Logistik auf eigenen Pfaden

Access Logistic in Kramsach konnte vom Lieferboom der vergangenen Monate nicht direkt profitieren. Stattdessen baut das Speditionsunternehmen auf eine Firmenphilosophie, die sich bewusst von den branchenüblichen Dogmen unterscheidet.

Günstig war der Gründungszeitpunkt von Access Logistic im März 2019 im Nachhinein betrachtet wohl nicht. Ziemlich genau ein Jahr hatten die Gründer Andreas Schram und Andreas Hornegger mit ihrem Team, um Fuß zu fassen, bevor die Pandemie mit voller Wucht zuschlug. Doch diese knapp bemessene Zeit wussten die Logistiker mit Sitz in Kramsach gut zu nutzen. Das belegt nicht zuletzt der Jahresumsatz von 8,5 Millionen Euro, den sie 2020 im ersten kompletten Geschäftsjahr generierten. Mit der Krise kamen neue Herausforderungen auf den Frächter zu – allerdings nicht der pandemiebedingte Geldsegen, der der Branche mitunter nachgesagt wird: „Manche Logistikunternehmen haben von Covid vermutlich profitiert“, mutmaßt Andreas Schram.“ Gerade im Konsumgüterbereich kam es zu einer gesteigerten Nachfrage. Wir, die vor allem Partner der Industrie sind, haben eher Einbrüche erlebt. Ohne die Pandemie wäre unser Jahresumsatz 2020 wohl noch besser ausgefallen.“

MIT EIGENER FLOTTE

Kunden gegenüber legt Access Logistic großen Wert darauf, nicht nur eine Vermittlerrolle einzunehmen: „Bis vor Kurzem hatten wir ausschließlich Exklusivvereinbarungen mit Frächtern, die wir über dem Branchenstandard entlohnen, um sie als verlässliche, ganzjährige Partner in guten wie in schlechten Zeiten auf unserer Seite zu haben“, erklärt Schram. Um das zusätzlich zu forcieren, hat sich Access Logistic entschieden, als einer von wenigen Logistikern einen eigenen Fuhrpark auf- statt abzubauen. Mitte 2020 wurden dazu ein Transportunternehmen in Rumänien übernommen und eine Reihe von LKWs bestellt, von denen die ersten schon im Einsatz sind. Ziel bis 2025 soll es sein, dass 50 Prozent der eingesetzten Fahrzeuge aus dem eigenen Fuhrpark stammen. Während die Konkurrenz durch Auslagerung von Service, Anstellung von Fahrern und mehr Kosten sparen will, nimmt Access Logistic diese in Kauf, um im Tausch dafür Transparenz und nicht zuletzt Kontrolle über die Qualität zu erlangen.

TALENTSUCHE

Um eine solche unkonventionelle Strategie auch in die Tat umzusetzen, ist Access Logistic vor allem auf seine Mitarbeiter angewiesen. Doch wie in nahezu allen Branchen wird es zunehmend schwierig, diese zu finden: „Was Mitarbeiter betrifft, haben wir in Tirol einen extrem hohen Konkurrenzdruck,“ bestätigt Schram.“ Alleine im Bezirk Kufstein gibt es zig Speditionsunternehmen, die in einem begrenzten Pool nach  Mitarbeitern suchen.“ Gleich wie gegenüber seinen Kunden stand das Unternehmen also auch hier von Anfang an vor der Aufgabe, sich hervorzutun. „Die Mitarbeiter sind für die Access Logistic das absolut wichtigste Kapital. Die Kommunikation zwischen Geschäftsführung und Mitarbeiter geschieht auf Augenhöhe und unsere unternehmerischen Grundpfeiler, wie Kompetenz, Freundlichkeit, Motivation und Ehrlichkeit, werden von jedem Mitarbeiter umgesetzt“, ist Schram überzeugt. Anstatt auf provisionsgetriebene Gehälter setzt Access Logistic deswegen auf langfristige Mitarbeiterbindung. Neben einem hohen Fixgehalt und zusätzlichen Provisionsmöglichkeiten werden auch Benefits wie u. a. Homeoffice, flexible Arbeitszeiten und Fortbildungen geboten. „Die Mitarbeiter verpflichten sich, mindestens einmal pro Jahr eine relevante Weiterbildung zu absolvieren“, erklärt Schram. „Alle Kosten werden selbstverständlich vom Unternehmen bezahlt. Nur so sichern wir uns die am besten ausgebildeten und motiviertesten Mitarbeiter.“

FLEXIBILITÄT ALS TRUMPF

Die Geschäftsführung hat noch viele Ideen. Unter anderem gedenkt Schram, sich die Internationalisierung zunutze zu machen, um zukünftig Arbeitsplatzflexibilität zu bieten – und zwar genauso international, wie die Logistikbranche an sich ist. Der Plan sieht vor, Mitarbeitern freizustellen, in welcher Niederlassung sie tätig sein wollen – sei es in Deutschland, im sonnigen Spanien oder an einem völlig anderen Ort. „Wir gehen davon aus, dass wir in den kommenden Jahren Headquarter in ganz Europa mit den dazugehörigen Niederlassungen eröffnen werden“, erklärt Schram. „Dank unserem komplett digitalisierten System ist es dann völlig irrelevant, ob ein Mitarbeiter von Österreich, Deutschland, Spanien oder Tschechien aus arbeitet.“ Das soll nicht nur Optionen bieten, sondern Mitarbeiter auch dazu anstacheln, sich mit neuen Sprachen, Kulturen, Märkten und mehr auseinanderzusetzen.

Zum Unternehmen:

  • Gegründet:
    März 2019
  • Umsatz im ersten kompletten Geschäftsjahr 2020:
    8,5 Millionen Euro
  • Umsatz 2021: rund 14 Millionen Euro:
  • Mitarbeiter: 17

  • Access-Logistics2

    Andreas Schram, Geschäftsführer Access Logistics

  • Access-Logistics3

    Access Logistic baut vor allem auf Mitarbeiter und Teamwork als Fundament des Erfolgs.

Logistik auf eigenen Pfaden
Der Logistikanbieter Access Logistic ist in Kramsach ansässig. 2019 gegründet, ist das Unternehmen europaweit tätig.

Beitrag teilen:

Werbung

Newsletter

Wir informieren Sie kostenlos und wöchentlich über
Tirols Wirtschaftsgeschehen

Bitte JavaScript aktivieren, um das Formular zu senden