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Ein Leben mit Glück und Gelegen­heiten

„Das Leben spielt sich mit Zufällen ab.“ Kommerzialrat Anton Pletzer

Ein Leben mit Glück und Gelegen­heiten

„Das Leben spielt sich mit Zufällen ab.“ Kommerzialrat Anton Pletzer

Vom jüngsten Unternehmer Österreichs zum Aufsichtsratsvorsitzenden der millionen­schweren Pletzer-Gruppe. Kommerzialrat Anton Pletzer feiert sein 60-jähriges Unternehmerjubiläum. Ein Porträt.

Eigentlich soll Anton Pletzer Lehrer werden. Für die Ausbildung reicht aber das Geld nicht. Ein Berufsberater stellt schließlich lapidar fest: Du bist Kaufmann! Eine Entscheidung, die sein Leben prägen sollte. Durch Glück findet er eine Lehrstelle – in einem Installationsbetrieb. „Das Leben spielt sich mit Zufällen ab“, sagt der Unternehmer heute, wenn er auf die vergangenen 60 Jahre zurückblickt. In seiner Lehre als Bürokaufmann eignet er sich autodidaktisch viel Fachwissen an. Als sein Vorgesetzter unvorhergesehen  die Firma verlässt, führt der 16-Jährige sie quasi alleine. „Ich war damals noch ein Lehrling“, resümiert der 79-Jährige amüsiert.

Jüngster Unternehmer Österreichs

Gemeinsam mit einem Kollegen beschließt er, sich selbstständig zu machen. „Ich war 19 Jahre alt, volljährig war man aber erst mit 21. Ein Richter musste darüber entscheiden, der Vater musste einverstanden sein.“ Der Gerichtsbeschluss „Entlassung aus der väterlichen Gewalt“ Die Jungunternehmer starten 1963 in St. Ulrich am Pillersee als Installateur, bevor sie in Hopfgarten einen Betrieb pachten. Bereits 1966 übernimmt Pletzer gemeinsam mit Partnern Stahlbau Hopfgarten – heute als APL erfolgreich im Wärmetauscherbau. „Ich habe immer mit Partnern begonnen – aber bin alleine übrig geblieben“, lacht Pletzer. Denn seine Teilhaber steigen aus. „Die sind mit der Dynamik nicht mitgekommen“, vermutet der Unternehmer. Etwas, das noch öfter geschehen sollte. Der Installationsbetrieb läuft derweil erfolgreich. „Damals haben sich die Menschen eine Heizung, ein Bad eingebaut. Dadurch sind wir schnell gewachsen.“ In den 1970er-Jahren war der Boom im Installationsbereich vorerst vorbei. Um die MitarbeiterInnen zu retten, gründet Platzer unter anderem eine Firma in Rosenheim und Linz, holt dafür sogar die deutsche Meisterprüfung nach.

Übernahmen und Übergaben

Die APL baut anfangs Öltanks, Heizkessel sowie Boiler. „Dann haben wir mit dem Wärmetauscherbau angefangen. Heute sind wir führend in Europa. Es ist Glückssache, dass ich das gemacht habe.“ Und unternehmerisches Denken, sollte man hinzufügen. Das zeigt sich auch bei der Übernahme von ID 1998. Die heutige iDM arbeitet von Anfang an mit der Universität Graz zusammen. Ein Vorsprung, der sich bezahlt macht. „Jetzt ist es ein großes Thema und wir müssen stark expandieren“, freut sich Anton Pletzer. Sohn Manfred übernimmt 1998 die iDM, der ältere Sohn Toni 1995 die Installationen-Gruppe. Pletzer: „Ich war immer der Meinung, die nächste Generation so jung wie möglich ins operative Geschäft einsteigen zu lassen.“ So kann sich Anton Pletzer anderen Geschäftsfeldern widmen.

Boden und Berg

Sein Interesse gilt Einkaufszentren. „Ich hab gesehen, dass das die Zukunft ist.“ Das erste Einkaufszentrum, Südpark, baut Pletzer 1994 in Klagenfurt. Es folgen Bürohäuser, Logistikzentren und Einkaufszentren in Wien, der Steiermark und in Kärnten. „Wenn sich eine Gelegenheit geboten hat, Grund und Lage günstig waren, habe ich investiert.“ So auch 1998: Er  übernimmt die Bergbahnen Hopfgarten.

Es folgen die Bergwelt Hahnenkamm, Buchensteinwand, St. Johann und Sudelfeld in Deutschland. „Da ich am Hahnenkamm aufgewachsen bin, hab ich immer ein Naheverhältnis zu den Bergbahnen gehabt.“ Aber: Eine Bergbahn lebt von TouristInnen und die wollen untergebracht sein. So sei der Hotelsektor entstanden. Auf das Hotel in Hopfgarten folgt unter anderem das Seepark Hotel in Klagenfurt, das größte und lukrativste der Pletzer Resort Gruppe. „Ich war nicht nur risikofreudig, ich hab auch da Glück gehabt.“ Heute zählen fünf Hotels zur Pletzer-Gruppe.

Familie, Werte und Tradition

„Es wäre ein Wahnsinn, wenn man einen Traditionsbetrieb nicht retten würde.“ Ein Satz, der sein Engagement in einem völlig anderen Bereich erklärt. 2003 übernimmt er die Erber Edelbrennerei aus dem 16. Jahrhundert, die größte Kupferbrennerei Österreichs. „Das sind Werte. Das gehört zur Heimat und Kultur dazu“, erklärt Anton Pletzer. Etwas, das er festgeschrieben haben wollte. Eine von der Familie gemeinsam erarbeitete Familienverfassung liegt seit Kurzem vor: kalligrafisch geschrieben, in dunkelblauem Leder gebunden. Darin sind Pletzers Werte, sein Lebensmotto, formuliert: „Glaube. Heimat und Kultur. Familie.“ Denn die Familie spielt in Anton Pletzers Leben eine wichtige Rolle, sie sei sein Ruhehafen, wie er sagt.

Ausgezeichnetes Leben

1995 wird er 51-jährig zum Kommerzialrat ernannt. 2001 folgen das Ehrenzeichen des Landes Tirol, 2009 des große Ehrenzeichen des Landes Kärnten. „Auch wenn ich das alles nicht angestrebt habe: Ich war doch immer irgendwie stolz darauf,“ kommentiert er die Ehrungen. Mittlerweile zieht es den Unternehmer zurück zu seinen Wurzeln. Er betreibt mehrere Bauernhöfe, ist Pustertaler-Sprinzen-Züchter. „Das ist ein angenehmes, gutes Gefühl. Ich bin mit beiden Füßen am Boden geblieben.“ Ob er im kommenden Jahr seinen 80er groß feiert? „Ich weiß es noch nicht. Das obliegt den zwei Buben“, schmunzelt Anton Pletzer. 

Herr Kommerzialrat Pletzer, darf man Sie auch fragen …

… woher die unge­heure Kraft hinter allem kommt?

„Ich bin auf der Alm auf 1.600 Metern aufgewachsen. Da hat man anpacken müssen. Mein Vater war ein Landwirt, Almpächter. Ich habe mir gedacht, ich möchte einmal ein bissl mehr sein als mein Vater, etwas erreichen, etwas schaffen. Aber das, was ich jetzt erreicht habe, das war überhaupt nie denkbar.“

… wie Sie Ihr Unternehmen erfolgreich durch sechs Jahrzehnte navigiert haben?

„Wir haben natürlich auch Höhen und Tiefen erlebt, das ist ganz klar. Aber ich habe nie aufgegeben. Das ist ein Familienunternehmen. Ich habe immer auf meine Leute geschaut. Unsere Stärke ist, dass wir, was wir verdient haben, immer in die Firma investiert haben. Zum Leben haben wir nicht viel gebraucht. So haben wir schlechte Zeiten überwinden können.“

… wie Sie Geschäftsentscheidungen treffen?

„Ich hab immer aus dem Bauch heraus entschieden. Und ich hab Handschlagqualität. Ich besiegle heute noch 80 Prozent der Geschäfte mit Handschlag. Dann fährt da der Zug drüber.“

Zur Person

Geboren 1944 in Oberndorf, aufgewachsen auf der Melkalm am Hahnenkamm. Seit 1964 verheiratet mit seiner Frau Heidi, zwei Söhne, Manfred und Toni, vier Enkel, zwei Urenkel. 1963 jüngster Unternehmer Österreichs. 1995 Verleihung des Titels Kommerzialrat. 2001 Ehrenzeichen des Landes Tirol. 2009 großes Ehrenzeichen des Landes Kärnten. Heute Aufsichtsrat und Beiratsvorsitzender.

Zahlen

  • 1.800 MitarbeiterInnen in der Pletzer-Gruppe
  • 3 Unternehmensbereiche: Industrie, Immobilien,  Tourismus
  • 5 Hotels
  • 5 Bergbahnen
  • 4 Industriegruppen

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    Familien­zusammenhalt – Anton Pletzer im Kreise seiner Familie

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    Familienunternehmer Anton Pletzer und sein Sohn Manfred.

  • pletzer-toni-jung

    Im Kader – Der junge Anton Pletzer war ein talentierter Skiäufer.

  • Pletzer-Heidi

    Skileidenschaft – Auch Ehefrau Heidi fährt begeistert Ski.

15. Oktober 2023 | Autor: Katharina Reitan | Foto: Pletzer-Gruppe

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