Zukunft kleiner und mittlerer Nahversorger muss jetzt abgesichert werden

In den vergangenen beiden Jahren hat sich der Lebensmittelhandel als krisenfest erwiesen und die Grundversorgung zu jederzeit sichergestellt. Doch werden die Herausforderungen beispielsweise mit den steigenden Energiepreisen immer vielfältiger und größer. Gerade die kleinen und mittleren Nahversorger in Tirol geraten zunehmend unter Druck. Deren Zukunft gilt es nun mit Anstrengungen auf nationaler und europäischer Ebene abzusichern.

Die durch die Corona-Pandemie entstandenen Probleme bei Lieferketten, Rohstoffengpässen und Energiepreisen haben sich durch den Krieg in der Ukraine weiter verschärft. Die aktuellen Energiepreise schlagen auch auf die Kosten für Produktion, Transport und Lagerung bzw. Kühlung von Lebensmitteln durch. Mit dem ab 2025 geplanten Plastik- und Dosenpfand sowie den im Herbst beginnenden KV-Verhandlungen stehen weitere Herausforderungen an. Momentan ist der Lebensmittelhandel stabil und die Grundversorgung der Bevölkerung sowie der touristischen Gäste in allen Regionen gewährleistet. Damit das auch so bleibt und Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette eine wirtschaftliche Zukunft haben, braucht es allerdings dringend entsprechende Maßnahmen, so Stefan Mair, Obmann des Landesgremiums des Tiroler Lebensmittelhandels in der Wirtschaftskammer Tirol, und Obmann-Stellvertreter Lorenz Wedl: „Corona, Ukraine, Energie, Rohstoffe: Die Auswirkungen dieser Probleme müssen national und international angegangen werden. Unsere Anstrengungen auf regionaler Ebene können nur ergänzen, nationale und internationale Maßnahmen aber nicht ersetzen.“ Gerade die Nahversorgung im ländlichen Raum ist von den aktuellen Entwicklungen besonders betroffen.

Nationale Maßnahmen nötig, um Betriebe und Arbeitsplätze abzusichern

Momentan stehen die über 1.500 Betriebe des Tiroler Lebensmittelhandels mit ihren fast 15.000 Mitarbeiter:innen und 500 Lehrlingen vor Energiepreissteigerungen um das Fünf- bis Zehnfache. Gleichzeitig sind gerade diese Betriebe nach dem aktuellen Gesetzesentwurf vom geplanten Energiekostenzuschuss de facto ausgeschlossen, da sie entgegen der realen Gegebenheiten nicht als „energieintensive Unternehmen“ eingestuft werden. „Seitens des Tiroler Handels haben wir erst kürzlich Wirtschaftsminister Kocher und Finanzminister Brunner auf diese Unverhältnismäßigkeit hingewiesen und die Dringlichkeit von entsprechenden Anpassungen des Gesetzesentwurfs betont. Die Energiekostenzuschuss-Richtlinie darf nicht künstlich eine Zweiklassengesellschaft innerhalb der Österreichischen Wirtschaft schüren“, so Wedl. 

Auch bei dem ab 2025 geplanten und aus Umweltaspekten durchaus zu begrüßenden Pfandsystem für Plastikflaschen und Dosen, müssen die individuellen Auswirkungen auf die Betriebe des Lebensmittelhandels berücksichtigt werden. Für die nötigen Sammelsysteme kommen Investitionen von mindestens 50.000 auf jedes Unternehmen zu. Außerdem braucht es für den Betrieb jeder Sammelstelle zusätzliches Personal, bei größeren Geschäften wird das eine Vollzeitstelle sein. Diese anstehenden Mehrkosten verschärfen die aktuellen Rahmenbedingungen für viele Betriebe zusätzlich. „Gerade für kleine Betriebe und Nahversorger ist eine praktikable Umsetzung der Vorgabe, welche wirtschaftlich auch tragbar ist, essentiell“, fordert Mair.

Mitarbeiter:innen haben sich Lohnerhöhungen redlich verdient

Spätestens seit Corona und dem Ukraine Krieg sind der Lebensmittelhandel und seine Mitarbeiter:innen krisenerprobt, die Grundversorgung wurde durchgehend sichergestellt. In den anstehenden KV-Verhandlungen sollen sich die Arbeit und Verdienste der Mitarbeiter:innen dementsprechend widerspiegeln, so Mair. „Umso dringender ist es, dass beim Energiekostenzuschuss gesetzlich nachgebessert wird.“

Regionalität bewährt sich einmal mehr

Die Energiepreise schlagen auch auf die Kosten für Produktion und Transport von Lebensmitteln durch. Die in Tirol stark ausgeprägte Zusammenarbeit zwischen lokalen bzw. regionalen Produzenten und dem Lebensmittelhandel erweist sich in der aktuellen Situation einmal mehr als wertvoll, um regionale Produktion und Wertschöpfung zu stärken und Transportkosten zu senken. Davon profitieren besonders auch kleine und mittlere Betriebe und Nahversorger. „Diese erfolgreiche Zusammenarbeit muss fortgesetzt und weiter ausgebaut werden, um heimische Produzenten und den Handel zu stärken und den Konsument:innen leistbare, qualitativ hochwertige Lebensmittel anbieten zu können.“, betont Mair. Auch das Thema Lebensmittelverschwendung dürfe nicht unbeachtet bleiben. Im Lebensmittelhandel konnte der Anteil jener Waren, die entsorgt werden müssen, auf rund ein Prozent gesenkt werden. An einer weiteren Verringerung dieses Wertes werde permanent gearbeitet. Privathaushalte können mit einfachen Maßnahmen ebenso mehr aus ihrem täglichen Einkauf herausholen.

Rohstoffe: Wertstoffe durch konsequentes Recycling erhalten

Produktionsengpässe und unterbrochene Lieferketten führen letztlich auch zu einem verknappten und verteuerten Angebot an Verpackungsmaterial, insbesondere bei Papier, Karton, Holz, Glas und Weißblech. „Neben dem ökologischen Aspekt ist es gerade jetzt ein Gebot der Stunde, Wertstoffe richtig zu trennen und zu sammeln, um sie im Recyclingkreislauf und damit verfügbar zu halten“, appelliert Wedl an die Konsument:innen. Die Recyclingquote sei in Österreich bereits hoch, jede und jeder Einzelne könne einen wichtigen Beitrag leisten, dieses Niveau zu halten und noch weiter zu steigern. Denn jede Verpackung, die wiederverwertet werden kann, muss nicht neu und kostenintensiv hergestellt werden.

Zukunft kleiner und mittlerer Nahversorger muss jetzt abgesichert werden
Stefan Mair, Obmann des Tiroler Lebensmittelhandels (r.), und sein Stellvertreter Lorenz Wedl (l.) fordern gezielte Unterstützungen für ihre Branche, damit Betrieb und Arbeitsplätze abgesichert werden können.

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