Verhaltene Stimmung bei Innsbrucks Beherbergungsbetrieben

Eine neue Studie belegt: Innsbruck hat aus Sicht der gewerblichen Beherbergungsbetriebe viele Stärken zu bieten, aber auch einige Herausforderungen zu meistern. Zufrieden geben sie sich auch mit dem touristischen Angebot und den Attraktionen der Landeshauptstadt. Aber es gibt einen Hemmschuh: Der Fachkräftemangel droht die Erholung zu bremsen.

Es ist kein Geheimnis, dass die Stadthotellerie zu den Branchen zählt, die von den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie am schwersten getroffen wurden. Um ein flächendeckendes Stimmungsbild von Innsbrucks gewerblichen Beherbergungsbetrieben zu erhalten, hat das Management Center Innsbruck (MCI) auf Initiative von Vizebürgermeister Ing. Mag. Johannes Anzengruber BSc. eine Umfrage durchgeführt. Die Bewertung wurde anhand des Schulnotensystems (1 = sehr zufrieden/sehr optimistisch, 5 = nicht zufrieden/nicht optimistisch) durchgeführt.

Grundstimmung: Tendenz steigend

Aufgrund der anhaltenden Covid-19 Situation ist der allgemeine Stimmungsparameter der gewerblichen Beherbergungsbetriebe in Innsbruck erwartungsgemäß verhalten ausgefallen. Die Zufriedenheit mit der letztjährigen Sommersaison 2021 fiel mäßig (2,83) aus. Aufgrund von Unsicherheiten auf Angebots- und Nachfrageseite und des anfänglichen Lockdowns im Dezember 2021 zeichneten sich die Betriebe im Hinblick auf die Wintersaison 2021/22 ein eher negatives (3,79) Bild. Auch der Ausblick auf die derzeit laufende Sommersaison 2022 gestaltete sich verhalten, mit jedoch wieder steigender Tendenz (2,98). Darüber hinaus registrieren die Betriebe Änderungen im Gästeverhalten: Buchungen erfolgen oft sehr kurzfristig und es ist eine erhöhte Anzahl an Stornierungen zu verzeichnen als vor noch vor der Pandemie.

Große Zufriedenheit mit alpin-urbanen Angeboten und Attraktionen

Mit dem touristischen Angebot und den touristischen Attraktionen Innsbrucks sind die Befragten durchaus zufrieden (2,14).  Vor allem die Kombination aus Sehenswürdigkeiten und Sportangebot in der Stadt und auf dem Berg – also dem alpin-urbanen Mix in Innsbruck – wird als „Tourismusmagnet“ empfunden. Auch die Innsbruck Card (1,54) wird als wertvolles Angebot angesehen. Verbesserungspotential orten die Innsbrucker Beherbergungsbetriebe neben dem allgemeinen Veranstaltungsangebot, bei jugendspezifischen Aktivitäten (2,77) und im Nachtleben (3,77). 

Mobilitätsangebote zufriedenstellend aber „Welcome“ neu denken

Gute mobile Erreichbarkeit und reibungslose Verkehrsanbindungen sind für den touristischen Erfolg einer Stadt entscheidend. Die An- und Abreisemöglichkeiten nach und von Innsbruck (1,80), die Mobilitätsanbindung (1,68), die Erreichbarkeit von Sehenswürdigkeiten (1,36) sowie das Mobilitätsangebot der Innsbruck Card (1,80) wurden von den befragten Betrieben sehr positiv bewertet. Deutlich Luft nach oben besteht im Ausbau von Ladesäulen für Elektromobilität (3,88) sowie bei der aktuellen Parksituation (3,92). „Die Befragung zeigt uns auch deutlich Bereiche auf, wo wir uns verbessern müssen“, so Johannes Anzengruber, Vizebürgermeister der Stadt Innsbruck. „Neu zu denken ist beispielsweise das innerstädtische Hotel- sowie Park-Leitsystem und die Welcome-Atmosphäre, besonders am Hauptbahnhof Innsbruck. Zudem wurden wir angeregt atmosphärische Anpassungen bei der Gestaltung von öffentlichen Plätzen vorzunehmen“, ergänzt Anzengruber.

Attraktives Beherbergungsangebot aber kein 5 Stern-Angebot

Ihr eigenes Angebot bewerten die Beherbergungsbetriebe weitestgehend mit „Gut“ (2,29). Besonders geschätzt wird Vielfalt des Angebots (2,04), die Qualität der Betriebe (2,23) und die Anzahl der verfügbaren Betten (2,27). Dies sieht auch Josef Hackl, Seniorchef des Traditionshauses „Goldener Adler“, so. Weniger angetan ist man von der eigenen Preisgestaltung (2,62), da diese von externen Faktoren abhängig und für den einzelnen Betrieb nur bedingt aktiv steuerbar ist. Darüber hinaus ergibt die Umfrage, dass in Innsbruck ein High-End-Betrieb in der Kategorie „5-Sterne“ durchaus seine Daseinsberechtigung hätte. 
Fachkräftemangel als Hemmschuh für Servicequalität„Die schwierigen Entwicklungen am Arbeitsmarkt und der vorherrschende Personalmangel spiegeln sich im Tiroler Tourismus und somit auch in Innsbruck stark wider“, erläutert Hubert Siller, Leiter des MCI Tourismus. Somit verwundert es ihn auch nicht, dass die gewerblichen Beherbergungsbetriebe in Innsbruck die Rekrutierung von Personal und die direkt davon abhängige Service-, Dienstleistungs- und Angebotsqualität als die größten zukünftigen Herausforderungen für ihren Betrieb ansehen.

Methodik

Das MCI Tourismus führte im April und Mai 2022 eine Befragung der gewerblichen Beherbergungsbetriebe in Innsbruck durch. 48,4 % der in Innsbruck ansässigen gewerblichen Beherbergungsbetriebe (N=62) nahmen an der Umfrage teil. Es handelte sich um eine Online-Befragung, welche die Zufriedenheit bzw. Attraktivität der wesentlichen Bereiche und Bestandteile des Innsbrucker Tourismus abfragte. Diese wesentlichen Bereiche stellen die allgemeine Zufriedenheit zum Tourismus in der Stadt, die Zufriedenheit bzw. Attraktivität der touristischen Angebote und Attraktionen, die Attraktivität des Mobilitätsangebots, die Zufriedenheit mit bzw. die Attraktivität des touristischen Beherbergungsangebots sowie mögliche zukünftige Herausforderungen dar. Die Bewertung der Zufriedenheit bzw. Attraktivität wurde anhand des Schulnotensystems (1 = sehr zufrieden/sehr optimistisch | 5 = nicht zufrieden/nicht optimistisch) durchgeführt. Die Umfrage erfolgte im Auftrag des Referats Wirtschaft und Tourismus der Landeshauptstadt Innsbruck. Der Fragebogen wurde vom MCI konzipiert und gemeinsam mit dem Auftraggeber adaptiert.

Verhaltene Stimmung bei Innsbrucks Beherbergungsbetrieben
Die neu veröffentlichte Studie gewährt Einblicke in das Stimmungsbild Innsbrucker Tourismusbetriebe (v.l.): Josef Hackl (Seniorchef des Traditionshauses „Goldener Adler“), Vizebürgermeister Johannes Anzengruber, Madlen Hackl (Küchenchefin vom „Goldener Adler“), Hubert Siller (Leiter des MCI Tourismus)

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