top.tirol über künftige Herausforderungen für Personalverantwortliche und warum man die Mitarbeitersuche vom Zufall befreien muss.

In Tirol gibt es so viele offene Stellen wie noch nie und die Arbeitslosenquote ist so niedrig wie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr. Kann man in so einem Umfeld überhaupt noch Mitarbeiter finden, Herr Mey?

CHRISTIAN MEY: Die aktuellen Rahmenbedingungen auf dem Arbeitsmarkt sind für Unternehmen eine enorme Herausforderung. In wenigen Jahren wurde aus einem Arbeitgebermarkt ein Arbeitnehmermarkt. Das ändert alles. Nachhaltig. Wenn Arbeitgeber also auch in Zukunft genügend qualifizierte Mitarbeiter finden wollen, müssen sie ihre Methoden im Recruiting optimieren.

Könnte die bevorstehende Rezession nicht auch für eine Erholung am Arbeitsmarkt sorgen?

Das hängt von der Intensität und Dauer ab. Kurzfristig ist eine leichtere Entspannung durchaus möglich. Fest steht aber, dass es nach jeder Rezession auch einen Aufschwung gibt, der dann auf einen sich verschärfenden demographischen Wandel am Arbeitsmarkt stoßen wird. Und genau dafür rüsten sich vorausschauende Arbeitgeber schon jetzt, weil sie wissen, dass der Kampf um die Talente dann noch härter wird. Durch Abwarten verschiebt man das Problem also nur in die Zukunft und verstärkt es. So mancher Arbeitgeber wird das nicht überleben.

Welche Trends sehen Sie aktuell bei der Suche nach Mitarbeitern?

Die Entwicklung im Recruiting ist atemberaubend. Das Berufsbild des Recruiters, der Recruiterin wandelt sich gerade in Höchstgeschwindigkeit. Aus dem einstigen Einkäufer muss in kürzester Zeit ein Vertriebler auf Niveau Key-Account werden. Das alles bei zunehmendem Druck und teils noch unrealistisch begrenzten Budgets zu stemmen, wird viele Personalverantwortliche an die Grenzen führen.

Mit UNTERLAND.JOBS unterstützen Sie Unternehmen dabei, deren Recruiting zu optimieren. Was darf man sich darunter vorstellen?

UNTERLAND.JOBS ist ein regionales Jobportal mit rund 500 Kunden und monatlich tausenden Nutzern aus dem Tiroler Unterland. Darüber hinaus unterstützen wir immer mehr Kunden mit unserer Expertise dabei, ihr Recruiting zu optimieren. Also beim Aufbau einer regionalen Arbeitgebermarke, beim Performance Marketing, digitalem Storytelling, zeitgemäßem Wording der Stellenanzeigen. Aber auch mit der intelligenten Digitalisierung des gesamten Recruitingprozesses, um eine optimale candidate journey zu erreichen. Das, was von den Arbeitgebern dabei besonders geschätzt wird, sind unser objektiver Blick von außen auf den eigenen Recruitingprozess und die klaren Empfehlungen, die wir schon nach einer ersten Analyse aussprechen können.

Wo gibt es den meisten Aufholbedarf?

Das ist sehr unterschiedlich. Manche Unternehmen glauben immer noch, mit teuren Printanzeigen die meisten Kandidaten zu erreichen, andere wiederum glauben, dass ein einfacher organischer Post auf Facebook alle Probleme im Recruiting löst. Aber es gibt wie überall im Leben auch Vorreiter, die dieser Herausforderung mit einer höheren Professionalität begegnen. Derzeit vorrangig größere Arbeitgeber, die auch die personellen Ressourcen dazu haben. Sie dominieren aktuell den Arbeitsmarkt, was sich in messbar besseren Bewerbungsquoten zeigt. Sorgen machen mir die vielen kleinen bis mittelgroßen Arbeitgeber, denen die Personalressourcen fehlen. Sie brauchen professionelle Unterstützung von außen, um ihr Recruiting zu systematisieren.

Wie wichtig ist inzwischen die Rolle sozialer Medien im Recruiting?

Nach Jobportalen sind sie inzwischen der zweitwichtigste Kanal im Recruiting geworden. Während man auf UNTERLAND. JOBS tausende Kandidaten und Kandidatinnen genau dann anspricht, wenn sie aktiv suchen, können wir für unsere Kunden auf Facebook & Co auch die noch größere Gruppe latent wechselwilliger Kandidaten mit Performance Recruiting ansprechen. Dabei werden passende Kandidaten und Kandidatinnen durch künstliche Intelligenz und smarte Formulare gefiltert, um dann direkt vom Arbeitgeber kontaktiert zu werden. Nur ein Beispiel, wofür man soziale Medien nutzen kann.

Können Sie uns einen Einblick in das Recruiting von morgen geben?

Es wird zu der Schlüsselposition für Arbeitgeber werden und muss vollkommen digital wie ein optimierter Vertriebsprozess ablaufen. Gleichzeitig werden die individuellen Bedürfnisse der Kandidaten und Kandidatinnen immer mehr in den Mittelpunkt rücken. Nur Arbeitgeber, die sich wirklich ernsthaft die Frage stellen, warum sich jemand bei ihnen bewerben sollte, werden die richtigen Antworten darauf finden. Das ist eine nachhaltige Revolution am Arbeitsmarkt.



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