Der Tiroler Handel in Zeiten von Corona

Die Verknüpfung mit dem Tourismus wirkt sich auf viele Handelsbranchen aus - Obmann Unterberger fordert im Falle weiterer Corona-Maßnahmen für den Handel treffsichere Unterstützung von der Politik.

Mit rund 7.000 Unternehmen, ca. 49.000 Beschäftigten und einem Netto-Jahresumsatz in Höhe von rund 12,7 Milliarden Euro stellt der Handel einen zentralen Wirtschaftsfaktor für Tirol dar. Das wurde auch in den vergangenen, von Corona beherrschten eineinhalb Jahren unter Beweis gestellt. In diesem Zusammenhang spricht Dieter Unterberger, Obmann des Tiroler Handels, seinen Kolleginnen und Kollegen heute im Rahmen eines Pressegesprächs ein großes Lob aus: „Die Tiroler Händlerinnen und Händler haben während der gesamten Corona-Krise hervorragende Arbeit geleistet. Sie haben die ständig wechselnden Vorgaben professionell umgesetzt, die nötigen Maßnahmen mitgetragen und so trotz der schwierigen Situation stets für reibungslose Abläufe gesorgt.“

Stärkere Betroffenheit als in anderen Bundesländern

Unterberger betont allerdings auch, dass die Corona-Pandemie viele Handelsbereiche in Tirol wesentlich härter getroffen hat als in anderen Bundesländern. „Das hängt vor allem mit der starken touristischen Ausrichtung zusammen, die wir hierzulande haben. Das Fehlen internationaler Gäste und die Lockdowns der Hotellerie und Gastronomie haben beispielsweise den Lebensmittelgroßhandel und den Sportartikelhandel in den heimischen Tourismusregionen extrem getroffen.“

Zuwächse vor allem online

Das unterstreicht auch Peter Voithofer vom Economica Institut für Wirtschaftsforschung: „Die enge Verknüpfung zwischen Tourismus und Handel zeigt sich in Tirol in besonders hohem Ausmaß. Zwar gibt es im gesamten Tiroler Handel in den ersten acht Monaten ein nominelles Umsatzplus von 10,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr und ein Plus von 2,6 Prozent gegenüber 2019, allerdings liegt Tirol im Bundesländervergleich damit auf dem letzten Platz. Dazu kommt, dass das Tiroler Wachstum maßgeblich von hohen Zuwächsen im Onlinehandel getragen wird, während Bereiche wie der Sportartikelhandel, der Elektro- und Möbelhandel oder der Schuh- und Modehandel starke Rückgänge verzeichnen mussten.“

Trotz der schwierigen Ausgangslage ist laut Voithofer aufgrund der steigenden Konsumausgaben der privaten Haushalte weiter mit steigenden Handelsumsätzen zu rechnen, er betont aber: „Das hohe Risiko betreffend des Infektionsgeschehens und damit verbundener Maßnahmen bleibt jedoch in den kommenden Monaten weiter bestehen.“

Zielgerichtete Hilfe unerlässlich

Vor dem Hintergrund der unsicheren Entwicklung sieht Unterberger dringenden Handlungsbedarf seitens der Politik: „Leider ist es so, dass beispielsweise Lebensmittelgroßhändler teilweise noch immer auf die Auszahlung von Umsatzersatz und Fixkostenzuschuss aus dem vorigen Winter warten. Sollte der Worst Case eintreten und wieder verschärfte Corona-Maßnahmen oder gar Schließungen verordnet werden, brauchen wir dringend rasche und zielgerichtete Hilfs- und Unterstützungspakete, die die spezielle Situation in Tirol berücksichtigen.“

Faire Wettbewerbsverhältnisse schaffen

Unabhängig von Corona richtet der Spartenobmann abschließend einen Appell an die Bundespolitik, endlich faire Wettbewerbsverhältnisse zwischen dem Onlinehandel und dem stationären Handel zu schaffen. „Der Bereich E-Commerce ist mittlerweile ein unverzichtbarer Teil des Handels und auch für viele Tiroler Handelsbetriebe ein wichtiger Vertriebszweig geworden. Allerdings müssen wir alles dafür tun, dass unseren gewachsenen stationären Handelsstrukturen nicht zu Gunsten der Gewinne internationaler Onlinekonzerne das Wasser abgegraben wird.“

Der Tiroler Handel in Zeiten von Corona
Peter Voithofer vom Economica Institut für Wirtschaftsforschung und Spartenobmann Dieter Unterberger (r.) skizzierten die aktuelle Situation im Tiroler Handel.

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