Gemeinden setzen auf das Rad

Das Rad als klimafreundliches und alltagstaugliches Verkehrsmittel stärken – das ist das Ziel der 17 PRO-BYKE Gemeinden in Tirol. Gemeinsam mit Klimabündnis Tirol haben sie einen mehrstufigen Prozess durchlaufen, um Gefahrenstellen und Potenziale für das Rad herauszufinden.

In Tirol wird die Hälfte aller Wege mit dem privaten PKW zurückgelegt. Das belastet das Klima und rückt die angestrebte Klimaneutralität in weite Ferne. In 50 Prozent der Fälle handelt es sich dabei um Fahrtstrecken, die kürzer sind als fünf Kilometer. Eine Distanz, die einfach mit dem Fahrrad zurückgelegt werden kann, so der Klimabündnis-Geschäftsführer Andrä Stigger. „Viele Gemeinden leiden unter einer starken Verkehrsbelastung. Gleichzeitig wird aber die Infrastruktur fürs Radfahren vernachlässigt. Zukunftsfähige Verkehrspolitik muss den Spieß umdrehen und Vorteile für Radfahrende schaffen“, meint Stigger. Das Klimabündnis Tirol bietet deshalb seit 2018 das Beratungsprogramm PRO-BYKE an, gefördert von der Abteilung Mobilitätsplanung des Landes Tirol und dem Verkehrssicherheitsfond. 17 Tiroler Gemeinden haben bereits teilgenommen und einen Maßnahmenplan verabschiedet: Alpbach, Brixlegg, Haiming, Inzing, Kössen, Kufstein, Landeck, Münster, Nassereith, Roppen, Reutte, Schwaz, Sölden, Volders, Virgen, Wattens und Zirl.

Was macht eine radfreundliche Gemeinde aus?

Gibt es durchgehende Radverbindungen in unserer Gemeinde, wo auch Kinder gefahrlos unterwegs sein können? Wer ist in der Gemeinde für Radverkehrsanliegen zuständig und wie werden Verkehrsbelange diskutiert? Wo sind Gefahrenstellen für Radfahrende und wie können sie entschärft werden? Das sind nur einige Fragen, denen sich Gemeinden auf dem Weg zu PRO-BYKE stellen. Zu Beginn des Prozesses wird ein Radteam gebildet, das sich sowohl aus Gemeindevertreter:innen, als auch aus interessierten Privatpersonen zusammensetzt, die im Alltag mit dem Rad unterwegs sind. „Es ist uns wichtig, möglichst viele Menschen ins Boot zu holen, um herauszufinden, was die Radfahrenden in einer Gemeinde wirklich brauchen“, erklärt Maria Legner von Klimabündnis Tirol die Idee. Das Radteam kümmert sich, mit der Unterstützung von Klimabündnis Tirol, um die Umsetzung von radfreundlichen Maßnahmen im Ort. Durchschnittlich werden 30 Maßnahmen pro Gemeinde beschlossen, die Hälfte davon wird innerhalb von ein bis zwei Jahren umgesetzt. So sind schon zahlreiche Vorzeigebeispiele in Tirol entstanden.

Von A wir Alpbach bis Z wie Zirl

PRO-BYKE Gemeinden der ersten Stunde waren Brixlegg, Landeck, Schwaz, Virgen und Wattens. 2019 und 2020 folgten Reutte, Inzing, Volders, Zirl, Alpbach und Haiming ihrem Beispiel. Und zuletzt haben sich weitere fünf Gemeinden auf den Weg zum radfreundlichen Ort gemacht: Nassereith, Roppen, Sölden, Münster, Kössen und die Stadt Kufstein. Ihnen allen ist gemein, dass sie – neben dem Radteam – auch eine Ansprechperson in der Gemeinde für den Radverkehr benennen, bei der Anliegen aus der Bevölkerung eingebracht werden können. Außerdem braucht es eine Vision und im besten Fall ein eignes Budget für den Radverkehr, um wirklich eine Veränderung zu bewirken, weiß Projektleiterin Maria Legner: „Verbesserungen für den Radverkehr müssen nicht unbedingt viel kosten. Außerdem gibt es aktuell hohe Fördersätze von Land und Bund mit bis zu 80 Prozent zum Ausbau der Radinfrastruktur, sowie für die Umsetzung von Planungsarbeiten.“

Auch für das kommende Jahr können sich Gemeinden für eine PRO-BYKE Radberatung, gefördert von Land Tirol, bewerben. Infos unter tirol.klimabuendnis.at

Highlights aus den PRO-BYKE Gemeinden

  • Alpbach: Die Radbeauftragte und Bauhof-Leiterin Renate Candlin fährt mit ihrem Lasten-Dienstrad durch die Gemeinde und bietet Radkurse für Schüler:innen an.
  • Brixlegg: Die Gemeinde hat bereits eine Beschilderung der innerörtlichen Radrouten umgesetzt. In Planung ist nun eine Begegnungszone im Zentrum, die weitere Vorteile für Radfahrende bringt.
  • Haiming: Im Rahmen des PRO-BYKE Prozesses wurde Augenmerk auf eine gefährliche Kreuzung in der Gemeinde gelegt. Diese soll nun entschärft werden. Einen Testlauf gab es bereits heuer während der Europäischen Mobilitätswoche im September.
  • Inzing: Ein engagierter Verkehrsausschuss kümmert sich in der Gemeinde um die Umsetzung und Evaluierung des PRO-BYKE Maßnahmenplans.
  • Kufstein: Für die Region Kufstein und Umgebung soll mit der Genossenschaft „Kufstein mobil“ eine regionale Kompetenzstelle entstehen. Die zweitgrößte Stadt Tirols arbeitet außerdem an einer stetigen Verbesserung der wichtigsten Radrouten: In den nächsten Jahren entstehen Fahrradstraßen, getrennt geführte Radwege und Mehrzweckstreifen.
  • Schwaz: In Zusammenarbeit mit umliegenden Gemeinden ist ein regionales Radverkehrskonzept in Ausarbeitung.
  • Virgen: Im Mai organisierte die Gemeinde die Verkehrssicherheitstage mit vielen Infos rund ums sichere Radfahren, Workshops, Teststationen für E-Bikes, uvm.
  • Volders: Auf der vielbefahrenden Hauptstraße der Gemeinde ist ein Mehrzweckstreifen in Planung. Das soll sowohl die Sicherheit von Radfahrer:innen, als auch die Achtsamkeit der PKW-Lenker:innen erhöhen.
  • Wattens: Die Marktgemeinde hat untere anderem ein besonders schönes Projekt mit sozialem Charakter ins Leben gerufen: Für das Altenheim stehen Fahrrad-Rikschas zur Verfügung, mit denen Freiwillige mit den älteren Personen einen Rad-Ausflug unternehmen können.
  • Zirl: Die Vorzeigegemeinde kann gleich zwei Radbeauftragte vorweisen: Mike Winkler und David Grißmann. Gemeinsam mit dem Radteam haben sie sich eine durchgehende Beschilderung der Radrouten in Zirl vorgenommen.
  • Die frischgebackenen PRO-BYKE Gemeinden Münster, Kössen, Roppen, Sölden und Nassereith sind dabei die ersten Schritte umzusetzen und für 2022 zu budgetieren.
Gemeinden setzen auf das Rad
von links: Klimabündnis-Geschäftsführer Andrä Stigger, Radkoordinator Klaus Lasser, Vizebürgermeister Horst Wessiak und Teresa Kallsperger vom Land Tirol.

Beitrag teilen:

Werbung

Newsletter

Wir informieren Sie kostenlos und wöchentlich über
Tirols Wirtschaftsgeschehen

Bitte JavaScript aktivieren, um das Formular zu senden