Lebensmittel mit (Mehr-)Wert

Im Gespräch mit top.tirol erklärt Matthias Pöschl, Geschäftsführer der Agrarmarketing Tirol, wie vom Verkauf von „Qualität Tirol“ Produkten nicht nur die landwirtschaftlichen Unternehmen, die sie produzieren, sondern alle Beteiligten der Wertschöpfungskette profitieren.

Die Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung analysiert jährlich die regionalwirtschaftlichen Effekte, die von „Qualität Tirol“ Produkten ausgehen. Was sind für Sie die wichtigsten Erkenntnisse der diesjährigen Studie?

Matthias Pöschl: Eines der erfreulichsten Ergebnisse ist, dass wir den Umsatz noch weiter, auf rund 30 Millionen Euro, steigern konnten. Das entspricht einem Zuwachs von fünf Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr. Das ist umso bemerkenswerter, als das Jahr 2021 ja von schwierigen Rahmenbedingungen gekennzeichnet war. Mit dem Gastro-Großhandel und der Gastronomie sind uns wichtige Vertriebskanäle weggebrochen. Wir haben es aber geschafft, diese Umsatzeinbußen mit einer Reihe von Aktionen im Lebensmitteleinzelhandel auszugleichen und in diesem Segment sogar noch zu wachsen. Die beste Nachricht daran ist, dass 4,7 Millionen Euro direkt unseren landwirtschaftlichen Partnerbetrieben zugutekommen.

Wie hat sich das Aufgabenfeld der Agrarmarketing Tirol (AMT) seit der Gründung im Jahr 1995 weiterentwickelt?

Beim EU-Beitritt Österreichs ist man davon ausgegangen, dass die kleinstrukturierte Tiroler Landwirtschaft und ihre Produkte am europäischen und globalen Markt nicht wettbewerbsfähig sein würden. Die AMT wurde mit der Zielsetzung gegründet, die Wertschöpfung für die bäuerlichen Betriebe im Land zu sichern und sie bei der Vermarktung ihrer Produkte zu unterstützen. Diesen Grundauftrag erfüllen wir immer noch. Unser wichtigstes Werkzeug dafür ist das Gütesiegel „Qualität Tirol“.

In den letzten Jahren konnten wir unser Tätigkeitsfeld mit weiteren Projekten, gerade in den Bereichen Bewusstseinsbildung für die Qualität heimischer Lebensmittel, gesunde Ernährung mit Tiroler Produkten und regionale Wirtschaftskreisläufe, erweitern. Die zentrale Aufgabe ist und bleibt aber, LandwirtInnen und ProduzentInnen dabei zu unterstützen, ein gutes Auskommen mit ihrer Kernkompetenz, dem Produzieren von hochwertigen Lebensmitteln, zu finden. Hinzu kommt, dass auch alle anderen Beteiligten entlang dieser Wertschöpfungskette vom Verkauf von hochqualitativen Tiroler Lebensmitteln profitieren.

Wie steht es heute um die Wettbewerbsfähigkeit von Tiroler Lebensmitteln?

Hochwertige regionale Produkte, und da spreche ich nicht nur von Produkten mit dem Gütesiegel „Qualität Tirol“, haben heute eine hohe Relevanz. Wenn dann noch wichtige Rahmenbedingungen, wie Nachhaltigkeit, Transparenz und lokale Wertschöpfung, berücksichtigt werden, kann man heutzutage absolut konkurrenzfähig sein, auch in einem globalen Marktumfeld.

Wie kann es gelingen, die Interessen der kleinstrukturierten Tiroler Landwirtschaft gegenüber großen Konzernen im Lebensmitteleinzelhandel besser durchzusetzen?

Unter einer starken Dachmarke können heimische ProduzentInnen dem Handel auf Augenhöhe begegnen. Wenn wir ein neues Produkt gemeinsam mit unseren Partnerbetrieben entwickeln, wissen wir schon von Beginn an, welchen Preis wir am Markt damit erzielen können und wie viel davon an die ProduzentInnen gehen muss, damit es sich für sie rentiert.

Welche Maßnahmen planen Sie, um in Zukunft die Wertschöpfung für Tirols Landwirtschaft noch weiter zu steigern?

Wir befinden uns gerade in der finalen Phase der Gründung des Lebensmittelinnovationszentrums, mit dem wir uns noch stärker in Richtung Kompetenzpartner für Lebensmittel aus der bäuerlichen Berglandwirtschaft entwickeln. Wir werden hier einen 360-Grad-Service für ProduzentInnen anbieten, unabhängig davon, ob sie Produkte mit dem Gütesiegel „Qualität Tirol“ produzieren. Wir unterstützen sie dabei, ihre Ideen und Erzeugnisse zur Marktreife weiterzuentwickeln und Absatzkanäle zu finden.

In Kürze

  • 380 Produkte, ausgezeichnet mit dem Gütesiegel „Qualität Tirol“
  • 30 Millionen Euro Umsatz mit Produkten mit dem Gütesiegel „Qualität Tirol“
  • Produkte mit dem Gütesiegel „Qualität Tirol“ steuern 38 Millionen Euro zum Tiroler Regionalprodukt bei.
  • Verkauf und Herstellung von „Qualität Tirol“ Produkten sicherten 402 Vollzeitstellen im Jahr 2021.
  • Für jeden Euro, der vom Land Tirol in die AMT investiert wird, fließen sieben Euro an die öffentliche Hand zurück.
  • 4,7 Millionen Euro fließen direkt an die Tiroler Landwirte.

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    Unter einer starken Dachmarke können heimische ProduzentInnen dem Handel auf Augenhöhe begegnen.

  • ATMAlmFalkauns42

    Tierwohl und artgerechte Haltung sind zentrale Bestandteile der Philosophie hinter „Qualität Tirol“.

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    "Unsere wichtigste Aufgabe ist, LandwirtInnen und ProduzentInnen dabei zu unterstützen, ein gutes Auskommen zu finden.“ Matthias Pöschl, Geschäftsführer Agrarmarketing Tirol

Lebensmittel mit (Mehr-)Wert
Tierwohl und artgerechte Haltung sind zentrale Bestandteile der Philosophie hinter „Qualität Tirol“.

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