Die Speckprofis

Handl Tyrol ist ein Traditionsunternehmen, das vor allem mit einem Produkt, nämlich Tiroler Speck, in Verbindung gebracht wird, das jedoch auch zahlreiche andere Fleisch- und Wurstwaren auf den Markt bringt, die hohen Absatz finden.

Die Entstehung einer Produktidee

„Wir sind auf der einen Seite Bewahrer der Tradition, auf der anderen Seite versuchen wir, Wegbereiter für Neues zu sein“, erklärt Dirk Preuss, Leiter der Abteilung Marketing und Produktmanagement. Ein abteilungsübergreifendes Innovationsteam ist für Neues zuständig – von neuen Produkten und Produktkonzepten bis hin zu Verpackungsinnovationen. Ziel sei es, strategisch zu innovieren. In die Produktentwicklung fließen Ideen und Wünsche von Konsumenten, Mitarbeitern, Lieferanten und Händlern ein sowie Verbraucher- und Markttrends.

Eine neue Idee muss zu den Themenfeldern „Bewusster leben“, „Snacken“ oder „Handl Tyrol in der Küche“ passen, die das Innovationsteam auf Basis intensiver Recherchearbeiten für sich definiert hat. „Hier spielt beispielsweise das Reduzieren von Fett und Salz eine große Rolle“, erklärt Monika Krahl, Leiterin des Innovationsmanagements. „Auch das Thema ‚herzhaft Snacken‘ wird bei den Konsumenten immer wichtiger.“

So steige etwa die Nachfrage nach pikanten Zwischenmahlzeiten, die eiweißreich sind. Für die Ideenanalyse und -kategorisierung ist die Innovationsmanagerin zuständig: „Von den zahlreichen Ideen schaffen es rund fünf Prozent in die Machbarkeitsanalyse“, so Krahl. Einmal im Jahr findet eine große Innovationsrunde mit Fachabteilungsvertretern statt, bei welcher die Ideen unter die Lupe genommen und kritisch bewertet werden.

Von der Idee zum Produkt

Sobald ein Produktkonzept steht, kommt die Abteilung Forschung und Entwicklung ins Spiel, die eng mit der Produktion und dem Qualitätsmanagement zusammenarbeitet. Der ehemalige Spitzenkoch Christoph Zangerl, der seit 2015 für Handl Tyrol tätig ist, erklärt: „Wir entwickeln eine Rezeptur und dann einen ersten Prototypen des neuen Produkts. Neben der Sensorik sind beispielsweise die Haltbarkeit, die Lagerfähigkeit und lebensmittelrechtliche Aspekte essenziell. Alle Produkte werden ohne Zusatz von Geschmacksverstärkern, Aromen oder Farbstoffen hergestellt.“ Für die Herstellung von ersten Geschmacksmustern gibt es eigene Maschinen in kleinerem Maßstab. Die Versuchsmuster werden vom Innovationsteam getestet und bewertet und so lange optimiert, bis das Produkt den Qualitätsansprüchen von Handl Tyrol entspricht.

Die Entwicklung dauert von wenigen Monaten bis hin zu mehreren Jahren. Und auch die Kosten variieren dementsprechend. So brauchte es für die Fertigstellung salzreduzierter Rohschinkenprodukte beispielsweise zwei Jahre, da es neuer, aufwendiger Technologien bedurfte und speziell die Sensorik sowie die Haltbarkeit der Rohschinkenprodukte eine Herausforderung darstellten.

Markteintritt

„Wir haben vier Einführungsfenster pro Jahr, in denen der Vertrieb die Produkte und die Einführungsunterlagen erhält und die neuen Konzepte unseren Handelspartnern vorstellt“, erklärt Preuss. Grundsätzlich sei der Tiroler Handel offen für neue Produkte. „Was die Experimentierfreude der Konsumenten betrifft, so greifen die Österreicher eher zu Neuem als die Deutschen.“

2017 führte Handl Tyrol drei Neuprodukte ein, 2018 sollen es vier sein. Es kann durchaus passieren, dass ein Produkt nach Markteinführung optimiert werden muss, damit es Absatz findet, oder seltener, dass es vom Markt genommen werden muss, wenn es gar nicht funktioniert. „Die großen Innovationsprojekte sind meistens erfolgreich, da doch sehr viel Arbeit und Forschung dahinterstecken“, sagt Preuss. Manchmal ist auch längeres Durchhaltevermögen seitens des Herstellers gefragt. „Wir haben Ende der 1990er-Jahre Schinken-Chips eingeführt. Lange führten sie ein Schattendasein, doch seit zwei Jahren explodiert der Markt an proteinreichen Lebensmitteln.“

Handl Tyrol

Gründung: 1902 als Familien­unter­neh­men mit Sitz in Pians
Standorte: Pians, Schönwies, Haiming und Naturns
Mitarbeiter: rund 500
Tätigkeit: Herstellung von Tiroler Speck-, Schinken-, Rohwurst- und Bratenprodukten
Umsatz 2017: 127,6 Millionen Euro (konsolidiert), Export­anteil 60 %
Der Anteil neuer Produkte am Gesamtumsatz: 4 %
Wichtigste Märkte: Österreich, Deutschland und Italien
Die beliebtesten Produkte in Österreich: Speckwürfel, Speck und Kaminwurzen

Die Speckprofis
In die Produktentwicklung fließen Ideen und Wünsche von Konsumenten, Mitarbeitern, Lieferanten und Händlern ein sowie Verbraucher- und Markttrends.

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