„Gesundheit und Sicherheit stehen absolut im Vordergrund“

Nach Monaten des Stillstands startet am 19. Mai die Tiroler Hotellerie und Gastronomie in die Sommersaison. top.tirol hat bei Martina Entner, Chefin des Hotels „Entners am See“, nachgefragt, wie gut der Tiroler Tourismus vorbereitet ist und was Sie sich für den Sommer wünscht.

Mit 19. Mai werden wieder Touristen nach Tirol und auch zu Ihnen an den Achensee kommen. Ist der Tiroler Tourismus auf eine sichere Sommersaison vorbereitet?

Ja, absolut. Viele Betriebe haben bereits die letzte Sommersaison mitgemacht und konnten hier schon viel Erfahrung sammeln. Es gab im letzten Sommer fast keine Ansteckungen im Tourismus. Wie haben gute Hygiene- und Sicherheitskonzepte in den Betrieben, die jetzt in den letzten Monaten noch ausgeweitet und verbessert wurden. Gesundheit und Sicherheit stehen absolut im Vordergrund und werden vom Gast auch erwartet.

Neben Hygiene- und Sicherheitskonzepten wird es vor allem darum gehen, Testmöglichkeiten für Mitarbeiter und Gäste anzubieten. Welche Testinfrastruktur wurden in Ihrer Region, dem Achensee, dafür geschaffen?

Unsere Gäste sind alle über die notwendigen Sicherheits- und Hygienemaßnahmen informiert. Sie werden alle getestet ankommen. Falls sie nicht geimpft oder genesen sind, wird es die Möglichkeit geben, sich vor Ort, während des Aufenthalts und auch vor der Abreise, testen zu lassen.

Auch bei unseren Mitarbeitern werden wir, wie schon in der letzten Sommer- und Wintersaison, fortlaufend testen. In unserem Hotel werden wir auch Mitarbeitern, die noch keinen Impfschutz haben und geimpft werden möchten, eine Impfung ermöglichen.

Werden die Tests von Ihnen als Unternehmen organisiert oder gibt es einen regionalen Zusammenschluss, über den die Testungen angeboten werden?

Die Testungen für Einheimische und Gäste organisieren wir gerade gemeinsam mit dem Tourismusverband und der Gemeinde. Hier denken wir an ein regionales Testzentrum das zu den Hauptzeiten geöffnet hat.

Bei den Mitarbeitertestungen braucht es zusätzlich die Selbstschnelltests unter Aufsicht. Nur dann können die täglich notwendigen Testungen ermöglicht werden.

Wer wird die Kosten für die Tests übernehmen?

Seit letztem Jahr gibt es die Initiative „Sichere Gastfreundschaft“. Die Kosten für die Testungen der Mitarbeiter werden über dieses Projekt vom Bund übernommen. Die Frage, wer die Kosten bei den Gästen übernehmen wird, wird derzeit noch verhandelt. Schnelltests werden vom Bund zur Verfügung gestellt und die Kosten dafür übernommen.

Gibt es Pläne für die ärztliche Versorgung von Mitarbeitern und Gästen im Falle einer Covid-19-Infektion?

Die gibt es. In den Betrieben wird intensiv darüber informiert, wie man sich im Falle einer Infektion verhalten muss. Es wurden hier auch schon Leitfäden entwickelt, wie bei einer positiven Testung vorzugehen ist. Es wurden in Tirol „Safe-Häuser“ und andere Räumlichkeiten eingerichtet, in denen Mitarbeiter und Gäste ihre Quarantäne verbringen können und in denen sie im Falle einer Erkrankung auch versorgt werden.

Die Gäste müssen bei einem positiven Testergebnisses zuerst einmal im Hotelzimmer bleiben und dann muss man das mit der Rückreise regeln. Wir hoffen, dass wir das mit all den gesetzten Maßnahmen vermeiden können und es erst gar nicht so weit kommt.

Es gibt also keine Pläne dafür, dass Gäste ihre Quarantäne oder die Zeit bis zu einem zweiten negativen Testung im Zimmer verbringen werden?

Nein, dafür gibt es die „Safe-Häuser“. Ziel soll es schon sein, dass man gemeinsam mit dem Gast und den Behörden eine geregelte Heimreise organisieren kann. Kann er das aufgrund von Symptomen nicht, muss man gemeinsam schauen, was die Möglichkeiten sind: bleibt er im Hotel oder geht er in eines der „Safe-Häuser“. Ich bin mir aber sicher, dass die Gäste in dieser Situation am Liebsten nach Hause fahren wollen und es Wege geben wird, eine geregelte Heimreise zu organisieren. Wenn sich der Gast dabei an Quarantänemaßnahmen hält und das mit den Behörden in seiner Heimat abgesprochen ist, steht dem meiner Ansicht nach nichts im Weg. Das muss jedoch mit den Behörden hier vor Ort geregelt werden.

Sollten Gäste doch einen Teil ihrer Quarantäne in Tirol verbringen müssen, werden Sie die Kosten dann selbst übernehmen müssen?

Ich glaube, dass man da ganz individuell mit dem Gast eine Vereinbarung treffen muss. Man kann hier nicht den gleichen Preis verrechnen, der Gast nutzt ja nicht das gesamte Angebot aus.

Natürlich ist es für den Betrieb auch ein großer Aufwand. Vor allem wenn man den Gast mit drei Mahlzeiten, Getränken, frischer Wäsche, usw., versorgen muss. Deshalb sollte es schon das Ziel sein, dass die Gäste in geregelter Weise unter Aufsicht der Behörden abreisen können. Der Gast reist ja eigentlich negativ an, also entweder geimpft, genesen oder getestet, und steckt sich hoffentlich hier aufgrund der starken Sicherheits- und Hygienekonzepte gar nicht erst an. Sollte es doch dazu kommen, wird sicher jeder Betrieb bemüht sein, den Gast weiterhin zufriedenstellend zu verpflegen und zu beherbergen. Wenn er wirklich die gesamte Quarantäne in Tirol verbringen muss, gibt es ja auch noch die „Safe-Häuser“, in denen Gäste untergebracht werden können.

Was halten Sie von der Idee eines international gültigen „Grünen Passes“ und der Besserstellung von Geimpften?

Ich persönlich würde eine Besserstellung gut finden. Wenn man sich impfen lässt, sollte man auch etwas davon haben. Es muss jedem klar sein, dass man sich trotz Impfung an Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln halten muss. Ich finde auch einen international gültigen „Grünen Pass“ gut, am besten in digitaler und standardisierter Form. Das wäre eine große bürokratische und organisatorische Erleichterung. Auch vom Feedback von unseren Gästen her, kann ich sagen, dass das sicher eine Lösung ist, die die Menschen mittragen werden.

Was wünschen Sie sich für diese Sommersaison?

Wir sind alle, und da spreche ich glaube für Unternehmer, aber auch unsere Teammitglieder, froh, dass wir nach fast sieben Monaten wieder starten können. Ich wünsche mir, dass sich alle Beteiligten in den Betrieben und auch die Gäste strikt an die Regeln halten. Wir haben hier eine große Verantwortung. Wir sind noch nicht ganz am Ende dieser Pandemie angekommen und haben noch nicht den Stand der Durchimpfung, der eine Rückkehr zum „normalen“ Leben erlauben würde. Jeder freut sich darauf, dass es wieder los gehen kann und wir ein Stück Normalität zurück bekommen. Ich glaube schon, dass der Sommer funktionieren kann. Am Anfang sicher noch etwas zögerlich, aber in den späteren Sommermonaten, wenn man sieht, dass die Maßnahmen funktionieren, es auch in unsern Nachbarländern zu Lockerungen kommt und immer mehr Menschen geimpft sind, bin ich zuversichtlich, dass wir eine gute Sommersaison haben werden.

Zur Person:

Martina Entner führt das Hotel „Entners am See“ in dritter Generation und ist als 1. Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Tirol auch in der Interessenvertretung aktiv.

„Gesundheit und Sicherheit stehen absolut im Vordergrund“
Martina Entner führt das Hotel „Entners am See“.

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