Kurzes Intermezzo

Nach drei Wochenenden, an denen in den Tiroler Clubs fast wie vor der Pandemie gefeiert werden durfte, trüben neue Zutrittsbeschränkungen die Feierlaune im Land.

Aus 3-G wird 2-G: Nur mehr Geimpfte und mit einem PCR-Test-Getestete dürfen in Zukunft in Tiroler Clubs, Bars und Diskotheken feiern. Für die krisengebeutelte Nachtgastronomie kommt nach der Erleichterung, die die Öffnungsschritte Anfang Juli brachte, schon wieder eine Hiobsbotschaft: Aufgrund von positiven Covid-Fällen und Ansteckungen in der Nachtgastronomie, werden die Zugangsregeln wieder deutlich verschärft. Keine einfache Situation für die Branche – gerade wurden die Lagerstände wieder aufgefüllt, Mitarbeiter eingestellt und das Programm für die nächsten Wochen geplant. Nun bangen viele Betreiber, dass durch die neuen Regeln Besucherinnen und Besucher ausbleiben werden und das gerade in den Sommermonaten, die schon vor der Corona-Krise zu den umsatzschwächsten Zeiten des Jahres gehörten.

top.tirol hat bei Johann Berchtold, Betreiber des B1, Minki und LUNA und Fred Lordick, Gründungsmitglied der Innsbruck Club Commission und Geschäftsführer des Club Dachsbau nachgefragt, was die Verschärfungen für die Tiroler Nachtgastronomie bedeuten und wie sie planen, über den Sommer zu kommen.

Nach wenigen Wochen der Öffnung werden die Zutrittsvoraussetzungen in der Nachtgastronomie wieder verschärft. Was bedeuten diese Verschärfungen für Ihren Betrieb?

Johann Berchtold: Die neuen Verschärfungen betreffen uns je nach Lokalität unterschiedlich. Während wir im B1, aufgrund des Restaurantbetriebs und des neuen, vergrößerten Außenbereichs, mildere Verschärfungen erwarten dürfen, betreffen die kommenden Reglements den Club Minki und unseren neuen Club LUNA enorm. Wir erwarten gerade in diesem Bereich einen erheblichen Umsatzrückgang aufgrund der verschärften Auflagen für die Gäste. Wir hoffen aber dennoch, dass viele Besucher die Hürden bewältigen und den Weg in unsere Lokalitäten finden werden. Wir werden die Auflagen seitens der Regierung weiterhin respektieren. Hierbei setzen wir auf strenge Einlasskontrollen und treffen weitere Vorkehrungen zur Umsetzung des Hygienekonzepts.

Fred Lordick: Bei uns bedeutet dies momentan eine große Unsicherheit bezüglich der PCR-Tests und deren Verfügbarkeit. Es sieht aktuell nicht danach aus, als gäbe es rechtzeitig genügend Tests, um die Gästezahl zu versorgen. Das heißt für uns eine reduzierte Nachfrage, die uns potentiell unter den Break-Even Point-treiben wird, was natürlich gerade nach 1,5 Jahren ohne Umsätze ziemlich schwer tragbar ist. Was zusätzlich ein Problem ist, sind die Mitarbeiter. Auch unsere Mitarbeiter sind noch nicht komplett durchgeimpft und sollten die Regulierungen weiter angezogen werden, kann es uns gut passieren, dass wir manche Mitarbeiter, auch wenn sie impfwillig sind, zumindest kurzfristig nicht mehr einsetzen können.

Wird es unter den derzeitigen Bedingungen, Sommerloch plus neuer Verschärfungen, überhaupt möglich sein, gewinnbringend zu arbeiten?

JB: Das Sommerloch ist ein bekanntes Problem in der Nachtgastronomie. Während wir im B1 rechtzeitig reagieren konnten und die Terrasse erheblich erweitert und neu gestaltet haben, ist dies im Minki und LUNA nicht möglich. Die zusätzlichen Verschärfungen erleichtern diesen Umstand selbstverständlich nicht und es bleibt abzuwarten, ob es möglich sein wird, Gewinne zu erzielen. Die Situation ist herausfordernd und der Zeitpunkt weitere Einschränkungen einzuführen, kommt ungelegen. Dennoch sehen wir uns in der Lage, auch diese Hindernisse zu überwinden.

FL: Der Schritt auf 2-G (geimpft oder PCR-getestet) ist in vielerlei Hinsicht einer in Richtung Unrentabilität. Wie vorher bereits erwähnt, werden sich nicht all unsere Gäste in kurzer Zeit impfen lassen können und zusätzlich nehmen die PCR-Tests, durch ihre langwierige Auswertung, die komplette Spontanität aus dem Ausgehen. In Kombination mit dem bevorstehenden Sommerloch wird dies an viele Abende bedeuten, dass wir letztlich draufzahlen.

Braucht es jetzt neue Hilfsmaßnahmen für die Nachtgastronomie?

JB: Wir hoffen selbstverständlich, wie jeder Unternehmer der sein Unternehmen nicht bzw. nur teilweise betreiben kann, auf eine Stützung durch die Entscheidungsträger. Wir haben bislang über den gesamten Zeitraum der Pandemie keine Angestellten entlassen und wollen weiterhin diesen Weg gehen. Die neu geplante Diskothek LUNA haben wir aufgrund der Ungewissheit betreffend zukünftiger Entwicklungen und zum Schutz der Gäste und Mitarbeiter bewusst nicht eröffnet. In diesem Fall wäre ein passendes Hygienekonzept, ohne einer erheblichen Aufstockung des Sicherheitspersonals, nicht umsetzbar gewesen. Mietkosten und weitere Fixkosten belasten alle Unternehmer bei einem Umsatzrückgang natürlich massiv und wir erwarten uns ein Lösungsvorschlag seitens der Regierung.

FL: Ja absolut. Es wurde von der Stadt auch bereits ein Hilfspaket beschlossen, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass Land und Wirtschaftskammer Tirol mitziehen. Leider gibt es auf Landesebene hier nur geringe Fortschritte und von Seiten der WKT absolut keine Rückmeldung bisher. Dies kann bedeuten, dass diese versprochene Hilfe nie bei uns ankommen wird. Abgesehen davon, bedeuten die aktuellen spontanen Verschärfungen für uns, dass wir damit rechnen dürfen, auf einmal wieder schließen zu müssen und dann braucht es auf jeden Fall wieder größere bundesweite Hilfen.

Was erwarten Sie sich von Seiten des Gesetzgebers bzw. der Landesregierung?

JB: Wir wünschen uns, dass der Gesetzgeber bzw. die Landesregierung klar und transparent das weitere Vorgehen kommuniziert, um eine bestmögliche Planungssicherheit zu gewährleisten. Zusätzlich würden wir eine raschere Abwicklung bei den versprochenen Hilfestellungen begrüßen und eine unkomplizierte Gestaltung von Hilfspaketen befürworten.

FL: Meiner Meinung nach vier Punkte:

  • Flächendeckende, ausreichend vorhandene und gratis PCR-Tests.
  • Den finalen Entschluss zur Einrichtung des Hilfspaketes für die Clubs.
  • Eine weitsichtigere Gesetzgebung: Nach 1,5 Jahren Pandemie, sollte es möglich sein, nicht die Verordnungen am Montag für Freitag zu veröffentlichen.
  • Eine differenzierte Berichterstattung. Gerade momentan wird die Nachtkultur wieder als der Sündenbock hervorgehoben, obwohl die meisten Ansteckungen auf Reiserückkehrer zurückzuführen sind.

Zur Person:

Eigentlich kommt Johannes Berchtold aus der Logistikbranche: Er ist Geschäftsführer von Morawa-Berchtold Transporte, einem der größten Speditionsunternehmen der Landeshauptstadt. Seit einigen Jahren ist Berchtold aber auch in der Nachgastronomie aktiv und eröffnet mit dem LUNA, neben dem B1 in der Rossau und dem Minki in Wilten, bald sein drittes Lokal in Innsbruck.

Fred Lordick betreibt gemeinsam mit Konni Wolfgang den Club Dachsbau und ist eines der Gründungsmitglieder der Innsbruck Club Commission, der Interessenvertretung der Innsbrucker Nachtgastronomie. Neben seinem Job als Geschäftsführer kann man Lordick auch des Öfteren als Resident-DJ hinter den Turntables im Dachsbau erleben.

Kurzes Intermezzo
Nach nur drei Wochen gibt es bereits wieder neue Zutrittsbeschränkungen für die Tiroler Nachtgastronomie.

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