„Young Money“: Geld ganz einfach

So groß die Freude über das erste eigene Einkommen aus Lehre, studentischen Nebenjobs oder dem Berufseinstieg ist, so wichtig ist auch der Gedanke an Vorsorge. Wie das geht, erklärt Autor Henning Jauernig in seinem Buch „Young Money Guide“.

Was hat Sie dazu bewegt, sich so jung mit den Themen Geld und Anlage auseinanderzusetzen?

HENNING JAUERNIG: Ich habe schon im Teenageralter aus Spaß heraus begonnen, mein Taschengeld in Aktien zu investieren. Ich habe die Finanzteile der Zeitungen gelesen – es hat mich einfach fasziniert – und ich habe versucht, mir das selbst beizubringen. Während des Studiums habe ich festgestellt, dass es vielen jungen Menschen wie mir geht: Man bekommt den richtigen Umgang mit Geld und Vorsorge meist nicht in der Schule oder von den Eltern erklärt. So ist die Idee zum Blog und dem Buch entstanden, um mein Wissen auch anderen zugänglich zu machen.

Warum sollte sich jeder junge Mensch am besten jetzt sofort mit seinem Geld beschäftigen?

Da kann man nur sagen: Je früher, desto besser. Jeder Tag zählt. Je früher man den inneren Schweinehund überwindet, desto besser, weil man dann mehr Zeit zum Sparen hat. Studien zeigen, dass mehr Anlegezeit zu besseren Renditen führt. Und ich kann beruhigen: Die wichtigsten Schritte sind recht leicht durchzuführen. Es kostet anfangs ein paar Stunden Zeit, um sich einzulesen. Ist einmal alles geregelt, muss man sich jedes Monat nur wenig damit beschäftigen. Vielleicht schaut man mal eine Stunde weniger Netflix und investiert diese Zeit in seine Altersvorsorge.

Was antworten Sie jenen, die sagen: „Ich habe gar nicht genug Geld, um zu sparen oder anzulegen“?

Das ist ein sehr gängiges Vorurteil. Aber es gibt viele digitale Angebote, die es ermöglichen, mit geringen Beträgen zu investieren. Etwa sogenannten ETFs, das sind breit gestreute Weltaktienindexfonds, in die man mit einem Sparplan schon ab 25 Euro monatlich investieren kann. Das ist eine Summe, die man auch als Student*in oder Auszubildende*r aufbringen kann. Es ist ein Irrglaube, dass es mehrere tausend Euro braucht, um loszulegen.

Welche Fehler passieren gerade beim Einstieg in das Thema am häufigsten?

Viele trauen sich nicht zu, sich mit Aktien, Anlage und Investieren zu beschäftigen, weil es ihnen zu kompliziert oder zu mathematisch erscheint. Und das ist eigentlich der größte Fehler. Wer so denkt, lässt viel liegen. Ich kann nur jedem und jeder raten, sich damit auseinanderzusetzen – es ist nicht allzu kompliziert, das kann wirklich jede*r schaffen. Der zweite große Fehler ist, sich auf andere zu verlassen. Wer zu Bank- oder Versicherungsberater*innen geht, lässt sich vielleicht Produkte aufschwatzen, die man nicht versteht und bei denen man sich nicht nachzufragen traut. Die schließt man meist nur ab, um das Thema abzuhaken. Unter Umständen stellt man Jahre später fest, ein teures Produkt gekauft zu haben, das nichts bringt. Deshalb: Blogs und Bücher lesen, sich selbst drum kümmern und nur Produkte wählen, die man auch versteht.

Was kann man aus dem letzten Jahr hinsichtlich Finanzen lernen?

Wirtschaftskrisen gehören einfach dazu und kommen alle paar Jahre vor, das sollte man nicht ausblenden. Das letzte Jahr hat gezeigt, dass es sehr schnell bergab – aber auch sehr schnell wieder bergauf – gehen kann. Da hat man schön gesehen, was man nicht machen sollte: verkaufen, wenn es nach unten geht. Man darf sich nicht verrückt machen lassen von zwischenzeitlichen Krisen, die gehören dazu und gleichen sich über längere Zeit automatisch wieder aus. Wer auf der Einnahmeseite direkt betroffen ist, kann natürlich seine Sparpläne entsprechend anpassen. Aber gerade bei einem Aktiensparplan profitiert man davon, auch in der Krise zu investieren, wenn die Kurse niedrig sind.

Ist jetzt überhaupt ein guter Zeitpunkt, um mit dem Anlegen anzufangen?

Man darf sich keine Illusion machen: Es ist unmöglich, den perfekten Zeitpunkt für den Einstieg zu finden. Die Hauptsache ist, dass man einsteigt – man weiß ja nicht, wohin sich die Kurse in einem halben Jahr oder Jahr entwickeln. Steigen die Kurse wieder, wird es teurer einzusteigen. Wer jetzt investiert, sollte aber zehn bis 15 Jahre mitbringen, um kein kurzfristiges Risiko einzugehen.

Welche Botschaft geben Sie jungen Menschen in puncto Geldanlage mit?

Kümmert euch frühzeitig um euer Geld. Man darf keine Angst vor diesem Thema haben, kann sich mit Freund*innen austauschen. Und ich kann jedem und jeder einen Aktiensparplan empfehlen, das ist eigentlich nie verkehrt.

Zur Person

Die Börse faszinierte Henning Jauernig schon als Kind, nach dem Abitur kaufte er die ersten Aktien. Der 29-Jährige studierte Volkswirtschaftslehre und wurde mit seinem Blog „Young Money“ auf spiegel.de bekannt. Dort erklärt der Spiegel-Wirtschaftsredakteur unterhaltsam und verständlich, was junge Menschen über Geld wissen müssen. 2020 erschien das gleichnamige Buch.

„Young Money“: Geld ganz einfach
Henning Jauernig, Autor

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