Zurück nach Hause

Trotz spannender Jobangebote kehrte Michaela Hysek-Unterweger 2011 in ihre Heimat Osttirol zurück, um das Familienunternehmen Unterweger Früchteküche zu übernehmen. Was das für sie bedeutet, erzählt sie im Interview.

Was bedeutet es für Sie, die unternehmerische Familiengeschichte weiterzuführen?

MICHAELA HYSEK-UNTERWEGER: Ich bin mit diesem Unternehmen aufgewachsen, wir haben immer am Firmengelände gewohnt und tun das heute noch. Ich bin zuerst weggegangen und habe nach dem Studium in der Tourismusberatung begonnen. Zwar hatte ich spannende und lukrative Jobangebote, aber ich hätte es mir nie verzeihen können, wenn ich die Weiterführung des Unternehmens nicht wenigstens probiert hätte.

Was war der beste Ratschlag, den Sie als Unternehmerin bekommen haben?

Ein Freund hat mir empfohlen, nicht nur auf Innovation und Marketing zu schauen, sondern auch laufend einen kritischen Blick auf die Finanzen zu haben. Als Selbstständige hat er mir auch geraten, besonders in den ersten Jahren nicht den Blick auf die Steuer und die Versicherungen zu vergessen.

Was unterscheidet die jetzige Unternehmergeneration von der vorherigen?

Ich glaube nicht, dass es einen objektiven Unterschied gibt. Aber die Umstände sind ganz andere. Als mein Vater 1972 als Geschäftsführer ins Unternehmen einstieg, war Österreich noch von Grenzen mit Zöllen umgeben, und die Preise wurden in der paritätischen Preiskommission fixiert. Wir haben einen größeren, freieren und damit auch ungeschützteren Markt, mehr Chancen und mehr Risken. Und das prägt.

Was sind Ihrer Meinung nach die Besonderheiten des Wirtschaftsstandorts Osttirol?

Für Industriebetriebe ist die abgelegene Lage von Osttirol immer schwierig. Ein großer Vorteil liegt aber in der generellen Arbeitseinstellung hier bei uns: Die, die arbeiten wollen, wollen das (meistens) auch ordentlich. Allerdings leiden natürlich auch wir unter dem generellen Fachkräftemangel – trotz immer noch hoher Arbeitslosigkeit. Viele Osttiroler, die eine weiterführende Ausbildung machen, müssen dafür nach auswärts gehen und kommen dann nicht mehr zurück.

Was würden Sie machen, wenn Sie nicht das Familienunternehmen übernommen hätten?

Ich würde mich erstens wahnsinnig ärgern, dass ich es nicht getan habe, und das vermutlich mein Leben lang. Abgesehen davon wäre ich vermutlich in einer mit dem Tourismus verbundenen Funktion.

Zur Person

Nach ihrem Wirtschaftsstudium in Wien sowie beruflichen Stationen im In- und Ausland zog es Michaela Hysek-Unterweger zurück in ihre Heimat Assling in Osttirol, wo sie 2011 den elterlichen Betrieb übernahm. Seitdem leitet sie die Geschicke der Unterweger Früchteküche, die unter anderem Marmeladen, Säfte und Sirupe produziert, als Geschäftsführerin in dritter Generation.

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Michaela Hysek-Unterweger, Geschäftsführung Unterweger Früchteküche

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