Städtischer Herztod

Gut geht es Tirols Innenstädten schon lange nicht mehr. Drohte ihnen in den 1990ern noch der Verkehrsinfarkt, tritt nun die Arthrose an dessen Stelle: Laufkundschaft wird weniger, und Umsätze sinken – nicht erst seit der Pandemie, die noch einmal zum Stadtkernsterben beigetragen hat. Maßnahmen wie Innsbrucks Innenstadt-30er sehen manche nun als weiteren Tiefschlag für den lokalen Handel. Darüber, ob dem so ist, lässt sich streiten. Klar ist aber, dass die alleinige Schuld nicht bei der Verkehrsberuhigung liegt. Denn:

  • Manche Branchen haben unwiderruflich gegen Onlineshops verloren. So sind Werkzeug- und Elektronikhändler in Zentren heute eine Seltenheit. Hier können sich nur Ketten halten – und auch sie wandern in Gewerbegebiete ab, wo Mieten leistbar sind.
  • Auswahl braucht Platz. Der ist in Tirols Stadtkernen nicht nur praktisch nicht vorhanden, sondern kostet auch horrende Summen. Immobilienpreise und Mieten steigen, während Umsätze sinken. Die Abwärtsspirale ist vorprogrammiert.
  • Auch auf Straßen ist Platz ein rares Gut. Und so manche Tiefgaragennutzung kostet mehr als der Versand einer Internetbestellung.

Eine Lösung, die Stadtkerne wieder zu dem macht, was sie einmal waren, gibt es nicht. Die Zeiten haben sich geändert, und der Standort Zentrum ist heute in einigen Aspekten schlichtweg unterlegen. Erst wenn das anerkannt wird, kann der lokale Handel seine Stärken ausspielen. Aber dazu braucht es:

  • den richtigen Angebotsmix: Weder die internationale Kette noch das Handy, das es auch im Webshop gibt, können KundInnen locken. Nur Exklusives, bei dem Haptik zählt, wird langfristig Erfolg haben. 
  • erschwingliche Immobilien: Für neues Angebot müssen neue Geschäfte Einzug halten. Aber bei Mieten, die sich nur Starbucks und McDonald’s leisten können, wird das nicht geschehen. 
  • günstige Erreichbarkeit: Weder über Tempolimits noch Innenstadtparkplätze lohnt es sich, zu streiten. Kein Einkaufsbummel hinterm Lenkrad hat je KundInnen ins Geschäft gelockt, egal mit wie vielen Stundenkilometern. Deswegen helfen nur externe Parkflächen zu akzeptablen Preisen. 
  • Attraktionen: Wer heute einkaufen will, öffnet den Webbrowser. Stadtkerne sind für jene da, die etwas erleben wollen. Und dazu zählen nicht nur Schaufenster, sondern auch Gastronomie und nicht zuletzt Events.

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