Tiroler Wirtschaft setzt auf Nachhaltigkeit

Klimaschutz. Das Wirtschaftsparlament, die halbjährlich stattfindende Vollversammlung der WK Tirol, beschloss gestern einstimmig einen fraktionsübergreifenden Antrag zum Thema Nachhaltigkeit.

„Klimaschutz ist unumgänglich und zugleich eine große Chance für heimische Betriebe", betonte WK-Präsident Christoph Walser. Die WK Tirol räumt der Nachhaltigkeit Priorität ein und hat diese zu einem ihrer strategischen Ziele erklärt. „Die WK Tirol nimmt ihre Verantwortung wahr und hat sich als Ziel gesetzt, die eigene Organisation bis 2035 klimaneutral zu machen", erklärte Walser. Das klare Bekenntnis zum Klimaschutz unterstrich die Wirtschaftskammer mit einem gemeinsamen und einstimmig beschlossenen Antrag aller Fraktionen zur Nachhaltigkeitsstrategie. Die zu einem Antrag gebündelten Forderungen der Tiroler Wirtschaftsvertreter beziehen sich auf die 17 nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs, Sustainable Development Goals) der UN. „Es bedarf einer gemeinsamen Anstrengung, um den aktuellen Herausforderungen zu begegnen und Strategien für ein sozial und ökologisch verträgliches Wirtschaften zu erarbeiten“, so Walser.

Aufbau, Ausbau und Beschleunigung

Hermann Lindner nahm für die Sparte Industrie SDG 9 „Industrie, Innovation und Infrastruktur“ unter die Lupe. „Forschung und Entwicklung und die daraus resultierenden Innovationen sind die Treiber für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und wirtschaftliches Wachstum. Gerade in Krisenzeiten wirken sich Forschungs- und Innovationsaktivitäten positiv auf Unternehmen aus“, so Lindner. Daraus lassen sich eine Reihe von erforderlichen Maßnahmen ableiten, etwa der Ausbau der F&E-Förderungen für die Industrie, der Aufbau von Forschungsnetzwerken oder die Beschleunigung des Ausbaus der Wasserkraft.

Nachhaltigkeit auch auf kommunaler Ebene

Der Landessprecher der UNOS Tirol, Stefan Gleinser, nahm auf das SDG-Ziel 11 „Nachhaltige Städte und Gemeinden“ Bezug. „Unterbrochene Lieferketten, lahmgelegte Fabriken oder unzugängliche Geschäftsflächen sind nur ein paar der Probleme, die die Klimakrise mit sich bringt. Deshalb müssen wir auch auf kommunaler Ebene an Umweltschutz und Nachhaltigkeit denken“, erklärte Gleinser. Die Forderungen der UNOS in diesem Zusammenhang reichen von einer nachhaltigen Flächenwidmung über die Aufstockung ebenerdiger Verkaufs- und Betriebsflächen bis hin zu energieeffizientem Bauen.

Beratungsstelle für Betriebe

Der Sprecher der Grünen Wirtschaft, Michael Carli, konzentrierte sich bei der Erstellung dieses gemeinsamen Antrages auf konkrete „Maßnahmen zum Klimaschutz“ (SDG 13). Unter anderem umfasst das die Forderung nach Einrichtung einer Beratungsstelle der WK Tirol zum Thema Nachhaltigkeit, damit sich die Betriebe schnell und unbürokratisch informieren können, wie sie möglichst klimaschonend handeln können. Zudem regt Michael Carli an, „die Grundsätze der Kreislaufwirtschaft als Lehrinhalt im Rahmen des Kursangebotes des WIFI zu implementieren – und zwar sowohl als eigenen Schwerpunkt als auch als Querschnittmaterie.“

SWV fordert 1,25 Milliarden Euro schweren Transformationsfond

Der Präsident des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes (SWV), Michael Kirchmair, nahm zu SDG 7 „Bezahlbare und saubere Energie“ Stellung. „Um die Bereitschaft zu umweltschonendem Verhalten zu erhöhen, ist es notwendig, individuelle und zielgruppenorientierte Beratungs- und Förderangebote zu entwickeln“, erklärte Kirchmair. Für die klimaneutrale Transformation der Wirtschaft brauche es hohe Investitionen. In einem ersten Schritt kann und soll ein österreichweit mit 1,25 Milliarden Euro dotierter Transformationsfonds hier die notwendigen Mittel bereitstellen, forderte Kirchmair.

Nachhaltigkeit der Finanzwirtschaft

Der stellvertretende Obmann der Sparte Bank & Versicherung, Reinhard Mayr, hob die Rolle der Finanzwirtschaft bei der Erreichung nachhaltiger Ziele hervor. Für die Finanzwirtschaft ergeben sich große Chancen durch den enormen Investitionsbedarf für Klimaschutz, etwa für die dringende Energiewende. Um diese Aufgabe zu bewältigen, bedarf es allerdings noch konkreter Maßnahmen. Mayr forderte die Einbindung von „Green Finance“ in die Ökosoziale Steuerreform. „Die nun veröffentlichte Ökosoziale Steuerreform beinhaltet keine Instrumente der Nachhaltigkeit der Finanzwirtschaft“, kritisierte Mayr. Darüber hinaus könne eine KESt-Befreiung grüner Finanzprodukte positive Effekte auslösen.

Gewidmetes Bauland muss genutzt werden

Für den Tiroler Wirtschaftsbund erklärte Vizepräsident Martin Wetscher zum Punkt „Nachhaltige Städte und Gemeinden“ (SDG 11), dass eine optimale Nutzung bereits gewidmeten Baulandes unumgänglich sei. Damit Betriebe ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern leistbaren Wohnraum zur Verfügung stellen können, brauche es eine Änderung des Tiroler Raumordnungsgesetzes: „Mitarbeiter-Wohnungen sollen in Gewerbe-Mischgebieten unter der Voraussetzung ermöglicht werden, dass es zu keinen Verschärfungen bei den Immissionswerten in diesen Gebieten kommt“, so Wetscher.

CO2 Verbrauch bis 2030 um 55 Prozent reduzieren

Vizepräsidentin und EU-Abgeordnete Barbara Thaler berichtete über die aktuellen Entwicklungen im Klimaschutz auf europäischer Ebene. Konkret sind derzeit zwölf große Gesetzesvorhaben in Diskussion, in denen es um die Umsetzung des Ziels „Fit for 55“ bzw. des Zwischenzieles der 55-prozentigen CO2-Reduktion bis zum Jahr 2030 geht. Die Vizepräsidentin betonte die Chancen, die in diesem Bereich für heimische Firmen liegen und nannte die Voraussetzungen für die Umsetzung aus Ihrer Sicht: die Wettbewerbsfähigkeit Europas müsse ebenso wie die soziale Balance stets erhalten bleiben. Für die Wirtschaft sei ein technologieoffener Zugang wesentlich, um den Innovationsspielraum möglichst groß zu halten.

Gemeinsam für den Klimaschutz

Damit das große Ziel des Klimaschutzes erreicht werden kann, forderte Walser, dass die Politik die innovative Kraft der Wirtschaft nutzt. „Die Tiroler Wirtschaftsvertreter beweisen mit ihrem gemeinsamen Antrag, dass sie das Thema Nachhaltigkeit ernst nehmen und in Bezug auf Klimaschutz an einem Strang ziehen", so Christoph Walser.

Tiroler Wirtschaft setzt auf Nachhaltigkeit
Setzen sich für mehr Nachhaltigkeit in der Wirtschaft ein: Hermann Lindner, Stefan Gleinser, Michael Carli, Winfried Vescoli, Michael Kirchmair, WK-Präsident Christoph Walser sowie Reinhard Mayr

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