Nachhaltigkeit kennt keine Grenzen

Auch wenn Nachhaltigkeit in vielen Bereichen stark mit Regionalität in Verbindung gebracht wird – gerade im Bereich des Bausektors spielen zunehmend auch globale Aspekte (und unsere Antworten darauf) eine tragende Rolle.

Was der britische Architekt Cedric Price bereits 1966 so provokant formulierte, hat heute mehr Gültigkeit denn je. Wurden aufkeimende Fragen im Bausektor in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten stets mit mehr und noch ausgefeilterer Technik beantwortet, stellen sich heute die Fragen, wie diese Technik eingesetzt werden kann, um maximalen Nutzen zu erzielen, und sich außerdem ressourcenschonend und generationengerecht wirtschaften und bauen lässt. Und was sind die Stellschrauben, an denen die Gesellschaft und die Unternehmen drehen können?

LOKAL TRIFFT GLOBAL

Während die Region in ihrer Wertschöpfung zunehmend an Bedeutung gewinnt, rücken nationale Grenzen im gleichen Zuge mehr und mehr in den Hintergrund. Unsere Wirtschaft – auch die des Bausektors – funktioniert seit Langem ausschließlich auf Grundlage der globalen Vernetzung. Ein großer Markt mit vielen Playern und unterschiedlichen Begehrlichkeiten. Dazu äußerst stabil, wie die Coronakrise rund um den Globus eindrücklich bewiesen hat.
Mit Blick auf den einen Planeten, den die Menschheit in ihrer Gesamtheit bewohnen darf, sagt Manfred Lechner, Direktionsleiter der STRABAG in Tirol: „Als Konzern versuchen wir übergreifend zu denken und den Blick auf das große Ganze zu behalten, während wir im regionalen Management versuchen, vor allem auch etwas für die jeweilige Region zu tun, in der wir unsere Leistungen anbieten. Das kann zum Beispiel bedeuten, durch bestmögliche Organisation den Schwerverkehr auf ein Minimum zu reduzieren, unsere Lagerflächen so gering wie möglich zu halten oder unsere Bürohäuser nachhaltig zu betreiben.“

CRADLE TO CRADLE

In diesem Zusammenhang hat die STRABAG bereits eine Nachhaltigkeitsstrategie verabschiedet und arbeitet an mehreren Projekten, die darauf abzielen, den CO2-Ausstoß zu verringern. Denn Fakt ist, dass durch Bautätigkeiten, die Baustoffproduktion und den Transport jede Menge CO2 freigesetzt wird. Die Bauwirtschaft ist nach wie vor einer der größten Treiber des Klimawandels – bietet damit aber auch einen enormen Hebel, an dem alle Beteiligten gemeinsam ansetzen können. Im Moment geht ein Trend dahin, eine funktionierende Kreislaufwirtschaft zu ermöglichen und Abfall zu vermeiden. De facto dürfte es zukünftig eigentlich keine Verschwendung von Baustoffen mehr geben, da jeder einzelne Rohstoff zu wertvoll ist, um verschwendet zu werden. Außerdem geht es Lechner und STRABAG auch darum, die Lieferantinnen und Lieferanten mit an Bord zu holen, um gemeinsam die notwendige Transparenz von Lieferketten zu schaffen. Rückbau, Recycling, Wiederverwendung: Circular Building ist einer der Megatrends der Zukunft.

DA GEHT NOCH MEHR

Während Aspekte der Nachhaltigkeit gerade bei Ausschreibungen der öffentlichen Hand (auch auf Druck der zu erreichenden Zertifizierungen) in den Hochbausektor bereits Eingang gefunden haben, kann Lechner – wenn es um Projekte des Tiefbaus geht – selbiges noch nicht vermerken: „Wir sind allerdings vorbereitet, sollte das Thema Nachhaltigkeit an Relevanz in den Ausschreibungen gewinnen.“ Gerade, wenn es um den Ausbau von Straße und Schiene geht, könne laut Lechner ein gut ausgeprägtes Verkehrsnetzwerk dazu führen, dass im Individualverkehr kürzere Strecken zurückgelegt werden. „Zum Beispiel werden auch für Busse Straßen gebraucht, gleiches gilt für Mobilität mit alternativen Antrieben und für Fahrradverkehr. Straßenbau wird es also weiterhin geben – vermutlich begleitet von einem starken Segment des Bahnbaus“, wagt Lechner den Blick in die Zukunft und verweist auf die ent­sprechende Zuständigkeit der verkehrs­politischen Planerinnen und Planer.

CHANCEN UND HERAUSFORDERUNGEN

Gerade die Infrastrukturen bieten ein enormes Potenzial für den Wandel und zukunftsgerichtetes Handeln, da im Prinzip jeder Bürger und jede Bürgerin dieses „Produkt“ tagtäglich nutzt. Mit Blick auf Tirol kann Lechner konsta­tieren: „Die Tiroler Industrie und auch der Tourismus in Tirol erfordern stabil funktionierende Infrastrukturen: gute Straßenanbindungen, Möglichkeiten zum Transport von Gütern und Per­sonen via Schienen- oder Flugverkehr.

Auch Seilbahnen in den Bergen gehören dazu. Wir dürfen zudem die Einrichtungen der Energie- und Wasserversorgung sowie unsere Abwasserentsorgungssysteme nicht vergessen. Alle dafür notwendigen Bauwerke realisieren, erhalten und erneuern wir und freuen uns auch weiterhin auf viele spannende Projekte in der Region.“ Doch auf welche Materialien und Baustoffe oder -techniken wollen wir dabei setzen? Für Lechner ist dieser Aspekt immer auch im Kontext seines Einsatzortes und -zwecks zu betrachten: „Holz an sich kann zum Beispiel ein guter, nachhaltiger Rohstoff sein, manchmal ist Beton dann allerdings angesichts der Haltbarkeit die klügere und auf lange Sicht sogar nachhaltigere Wahl.

Im Verkehrswegebau wollen wir uns zum Beispiel darauf konzentrieren, mehr Recyclingbaustoffe und mehr recycelten Asphalt zum Einsatz zu bringen. Es geht also nicht nur darum, neue Materialien zu testen oder auf den Markt zu bringen, sondern auch darum, vorhandene Baustoffe aufzubereiten, dem Kreislauf erneut zuzuführen und wiederzuverwenden. Damit schonen wir natürliche Ressourcen.“ Wie schon Cedric Price sagte.

Aktuelle Trends in der Baubranche

  1. CIRCULAR BUILDING
    Bauen nach dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft: Rückbau, Recycling, Wiederverwendung.
  2. ZERTIFIZIERUNG
    Die Standards steigen – und damit auch die Anforderungen an die Bauherren und Auftraggeber.
  3. SLOW ARCHITECTURE
    The „New Local“ – der Fokus liegt auf vernakulären Bauformen und regional verfügbaren Baustoffen.
  4. SUFFIZIENZ
    Weniger ist mehr: so viel wie nötig, so wenig wie möglich in allen Belangen.
  5. UPGRADE
    Bestehende Strukturen reaktivieren und aufwerten, anstatt nach ewig Neuem streben.

AUTOMATISIERUNG DER BAUBRANCHE

Gemessen an anderen Industrien (wie beispielsweise der Automobilindustrie) mag sich die Baubranche im Hinblick auf Automatisierung und Digitalisierung weniger weiterentwickelt haben.

Was die zugrundeliegenden Prozesse betrifft, befindet sich allerdings bereits vieles im Wandel: von der getrackten Baustofflieferung über digital gestützte Qualitätssicherungsabläufe bis hin zum Wissenstransfer – Digitalisierung und Innovation sind dringend nötig, um die Baubranche als Arbeitgeberin attraktiv zu halten und junge, technikaffine Menschen für sich zu gewinnen.

STRABAG KENNZAHLEN 2021

Die STRABAG ist eine europäische Technologiepartnerin für Baudienstleistungen, führend in Innovation und Kapitalstärke. Das Leistungsspektrum umfasst sämtliche Bereiche der Bauindustrie und deckt die gesamte Bauwertschöpfungskette ab.

Leistung: 16.129 Mio. Euro

Auftragsstand: 22.501 Mio. Euro

Mitarbeitende: 73.606

Zur Person DI Manfred Lechner

  • Prokurist & Direktionsleiter der STRABAG AG in Tirol
    Noch vor Abschluss seines Studiums stieg Manfred Lechner 1990 als Bauingenieur bei der Firma STRABAG ein, um von Beginn an Großbaustellen zu betreuen. Es folgte die Leitung des Tiefbaus verschiedener Regionen sowie die Direktionsleiterfunktion in Tirol seit dem 1. Jänner 2005.
  • Spartenvertreter Industrie der Wirtschaftskammer Tirol
    Als Sprecher vertritt Manfred Lechner zudem die Tiroler Bauindustrie in der Sparte Industrie. Die aktive gesetzliche Interessenvertretung sieht sich als eine starke Säule für die 450 Tiroler Industriebetriebe mit ihren rund 42.000 Beschäftigten.

  • STRABAG3

    Trotz seines manchmal schlechten Images ist Beton, wenn er ressourcenschonend erzeugt wurde, ein wertvoller Baustoff mit vielen Einsatzgebieten.

Nachhaltigkeit kennt keine Grenzen
„Manchmal ist Beton angesichts der Haltbarkeit die klügere und auf lange Sicht sogar nachhaltigere Wahl." Manfred Lechner, Prokurist & Direktionsleiter STRABAG AG In Tirol

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