Nahversorger MPREIS als Wasserstoff-Pionier

Tirols größter Lebensmitteleinzelhändler MPREIS setzt neue Maßstäbe in Sachen Umweltschutz: Mit seiner Wasserstoffinitiative für nachhaltige Mobilitäts- und Energielösungen startete das Tiroler Familienunternehmen ein großangelegtes Projekt, das weit über die Grenzen Tirols hinaus für Aufmerksamkeit sorgt.

Das 1920 gegründete Familienunternehmen MPREIS ist nicht nur der größte Lebensmitteleinzelhändler Tirols. Auch in Sachen Nachhaltigkeit und Umweltschutz gilt der Nahversorger mit dem rot-weiß-roten Logo als Visionär und Vordenker. Bereits seit den 1980er-Jahren beschreitet MPREIS innovative und nachhaltige Wege. „Wir möchten uns nicht einfach nur ein ‚grünes Mäntelchen‘ umhängen, sondern einen langfristigen Beitrag dazu leisten, dass auch nachfolgende Generationen noch einen gesunden Lebensraum vorfinden“, erklären die beiden MPREIS-Geschäftsführer Peter Paul Mölk und David Mölk. „Aus diesem Grund engagieren wir uns in größeren und kleineren Projekten“. So zählt MPREIS mit 22.000 Photovoltaik-Modulen mit 36.500 Quadratmetern Fläche zu den größten Photovoltaikbetreibern Österreichs. Im Jahr 2012 errichtete der Tiroler Lebensmittelhändler seinen ersten Passivhaus-Supermarkt in Pinswang, der der erste seiner Art in Europa war. Heute entsprechen zwölf MPREIS Filialen dieser Bauweise. Die Energieversorgung der ca. 300 MPREIS Supermärkte erfolgt ausschließlich mit Ökostrom aus Tiroler Wasserkraft. Auch auf modernste Kühltechnologien wird gesetzt, mit denen in den Filialen bis zu 50 Prozent der Energie eingespart wird. Mit dem Bau einer eigenen Produktionsanlage wagt sich MPREIS nunmehr auch an das große Zukunftsthema Wasserstoff.

Mit grünem Wasserstoff CO2-frei Supermärkte beliefern

Der Projektstart erfolgte 2016, im März 2020 fand der Spatenstich statt, im Frühjahr 2022 geht sie nun am MPREIS Produktionsstandort in Völs bei Innsbruck in Betrieb: Europas größte Single-Stack-Elektrolyseanlage, die mithilfe von Ökostrom grünen Wasserstoff produziert. Die Anlage wird in einem ersten Schritt demonstrieren, dass Elektrolyseure in der Lage sind, einen Beitrag zur Stabilisierung von Stromnetzen zu leisten, d.h. sie wird mithelfen, Stromschwankungen im österreichischen Stromnetz abzufedern. In weiterer Folge wird der grüne Wasserstoff auch zur Beheizung der Backöfen der MPREIS-eigenen Bäckerei Therese Mölk verwendet. Ein echter Meilenstein wird die Umstellung der gesamten MPREIS Lkw-Flotte auf Brennstoffzellen-Fahrzeuge sein. Damit wird der Tiroler Lebensmittelhändler als erstes mittelständisches Unternehmen Österreichs damit beginnen, seine Filialen CO2-neutral und emissionsfrei zu beliefern. „Der Güterverkehr ist besonders schwer zu dekarbonisieren“, erklärt der Projektinitiator und Leiter von MPREIS Sustainable Energy Solutions, Ewald Perwög. „Der aus unserer Sicht zweckmäßige Weg ist es, hier Fahrzeuge einzusetzen, die mit Wasserstoff betrieben werden. So haben wir uns dazu entschieden, Brennstoffzellenfahrzeuge anzuschaffen und den grünen Wasserstoff, mit dem sie betrieben werden, nicht zu importieren, sondern selbst herzustellen. Die Wertschöpfung bleibt im Land.“

Die neue Elektrolyseanlage ist hocheffizient: Sie kann pro Tag 1.300 Kilogramm Wasserstoff produzieren. In drei Spezialtanks, die die Tiroler Firma APL Apparatebau hergestellt hat, können insgesamt ca. 700 Kilogramm Wasserstoff gespeichert werden. Die Lkw werden an einer eigens errichteten Wasserstofftankstelle in Völs mit 40 Kilogramm Wasserstoff betankt. Unter Berücksichtigung der Topografie im Alpenraum, der Tonnagen und von Nebenverbrauchern, wie beispielsweise der Kühlung, wird ein Lkw damit (pro Tankstopp) ca. 450 bis 500 Kilometer zurücklegen.

Grüner Wasserstoff ist Schlüsseltechnologie

Grüner Wasserstoff spielt eine entscheidende Rolle bei der Dekarbonisierung der Industrie und in Bezug auf die Energiewende. Der universelle Energieträger wird klimaschonend aus ausschließlich erneuerbaren Energien erzeugt. „Grüner Wasserstoff ist im Prinzip umgewandelter Öko-Strom, der durch die Umwandlung in Wasserstoff speicherbar wird und somit die Koppelung der Sektoren Strom, Wärme und Mobilität ermöglicht“, erläutert Perwög. In der neuen Anlage in Völs werden 70% der eingesetzten elektrischen Energie in Wasserstoff umgewandelt. Von den restlichen 30% werden mehr als zwei Drittel mittels Abwärme-Rückgewinnung in den MPREIS-Produktionsbetrieben als Wärmeenergie wiederverwendet, zum Beispiel zur Gebäudebeheizung und Warmwasseraufbereitung. „Die Effizienz unserer neuen Anlage liegt somit bei über 90%“, ergänzt Perwög. Auf die Frage der Wirtschaftlichkeit angesprochen, meint der Projektleiter: „Das Vorhaben rechnet sich ab sofort, und zwar für alle nachfolgenden Generationen.“

Wasserstoff-Initiative als Vorzeigeprojekt

Mit dem großangelegten Wasserstoffprojekt ist MPREIS das erste mittelständische Unternehmen Österreichs, das den Grundstein für eine breitangelegte Wasserstoffwirtschaft legt. Nicht nur andere Betriebe möchte man damit animieren, es dem Tiroler Nahversorger gleichzutun. Mit der Initiative will MPREIS auch zur Wasserstoff-Versorgung im Westen Österreichs einen Beitrag leisten - auch zur gegenseitigen Belieferung und „Ausfallsgarantie“ für Unternehmen, die ebenfalls schon auf Wasserstoff setzen. Dazu zählen in Tirol beispielsweise die Thöni Industriebetriebe in Telfs oder die Zillertalbahn, die die erste wasserstoffbetriebene Schmalspurbahn der Welt sein wird. Tirols führender Energieversorger TIWAG baut in Langkampfen im Bezirk Kufstein ein innovatives Wasserstoffzentrum. Emissionsfrei und klimafreundlich werden dort Wärme, Kälte und Wasserstoff erzeugt. Das neue Zentrum sieht auch eine Wasserstofftankstelle vor, die eine Versorgung im Tiroler Unterland sicherstellen soll – künftig auch für MPREIS Wasserstoff-Lkw. 

Nationale und internationale Unterstützung für Leuchtturmprojekt

Das Investitionsvolumen für die MPREIS Elektrolyseanlage in Völs beträgt ca. 13 Millionen Euro. Finanzielle Unterstützung kommt von der Europäischen Kommission sowie der Österreichischen und der Schweizer Bundesregierung. Auch das Land Tirol unterstützt MPREIS im Rahmen der Initiative, Tirol als österreichweites Zentrum für Wasserstoff-Technologie zu etablieren. Für das innovative Projekt kooperiert MPREIS mit Partnern aus der Region. Strategie und Projektentwicklung erfolgen in Kooperation mit dem Tiroler EU-Projektpartner FEN Systems im Green Energy Center in Innsbruck. Für den Stromeinkauf und das Stromnetz wird mit der TIWAG/TINETZ kooperiert. Für die technische Umsetzung wurde das auf komplexe Industrie- und Infrastrukturprojekte spezialisierte Ingenieur- und Beratungsunternehmen ILF aus Rum hinzugezogen. Die Elektrolyse-Technologie stammt von der Firma Sunfire Switzerland.

Über MPREIS Sustainable Energy Solutions

Seit 2016 wird bei MPREIS ein Projekt mit der Zielsetzung der Produktion von grünem Wasserstoff vorangetrieben. Die unter der Leitung von Projektentwickler Ewald Perwög entstandene Division MPREIS Sustainable Energy Solutions (SES) konnte im März 2020 ihren ersten großen Meilenstein passieren: Mit dem Spatenstich zur Errichtung von Europas größter Single-Stack-Elektrolyseanlage zur Produktion von grünem Wasserstoff stellte MPREIS Commitment und Leadership im Bereich des nachhaltigen Wirtschaftens unter Beweis. Im Frühjahr 2022 geht die Anlage am MPREIS-Produktionsstandort in Völs bei Innsbruck in Betrieb. Sie wird umweltfreundliche Energie für die Backöfen der eigenen Bäckerei Therese Mölk bereitstellen. Zentrale Aufgabe von MPREIS SES wird die Energieversorgung des eigenen Fuhrparks von wasserstoffbetriebenen Brennstoffzellen-LKW sein, die im Laufe von sieben Jahren alle MPREIS-Lebensmittelmärkte emissionsfrei und CO2-neutral beliefern werden. 

Nahversorger MPREIS als Wasserstoff-Pionier
Nahversorger MPREIS als Wasserstoff-Pionier

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