Staatliche Covid-Hilfe: Sanierungsexperten rechnen mit Insolvenzflut

Die starre Fälligkeit gewährter staatlicher Covid-Überbrückungskredite
entwickelt sich für zahlreiche Mittelstandsunternehmen zusehends zu einer
existenziellen Bedrohung. Aufgrund der nachgelagerten Ukraine-Krise sehen sich vor
allem Betriebe in davon betroffenen energieintensiven Branchen aufgrund mangelnder
Liquidität außerstande, die Forderungen fristgerecht zu bedienen. Vielen bleibt nur der
Ausweg über ein Sanierungsverfahren, dass zwangsweise zu Forderungsausfällen und
Vernichtung volkswirtschaftlichen Vermögens führt.

„Ich befürchte dies könnte sich noch österreichweit zu einem Flächenbrand ausweiten und den
heimischen Mittelstand massiv gefährden“, weiß der Dr. Christoph Strobl. Der Innsbrucker
Sanierungsprofi beobachtet ebenso wie viele seiner Kollegen im Forum für Restrukturierung
und Turnaround mit Sorge die Häufung solcher Fälle. Dadurch geraten Unternehmen in
Bedrängnis, die langfristig hervorragende Perspektiven haben. „Ich betreue ein Unternehmen,
dass im Juni eine positive Bilanz legte, ein volles Auftragsbuch besitzt und im September
aufgrund der starren Fälligkeiten der Rückzahlung ein Sanierungsverfahren anmelden musste,
dass in den vergangenen Tagen Gott sei Dank positiv abgeschlossen werden konnte“, so
Strobl.

Der Unternehmensberater sieht hier bei der zuständigen Politik raschen Handlungsbedarf.
„Auch wenn hier aufgrund der EU-rechtlichen Vorgaben die gesetzlichen
Rahmenbedingungen schwierig sind, müssen hier die bestehenden Regelungen evaluiert und
gegebenenfalls praxistauglich angepasst werden. Es macht einfach keinen Sinn, wenn
staatliche Einrichtungen Unternehmen zuerst in schwierigen Zeiten unterstützen, um kurze
Zeit später das erhaltene volkswirtschaftliche Vermögen zu vernichten“, appelliert Strobl an
die Verantwortlichen.

Um unnötige großflächige Schäden im heimischen Mittelstand zu verhindern, würde es laut
Strobl reichen, eine Möglichkeit zur Verlängerung der Laufzeiten zu schaffen. „Dies würde es
den Unternehmen erlauben, die nötigen Weichenstellungen zu treffen, um die durchaus
vorhandenen langfristigen Perspektiven zu nutzen.“

Über

Christoph Strobl betreut mit seinem Unternehmen SGS Management GmbH seit mehr als 15
Jahren Unternehmen in Restrukturierungs- und Sanierungsprozessen. Strobl ist beeideter und
gerichtlich zertifizierter Sachverständiger, lehrt an der FH Kufstein und arbeitet aktuell mit dem
Management Center Innsbruck und dem Institut für strategisches Management an einem
internationalen Forschungsprojekt im Bereich der Restrukturierung.

Staatliche Covid-Hilfe: Sanierungsexperten rechnen mit Insolvenzflut
Sanierungsexperte Dr. Christoph Strobl warnt vor einer Pleitewelle

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