Klüger werden mit ... Julia Hautz

Das Verständnis von „gutem“ Management ist oft noch von einer Führungskultur geprägt, in der allwissende und allmächtige Führungspersönlichkeiten Top-Down-Entscheidungen treffen. Kann dieses Modell in Zukunft noch funktionieren?

JULIA HAUTZ: Das beruht auf der Annahme, dass Führungskräfte über alles relevante Wissen hinsichtlich der Entwicklung des Marktes und ihrer Unternehmen verfügen. Doch unsere Welt ist geprägt von Disruption, Volatilität, exponenzieller digitaler Technologieentwicklung und kürzeren Produktlebenszyklen. Können hier wirklich einzelne, zugegebenermaßen sehr kluge Köpfe Strategien entwickeln, die auf diese rasanten und komplexen Entwicklungen reagieren und in der Lage sind Trends entsprechend zu antizipieren?

Warum ist es für Unternehmen wichtig, sich bei der Strategiefindung und anderen Entscheidungsprozessen zu öffnen und diversere Stimmen und Inputs von innen und außen zuzulassen?

Managementteams zeichnen sich oft durch ähnliche Ausbildung, Expertise und Erfahrung in ihrer Industrie aus. Das kann sehr hilfreich sein. Doch daraus entstehen ähnliche Denkmuster, festgefahrene Annahmen und Gruppendenken innerhalb von Führungsteams und ganzer Industrien. Um neue Herausforderungen und Trends frühzeitig zu erkennen, sind aber Kombinationen aus verschiedensten Wissensfeldern notwendig. Perspektiven und Ideen aus Bereichen, die auf den ersten Blick nichts mit meiner Industrie zu tun haben, bieten oft neue, gewinnbringende Möglichkeiten.

Welche Rolle spielen dabei die Mitarbeiter:innen? Sind sie nicht eine wichtige Ressource, die in klassischen Führungsmodellen oft übersehen wird?

Mitarbeiter:innen aus verschiedensten Funktionen und Abteilungen sind eine wertvolle Quelle für diverses Wissen und Ideen. Zudem scheitern mehr als 50 bis 90 Prozent aller Strategien aufgrund von fehlender interner Akzeptanz und Commitment in der Umsetzung. Open Strategy hilft auch hier. Der Telekommunikationskonzern Telefónica ermöglicht seinen 125.000 Mitarbeiter:innen, auf einer internen Netzwerkplattform konstant über die zukünftige Ausrichtung des Unternehmens zu diskutieren und Ideen und Vorschläge einzubringen. Diese finden auch tatsächlich Berücksichtigung. Strategie wird nicht von oben herab kommuniziert, die Mitarbeiter:innen sind aktiver Teil davon. Dieses resultiert in hohem Commitment und einer schnelleren Umsetzung.

Von Unternehmen wird gefordert, grünere Geschäftsmodelle zu entwickeln und sich zu ökologisieren – viele sind damit überfordert. Kann Open Strategy dabei helfen diesen Wandel zu schaffen?

Gerade diese großen gesellschaftlichen Herausforderungen erfordern ein Hinterfragen von bestehenden Prämissen und Denkmustern, ein Zusammenspiel verschiedenster Disziplinen sowie gemeinschaftliches Engagement. Hier kann Open Strategy großen Mehrwert leisten.

Zur Person

Julia Hautz ist Professorin für Strategisches Management an der Universität Innsbruck. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich vor allem mit Unternehmensstrategien und der Öffnung von Strategieprozessen (Open Strategy) durch digitale Technologien.

Buchtipp

Julia Hautz, Kurt Matzler, Christian Stadler, Stephan Friedrich von der Eichen,
Open Strategy – Mastering Disruption from Outside the C-Suite, MIT Press, 296 Seiten

Klüger werden mit ... Julia Hautz
Univ.-Prof.in Julia Hautz ist Professorin für Strategisches Management an der Universität Innsbruck

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