„Wenn wir nicht positiv denken, könnten wir es gleich lassen“

Susanne Neuhauser leitet mit ihrem Bruder das Familienunternehmen Idealtours und erzählt im Gespräch, wie es der Reisebranche nach eineinhalb Jahren Pandemie geht und warum der Reiseveranstalter künftig nicht mehr gendert.

Mussten bzw. müssen Sie härter arbeiten als Ihr Bruder Christof Neuhauser, um als Geschäftsführerin ernst genommen zu werden?

Susanne Neuhauser: Das ist eine gute Frage. Ich würde nicht sagen, dass ich härter arbeite. Wir haben unterschiedliche Aufgabenbereiche, in die jeder seine Stärken einbringt: Christof ist für finanztechnische und digitale Themen sowie die Produktentwicklung zuständig, mein Bereich ist Personalmanagement und Organisationsentwicklung. Da gibt es wenig Überschneidungen.

Warum gibt es so wenige Frauen an der Unternehmensspitze?

Wenn ich das in unserem Unternehmen beobachte, dann haben wir in Führungspositionen auch eher Männer, obwohl unsere Branche eine weibliche ist. Wenn man als Frau Mutter wird, fällt man aus dem Karriereprozess raus – je nachdem, für wie lange man in Karenz ist, geht Frauen dadurch Zeit verloren. Meiner Erfahrung nach ist es so, dass Mütter oft nicht in Vollzeit zurückkehren. Zwar gibt es bei uns auch Führungskräfte, die in Teilzeit arbeiten. Das ist aber schwieriger mit den Aufgaben zu vereinbaren. Grundsätzlich sehe ich bei vielen Frauen Führungspersönlichkeit.

Idealtours hat angekündigt, in Katalogen künftig nicht mehr zu gendern, sondern die rein weibliche Form zu verwenden. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Es geht um ein Umdenken. Unsere Marketingabteilung hat sich mit den Genderformen auseinandergesetzt und wie wir diese in den Katalogen möglichst einfach umsetzen können. Ich habe dann beschlossen, dass wir die rein weibliche Form verwenden mit dem Hinweis, dass auch Männer und Diverse mitgemeint sind. 85 Prozent unserer Kund:innen, die die Kataloge in die Hand nehmen, sind weiblich: es sind die Frauen, die Urlaubsentscheidung in der Partnerschaft oder Familie treffen. Auch die Reisebranche selbst ist zu 90 Prozent weiblich. Es ist also letztlich eine logische Entscheidung, entsprechend zu formulieren.

Der Reisesektor hat die Folgen der Pandemie ohne Zweifel sehr stark zu spüren bekommen. Wie geht es der Branche derzeit?

Wir haben eine halbwegs gute Sommersaison abwickeln können und sind zufrieden, was die Auslastung betrifft. Das Gesamt- Volumen liegt zwar nur bei rund 50 Prozent des Vor-Krisen-Niveaus, aber es fühlt sich nach dieser langen Durststrecke im letzten Jahr gut an. Gerade sind wir ja bereits bei der Entwicklung der Kataloge und Produkte für das nächste Jahr. Wir müssen daran glauben, dass es wieder anläuft – wenn wir nicht positiv denken, könnten wir es gleich lassen.

Wie wird sich das Reiseverhalten angesichts des Klimawandels und Klimabewusstseins ändern und wie bereite Sie sich darauf vor?

Ich nehme nur marginal wahr, dass Kund:innen bei der Reiseentscheidung aufs Klima schauen. Es gibt ja schon seit Jahren den Co2-Ausgleich, den man etwa für Flugreisen tätigen kann, dieser wird aber so gut wie nie angenommen. Grundsätzlich bieten wir viele Busreisen an, die mit einem kleineren Co2-Abdruck ökologisch sehr interessant sind. Die gilt es für all jene zu attraktiveren, die auf Klimaschutz achten. Aktuell besteht von Kund:innenseite aber nicht der Druck, dass wir unser Portfolio nachhaltiger gestalten müssen.

Warum sollte man seinen Urlaub noch über einen Reiseveranstalter buchen?

Gerade in Krisenzeiten sind wir als Reisebüro sehr gefragt, weil man einen persönlichen Ansprechpartner hat. Außerdem sind unsere Produkte auch online buchbar. Das hat im letzten Jahr zwar stark zugenommen, macht aber nach wie vor nur einen kleinen Teil aus. Als diejenigen, die Urlaubsfreude verkaufen und verkörpern, wollen wir es nicht zu sehr betonen, aber: Treten Probleme auf, sind wir erreichbar und lösen sie.

Vielen Dank für das Gespräch!

Zur Person:

Susanne Neuhauser ist Geschäftsführerin von Idealtours, Tirols größtem Reiseveranstalter. Sie führt das 1976 gegründete Familienunternehmen gemeinsam mit ihrem Bruder, Christof Neuhauser.

„Wenn wir nicht positiv denken, könnten wir es gleich lassen“
Susanne Neuhauser fürt Idealtours gemeinsam mit ihrem Bruder Christof.

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