Firma Geotec plant Neustart

„Die Firma brennt.“ Mit diesen Worten eines Mitarbeiters am Telefon wurde Michael Schwaiger in der Nacht von 7. auf 8. Dezember aus dem Bett geholt. Die Produktionshalle des Kunststofftechnikers Geotec in Wörgl brannte nach einem technischen Defekt an einem Stromkabel bis auf die Grundmauern nieder. Und damit löste sich die Wiege des unter der Marke Aristo weit bekannten Plexiglas-Geodreicks in Rauch auf.

Ein neues Kapitel seiner Unternehmensgeschichte will der Wörgler Kunststofftechniker Geotec schreiben. Ein Feuer zerstörte im Dezember die Produktionshalle, der aktuelle Neustart ist nicht der erste.

Im ersten Moment habe er mit Schock und Tränen reagiert, schildert Geschäftsführer Schwaiger vier Monate nach dem Brand, „aber ich dachte auch: Das Tiroler Geodreieck darf nicht sterben. Dass wir die Historie nicht eins zu eins weiterschreiben werden, war mir klar.“

Es wäre nicht das erste Mal, dass sich Geotec wie ein Phönix aus der Asche erhebt – oder vielmehr aus dem Schlamm: Im August 2005 flutete das Hochwasser die Hallen. Zahlreiche Maschinen waren defekt, 35 Tonnen Geodreicke waren unbrauchbar und landeten im Müll.

Vor dem Feuer habe man rund um die Uhr produziert – die Pandemie verlangte nach Lösungen zur Abwehr der Viren. „Unsere Trennwandsysteme sind mittlerweile aus Corona herausgewachsen“, meint der 59-jährige Absamer. Neben der Abschottung von Arbeitsplätzen werde das Thema Hygiene künftig viele Sparten – darunter Hotellerie und Gastronomie – vor neue Herausforderungen stellen. Diese wolle das Wörgler Unternehmen gemeinsam mit seinen Kunden annehmen. Von den Billigproduzenten im Ausland hebe man sich in Qualität, Haptik und Design der Trennwände deutlich ab, ist Schwaiger überzeugt.

Geodreieck

Insgesamt umfasst das Angebot von Geotec und Partner­unternehmen 8000 Fertigartikel, man produziere auch Elemente für Pharmatechniker. Mit Geodreieck und Co. von Aristo erziele man die Hälfte des Umsatzes, der zuletzt bei neun Mio. Euro lag.

Neues Kapitel also, aber wo beginnen? Für 7,5 Mio. Euro soll sich bis Mitte 2022 eine neue Produktionshalle samt Geräten am Wörgler Firmengelände erheben. Bis dahin behelfe man sich mit ­Werken an sieben Standorten in Öster­reich und Bayern. „Das Wichtigste habe ich ja noch – das sind meine 40 Mitarbeiter“, erklärt Schwaiger, der seit 33 Jahren im Unternehmen arbeitet und es mit zwei Kollegen vor 18 Jahren unter dem Namen Geotec übernahm.

„Unser Glück war, dass die vorproduzierten Bestände ausgelagert waren und damit unversehrt blieben. Denn die Regale im Handel dürfen nicht leer bleiben“, meint Schwaiger. Viele der zerstörten Maschinen waren Spezialanfertigungen, teilweise haben sie Lieferzeiten von 40 bis 50 Wochen. Corona und die Einreiseregeln erleichtern es den deutschen und Schweizer Herstellern derzeit auch nicht, nach Wörgl zu kommen.

Genug Aufträge

Auf Kurzarbeit wollte man trotz fehlender Produktionshalle nicht umstellen. Aufräumen, sortieren, an den Ausweichstandorten mithelfen – „es gab ja genug zu tun“.

Eigentlich sollte im Sommer die Vorproduktion für das nächste Jahr anlaufen. Unter normalen Umständen zumindest. „Derzeit sind wir immer noch dabei, das Feuer zu löschen“, meint Schwaiger sinngemäß. „Und da werden wir noch eine Weile zu tun haben.“

Firma Geotec plant Neustart
Geotec-Geschäftsführer Michael Schwaiger schlägt nach dem Großbrand ein neues Kapitel in der Geschichte der berühmten „Geodreieck“-Firma auf.

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