Der Wert der Verpackung

Die Zukunft gehört Karton. Als Verpackung im Regal oder als Versandbox für Onlineshopper ist er nicht mehr wegzudenken und hat in vielen Bereichen Plastik komplett verdrängt. Dazu trägt auch Dinkhauser Kartonagen bei. Das Tiroler Traditionsunternehmen bringt 170 Jahre Know-how mit – und ist damit aktueller denn je.

Egal ob Sportartikel, Chips oder Toilettenpapier: Seit die Pandemie um sich greift, scheint ein Erzeugnis nach dem anderen mit Engpässen geschlagen zu sein. Doch kaum eine Branche ist aktuell so universell gefragt wie Verpackungen – insbesondere Versandkartons. Kein Wunder, denn der Onlineversand erlebt auch mit dem mittlerweile vierten Lockdown einen gewaltigen Boom.

Das betrifft zum einen natürlich Marktgrößen wie Amazon und Zalando, aber auch mittelständische Player und Hersteller von Markenprodukten zusehends. Zum anderen erleben aber auch die Produzenten von Premiumverpackungen Hochkonjunktur und alle damit verbundenen Herausforderungen – nicht zuletzt das Tiroler Familienunternehmen Dinkhauser Kartonagen in Hall.

VERPACKUNG MIT HIRN

„Das spüren wir natürlich auch deutlich“, bestätigt Stefan Lerchner, Mitglied des Management Teams am Standort Hall. Von einem plötzlichen Boom will er aber nicht sprechen. „Das ist ein langfristiger Trend, und wir haben uns zum Glück über Jahre und Jahrzehnte ein solides Fundament und damit verbundenes Know-how aufgebaut“, versichert er. Denn anders als auf den einfachen, braunen Karton hat sich Dinkhauser Kartonagen auf das Premiumsegment spezialisiert: Verpackungen mit Hirn, durchdachtem Design und Funktionalität jenseits der einfachen Versandhülle. Und auch diese sind gefragter denn je.

VORAUSGEDACHT

In diesem Bereich hat das Haller Verpackungsunternehmen lange Tradition. Selbstklebeverschlüsse, wie sie heute gang und gäbe sind, hat das Tiroler Unternehmen bereits 1997 auf den Markt gebracht – als zweiter Anbieter im deutschsprachigen Raum und ein Jahr, bevor Amazon die europäische Bühne betreten hat.

Und auch heute ist man darauf bedacht, seinen Vorsprung auszubauen: Insgesamt 13 Entwickler arbeiten eng mit Kunden zusammen, um genau die Verpackung zu entwerfen, die für den spezifischen Bereich ideal ist. „Zudem investieren wir jährlich rund sechs Prozent unseres Umsatzes wieder in unseren Standort“, erklärt Lerchner. „Damit garantieren wir, dass wir technologisch immer am neuesten Stand sind.“

HERAUSSTECHEND

Das ist auch nötig. Denn Verpackung hat mittlerweile eine völlig neue Wertigkeit, ist er überzeugt. Zum einen sei das Bewusstsein der Konsumenten gestiegen – „zum Glück“, sagt er. „In einer Verpackung stecken Energie und Rohstoffe – auch wenn sie 100 Prozent recyclingfähig ist –, mit denen es sorgfältig umzugehen gilt, ebenso wie Know-how, Arbeit und Kreativität. Dessen sind sich Endverbraucher zusehends bewusst.“ Zum anderen haben Schachteln, Boxen und mehr neben dem funktionalen auch ganz klaren Repräsentationswert in der Flut an Waren, der sich Käufer ebenso wie Anbieter mittlerweile gegenübersehen. Um das eigene Produkt unter den etwa 10.000, die sich im durchschnittlichen Supermarkt finden, hervorzuheben, braucht es etwas Besonderes. Egal ob Design, Druck oder Formgebung. Denn: „Schlussendlich ist die Verpackung das, was der Kunde im Laden kauft und mit nach Hause nimmt.“

E-COMMERCE-BOOM

Dazu kommen mittlerweile die völlig neuen Herausforderungen, die der Onlinehandel mit sich bringt. Auch hier war das Traditionsunternehmen an vorderster Front. Bereits in den 1990ern tätigte das Unternehmen große Investitionen in diesem Bereich, noch bevor es den Begriff E-Commerce überhaupt gab und die Entwicklung in dieser Form absehbar war. „Und auch die Technologie war damals völlig neu. Wir haben uns das heutige Know-how gemeinsam mit unseren Kunden über Jahre erarbeitet und anfänglich viel Lehrgeld bezahlt“, berichtet Lerchner.

Doch der Glaube an das Segment und der lange Atem haben sich bezahlt gemacht: Heute baut eine Vielzahl von  Kunden aus ganz Europa, vom Kosmetikhersteller über bekannte Namen aus der Berliner Start-up-Szene bis hin zum größten Versandhändler der Niederlande, auf Kartons aus Tirol. Für Amazon produziert Dinkhauser Kartonagen aktuell aber nicht – und das mit gutem Grund: „Bei solchen Konzernen geht es nur um reine Massenfertigung und Replikation“, weiß Lerchner. „Das widerspricht unserem Ansatz und unserer Kernkompetenz, gemeinsam mit Kunden zu erarbeiten, was sie wollen, was nötig und möglich ist und wie wir einen gemeinsamen Weg finden können, das umzusetzen.“

KOSTENOPTIMIERUNG

Denn das ist es, worin das Unternehmen brilliert. Auch im Onlinehandel ist Verpackung deutlich mehr als ein reiner Transportcontainer. Grundsätzlich geht es dabei immer um Effizienzsteigerung und Kostenreduktionen. Das beginnt bereits beim Packvorgang: Die Kartons müssen zur Lieferung und Lagerung so platzsparend wie möglich sein, aber zugleich mit wenigen Handgriffen einsatzbereit gemacht werden können – und zwar so, dass sie immer gleich aussehen und immer ein hohes Maß an Stabilität bieten. Ein ebenso immer wichtigeres Thema ist das Volumen. „In Deutschland enthalten Onlineshoppingpakete im Schnitt 50 Prozent Luft“, erklärt Lerchner. „Das heißt, dass jeder zweite Zustellwagen umsonst fährt – nur weil es bisher total egal war, wie groß die Box ist.“

SCHÜTZENDE HÜLLE

Das ändert sich mittlerweile allerdings, da der Druck, so reduziert wie möglich zu verpacken, vonseiten der Kunden und Kurierdienstleister zunehmend steigt. Das ist jedoch ein Balanceakt, denn Verpackung muss nicht nur platzsparend, sondern auch sicher sein und repräsentativ beim Kunden ankommen. „Gerade bei Markenprodukten darf man sich keine Fehler erlauben“, meint Lerchner. „Als Unternehmen ist es wichtig, zu vermeiden, dass mein Produkt Kunden Ärger oder zusätzlichen Aufwand verursacht.“ Das wäre nicht nur dem Einkaufserlebnis abträglich, sondern auch dem Wohlwollen, das Kunden der Marke entgegenbringen – und das sich im Positiven wie im Negativen wie ein Lauffeuer auf Social Media verbreiten kann.

AUSPACKERLEBNIS

Genau dieses Erlebnis ist der zweite Kernaspekt bei E-Commerce-Verpackungen. Denn beim Onlineshopping treten das Erhalten und Auspacken der Bestellung zumindest teilweise anstelle des Einkaufserlebnisses. „Ersetzen kann das beispielsweise einen Drogeriebesuch natürlich nicht“, weiß Lerchner. Aber das müsse es auch nicht.

An dessen Stelle tritt eine neue Erfahrung: das möglichst einfache, aber genussvolle Öffnen des Pakets, das Stöbern darin, um die bestellten Artikel zu entdecken, und mehr. Deswegen müsse die Verpackung eine Geschichte erzählen und zugleich Informationen bieten – „um auch hier ihren vollständigen Wert zu nutzen. Denn schlussendlich ist der Karton das einzige Marketingmaterial, das Kunden mit 100-prozentiger Garantie erreicht“.

KRISENKONSEQUENZEN

All das macht die Verpackungsindustrie zu einer überaus kreativen Branche mit großem Wachstumspotenzial. Sorgenfrei ist das Kartonagenbusiness aber definitiv nicht. Denn die Krise macht sich auch hier deutlich bemerkbar. Zum einen kämpft Dinkhauser Kartonagen, so wie alle anderen, mit stark steigenden Rohstoffpreisen und einer generellen Papierknappheit. Denn insbesondere der Onlineboom hat die Recyclingketten ordentlich durcheinandergewirbelt. Wurden früher 100 T-Shirts in einem Karton an den lokalen Handel geliefert, geschah das in einem Karton, der direkt nach der Entladung wieder dem Wiederverwertungszyklus zugeführt wurde.

Aktuell sind es in vielen Fällen 50 oder gar 100 Kartons, die direkt an den Endverbraucher gehen. Dort liegen die Schachteln mitunter ein bis zwei Wochen, bis sie ihren Weg ins Recycling finden.

FÜR NACHWUCHS GESORGT

Zusätzlich erschwert hat die Pandemie den ohnehin omnipräsenten Fachkräftemangel. Als Ausgezeichneter Tiroler Lehrbetrieb bildet Dinkhauser Kartonagen selbst insgesamt acht Lehrberufe aus. „Talente für die Zukunft zu finden, ist schwierig – aber enorm wichtig“, sagt Lerchner. „Neue Maschinen sind schnell gekauft. Aber im Premiumsegment braucht es Leute, die die Prozesse so beherrschen und den sportlichen Ehrgeiz mitbringen, das Maximum herauszuholen.“ Gerade im Hinblick darauf, dass der Markt nicht nur quantitativ wächst, sondern auch in die Breite, könnte das sonst zum limitierenden Faktor werden.

Denn der Onlinehandel ist hochdynamisch und damit auch die Vielfalt der benötigten Verpackungen. Waren es vor zwölf Jahren noch primär CDs und Bücher, die verschickt worden sind, kommen heute Heimwerkerbedarf, Lebensmittel, Getränke und mehr mit der Post – allesamt mit besonderen Anpassungen an die Verpackung. „Das macht die Branche herausfordernd“, sagt Lerchner. „Aber auch spannend. Ich habe hier vor 17 Jahren angefangen und lerne noch immer jeden Tag etwas dazu.“

Dinkhauser in Zahlen

  • 1848 gegründet, betreibt Dinkhauser Kartonagen heute in 5. Generation 3 Standorte in Österreich, Deutschland und der Schweiz.
  • Insgesamt verfügt das Unternehmen über rund 70.000 m2 Produktionsfläche
    30.000 – oder etwas mehr als vier Fußballfelder – davon am Standort Hall.
  • Rund 350 Mitarbeiter aus 35 Nationen produzieren jeden Tag 30 neue Produkte und insgesamt ca. 1,5 Millionen Verpackungen – rund eine für jeden Österreicher pro Woche.
  • 70 % dieser Erzeugnisse werden in alle Länder Europas ebenso wie nach Übersee exportiert.

  • Dinkhauser3

    Dank zweier Fotovoltaikanlagen ist die Produktion klimaneutral

  • Dinkhauser2

    Insgesamt verfügt das Unternehmen über rund 70.000 m2 Produktionsfläche

  • Dinkhauser5

    Stefan Lerchner, Mitglied des Management Teams Standort Hall

Der Wert der Verpackung
Im Werk in Hall produziert Dinkhauser Kartonagen Verpackungen für die verschiedensten Produkte. Damit die Kartons ihre Funktion erfüllen und dem Premiumanspruch gerecht werden, muss hier alles auf den Millimeter genau stimmen.

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