Industrie sieht steigende Blackout-Gefahr

Energie-Gipfel zeigt Handlungsfelder und Lösungsansätze zur sicheren Stromversorgung und Blackoutvermeidung auf.

Die Spitzenvertreter der Industriesparten Salzburg, Oberösterreich, Steiermark, Kärnten, Tirol und Vorarlberg diskutierten kürzlich bei einem Energie-Gipfel die Handlungsfelder und Lösungsansätze zur sicheren Stromversorgung der Industrie und Blackoutvermeidung. Es zeigte sich einmal mehr, dass es eine Vielzahl von Einzelmaßnahmen – wie die Förderung für erneuerbare Erzeugungsanlagen – gibt. Es fehlt jedoch eine umfassende Gesamtstrategie für die vollständige Transformation des Energiesystems, die den notwendigen Energieinfrastrukturausbau sicherstellt und die Verbraucher in das Energiesystem intelligent einbindet.

„Blackout" Risiko

Die sichere Versorgung mit Strom ist als entscheidender Standortfaktor von größter Bedeutung. Das Risiko eines „Blackouts“ steigt aber durch unterschiedliche Einflüsse stark an. „In vergangener Zeit haben wir in verschiedenen Teilen der Welt gesehen, wie schnell die Stromversorgung zusammenbrechen kann. Auch im europäischen Strom-Verbundnetz sind wir am 8. Jänner 2021 nur knapp an einem flächendeckenden Stromausfall vorbeigeschrammt. Diese Ereignisse unterstreichen, dass dieses Thema, auf das wir schon längere Zeit hinweisen, zunehmend brisanter wird“, so Max Kloger, Spartenobmann der Industrie in der Tiroler Wirtschaftskammer.

Mehr Schaden als Lockdown

Der Spartenobmann verweist auf die enorme gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung der sicheren Stromversorgung und unbedingte Vermeidung eines Blackouts: „Würde beispielsweise an einem Wochentag um 9 Uhr der Strom im gesamten Bundesgebiet für 24 Stunden ausfallen, würde der volkswirtschaftliche Schaden laut Blackout-Simulator der Johannes Kepler Universität für Österreich bei mehr als 1,1 Mrd. Euro liegen. Vergleicht man das mit den Kosten eines Lockdowns, würde ein Tag Blackout in Österreich zirka so viel kosten, wie zwei Wochen Lockdown“, zeigt Kloger auf.

 Die Energieinfrastruktur muss ausgebaut werden

„Wenn wir ein Blackout vermeiden wollen, braucht es eine deutliche Beschleunigung der dazu notwendigen Genehmigungsverfahren für die Energieinfrastruktur und genügend gesicherte Kapazitäten, die dann Energie erzeugen, wenn es Erneuerbare nicht können. Natürlich ist die Transformation der Stromversorgung ein enorm wichtiger Beitrag, um das Ziel der Klimaneutralität zu erreichen. Viele heimische Industriebranchen arbeiten intensiv an der verstärkten Einbindung erneuerbarer Energieformen in ihre Produktionsprozesse. Grundvoraussetzungen sind dafür die uneingeschränkte Verfügbarkeit von erneuerbarer Energie zu wettbewerbsfähigen Kosten und die Gewährleistung der Versorgungssicherheit für die hochsensiblen Technologien und Anlagen der Betriebe.

Wir brauchen einen raschen, konsequenten und koordinierten Ausbau der Energieinfrastruktur, parallel zum Ausbau der Erneuerbaren und in Verbindung mit einer einfachen und praktikablen Einbindung der Flexibilitätspotenziale (Speicher, Erzeugung etc.) der heimischen Industriebetriebe. Dies hilft nicht nur in Bezug auf die Versorgungssicherheit, sondern auch, durch die Reduktion der bereitzustellenden Spitzenlast, bei der Erreichung der Klimaziele“, so der Spartenobmann.

Strategien der Industrie

Die Industriesparten der Bundesländer Oberösterreich, Steiermark, Salzburg, Kärnten, Tirol und Vorarlberg haben im Rahmen ihrer Kooperation Lösungsansätze erarbeitet und setzen gemeinsame Initiativen und Maßnahmen für eine realistische und wirtschaftsfreundliche Umsetzung der Klima- und Energiestrategie.

Industrie sieht steigende Blackout-Gefahr
Die Industrie-Spartenobmänner Michael Velmeden (Kärnten, CMS Electronic), Peter Unterkofler (Salzburg, Jacoby GM Pharma GmbH), Erich Frommwald (Oberösterreich, Kirchdorfer Unternehmensgruppe), Max Kloger (Tirol, Tiroler Rohre GmbH) und Markus Comploj (Vorarlberg, Getzner, Mutter & Cie) diskutierten in Salzburg über die drohende Blackout-Gefahr.

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