Es werde Licht

Die Bartenbach GmbH in Aldrans gehört zu den renommiertesten Lichtplanungsbüros Europas. Neben Großprojekten wie der Beleuchtung der weltgrößten Uhr in Mekka setzt man in den letzten Jahren auch verstärkt auf kleinere, regionale Projekte.

Nicht jeder, der eine Taschenlampe im Hosensack hat, ist ein Lichtplaner.“ Diesen Satz hat Firmengründer Christian Bartenbach in seiner 60-jährigen Laufbahn wohl hundertfach gesagt.  ein Sohn, der ebenfalls Christian Bartenbach heißt und 2007 die Geschäftsführung übernommen hat, zitiert diesen Spruch immer noch gerne, um das Wirkungsfeld der Firma Bartenbach zu erklären. Einerseits ist Licht wichtiger denn je – die meisten Menschen verbringen 90 Prozent des Tages in geschlossenen Räumen. Gleichzeitig zeigen immer mehr wissenschaftliche Studien, welche Auswirkungen Lichtverhältnisse auf die Gesundheit, die Leistungsfähigkeit und das allgemeine Wohlbefinden haben. Trotzdem ist der Beruf des Lichtplaners nicht geschützt und in gewisser Weise immer noch so exotisch wie damals, als Vater Bartenbach in den 1960ern die Lichtplanung für sich entdeckte.

Wohnpreise als Dämpfer.

80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat die Bartenbach Gmbh heute. Viele von ihnen haben Architektur, Physik oder Mechatronik studiert oder haben eine HTL absolviert. „Mit dem Bildungsstandort Innsbruck können wir absolut zufrieden sein“, sagt Christian Bartenbach. Schwierig wird es für ihn als Unternehmer allerdings, wenn es darum geht, Fachkräfte im Großraum Innsbruck zu halten: „Die hohen Mieten und Immobilienpreise haben dafür gesorgt, dass wir schon einige sehr gute Mitarbeiter verloren haben. Spätestens, wenn die Familienplanung ansteht und Wohneigentum gesucht wird, fällt die Entscheidung oft gegen Tirol.“ Aus diesem Grund wurde bereits überlegt, neben dem Firmensitz an der Rinnerstraße Betriebswohnungen zu bauen. „Dieser Plan wurde vorerst wieder verworfen, weil diese  Wohnungen ja nur vorübergehend ein Problem lösen würden und außerdem nicht jeder neben der Firma leben will – verständlicherweise.“

Künstlicher Himmel.

Die Firma Bartenbach war bereits früh am internationalen Markt tätig. Eines der ersten großen Projekte war die Hong Kong & Shanghai Bank, ein Projekt der renommierten Architekten Foster + Partners, für das Bartenbach ein Beleuchtungskonzept mit Tageslichtschaufeln entwickelte. Über Projekte wie diese knüpfte man internationale Kontakte, es folgten Aufträge für diverse Banken, Flughäfen, Bahnhöfe und Firmensitze. Die Moschee von Medina war 1994 ein weiteres prestigereiches Großprojekt, ebenso die Beleuchtung der weltgrößten Uhr in Mekka im Jahr 2011. „Wir wollen dem Thema Licht die Wertigkeit geben, die es verdient“, betont Geschäftsführer Christian Bartenbach. Mit dem sogenannten „künstlichen Himmel“, der in der Firmenzentrale in Aldrans steht, können die Experten die Lichtverhältnisse an jedem Ort der Welt simulieren. Über maßstäbliche Architekturmodelle, wie sie auch in der Lichtwelt Bartenbach zu besichtigen sind, werden die Beleuchtungssysteme visualisiert.

Fokus auf Europa.

Nachdem Bartenbach viele Jahre lang hauptsächlich im arabischen Raum tätig war, kam in den letzten Jahren die Rückfokussierung auf den europäischen Raum. „Durch den niederen Ölpreis wurden viele Projekte im arabischen Raum gestoppt. Das war für uns ein guter Anlass, uns bewusstzumachen, dass eine zu große Abhängigkeit von Großkunden nicht klug ist“, sagt Christian Bartenbach. „Als ich 2007 die Geschäftsführung übernommen habe, war mir schnell klar, dass wir uns breiter aufstellen müssen.“ Der Fokus auf den deutschen Sprachraum wurde daraufhin verstärkt, Partner in strategisch wichtigen Orten in der Schweiz und auch in Wien sorgen mittlerweile dafür, dass Bartenbach „da ist, wo auch die großen Architekten sind“. So will man langfristig auf interessanten Märkten präsent bleiben und nicht nur projektbezogen in bestimmten Ländern und Regionen tätig sein.

Imagefrage.

Und auch wenn Projekte wie die Beleuchtung der weltgrößten Uhr in Mekka für internationalen Medienrummel sorgen, sieht Christian Bartenbach diese Art von Aufmerksamkeit nicht ausschließlich positiv: „Ich bin überzeugt, dass diese Storys unserem Ruf – zumindest in Tirol – eher schaden als nützen. Hier haben wir leider das Image, dass wir nur abgehobene Projekte mit hoher Komplexität und sehr hohen Kosten realisieren. Deshalb begegnen uns heimische Firmen und Bauherren immer noch mit Skepsis.“ Auch das von Bartenbach entworfene (und wieder auf Eis gelegte) Spiegel-Beleuchtungskonzept für das schattige Städtchen Rattenberg, das 2005 für große Diskussionen und Medienecho aus der ganzen Welt sorgte, sieht Christian Bartenbach heute mit gemischten Gefühlen. Der relativ neue, aber stark wachsende Firmenbereich „Lightening Solutions“ soll das Image von „den Bartenbachs, die auf ihrem Berg sitzen“ zurechtrücken. Hier geht es vor allem um Gesamtlichtlösungen, die von der Planung bis zur Realisierung aus einer Hand stammen und vor allem für kleinere und mittlere Bauprojekte in der unmittelbaren Umgebung attraktiv sind. Die neue Giggijochbahn in Sölden, das Alpenresort Schwarz in Mieming sowie Bauprojekte von Tiroler Firmen wie Handl, Empl oder Med-El sind nur einige Beispiele.

Wissenschaftliche Basis.

Ein zukunftsträchtiges Tätigkeitsfeld ist auch die Zusammenarbeit mit sogenannten „lichtfernen Industrien“, die sich immer stärker für das richtige Licht interessieren. Bartenbach kümmert sich in diesem Zusammenhang zum Beispiel um Innenbeleuchtungen von Autos oder auch um Kühlschranklichter. „Die Produzenten verstehen immer mehr, wie sie ihr Produkt mit dem richtigen Licht aufwerten können“, sagt Christian Bartenbach. Im Bereich der Forschung legt Bartenbach den Fokus derzeit vor allem auf „Light Health“, also die nicht-visuelle Wirkung von Licht auf den Körper und die Psyche. Mithilfe von medizinischen Partnern, zum Beispiel dem Landeskrankenhaus Hall, soll einer der Leitsätze von Bartenbach wissenschaftlich bestätigt werden: „Der Mensch ist ein Lichtwesen.“ Die Studien beschäftigen sich unter anderem mit der Frage, wie Licht bei psychischen Erkrankungen helfen kann, wie stark Nachtarbeit bei Kunstlicht den Schlaf und damit die Regeneration des Körpers stört und ob das richtige Licht die Konzentrationsfähigkeit steigern kann. Die bisherigen Ergebnisse stimmen mit den Konzepten der Aldranser Lichtplaner weitgehend überein. Und so fühlt sich auch Christian Bartenbach in einer Aussage bestätigt, die sein Vater schon immer gerne bemühte: „Licht ist nicht nur das Ende eines Kabels.“

Zur Person

Christian Bartenbach (49) ist der jüngste Sohn von Firmengründer Christian Bartenbach (86). Er verließ das Familienunternehmen zunächst, um zwei eigene Firmen aufzubauen. Nach zehn Jahren in München kehrte er nach Aldrans zurück, wo 2007 die Generationenwechsel stattfand.

Es werde Licht
Christian Bartenbach lenkt seit 2007 die Geschicke des Aldranser Lichtplanungsbüros Bartenbach.

Beitrag teilen:

Werbung

Newsletter

Wir informieren Sie kostenlos und wöchentlich über
Tirols Wirtschaftsgeschehen

Bitte JavaScript aktivieren, um das Formular zu senden