Unsicherheit hemmt Tiroler Wirtschaft

Nach einer positiven Entwicklung im ersten Halbjahr droht der Wirtschaftsmotor nun ins Stottern zu geraten - größter Unsicherheitsfaktor ist die Energie.

Die Ergebnisse des aktuellen TOP Tirol Konjunkturbarometers zeigen ein zweigeteiltes Bild der Stimmungslage in der Tiroler Wirtschaft. Im ersten Halbjahr 2022 konnten sich die Betriebe schnell von der Coronakrise erholen und auch im Sommertourismus zeichnet sich eine positive Entwicklung der Auftragslage ab. Durch die jüngsten globalen Entwicklungen werden die Zukunftsaussichten allerdings getrübt. „Wir stehen an einem Wendepunkt. Es fühlt sich an wie die Ruhe vor dem Sturm“, so der Präsident der Tiroler Wirtschaftskammer Christoph Walser.

Gedämpfte Erwartungshaltung

Gedämpfte Erwartungshaltung
„Nach einem sonnigen ersten Halbjahr ziehen nun Wolken auf“, fasst Stefan Garbislander, Leiter der Abteilung Wirtschaftspolitik und Nachhaltigkeit, die wirtschaftliche Situation im Land zusammen. „Die hohen Energiepreise, steigende Zinsen und die Inflation dämpfen die Auftragserwartung der Unternehmen für das zweite Halbjahr“, so Garbislander weiter. Während 35 % der Unternehmerinnen und Unternehmer eine Verschlechterung bis Herbst erwarten, gehen nur noch 14 % von einer Verbesserung der Auftragslage aus.

Dies spiegelt sich auch in der Einschätzung des unternehmerischen Risikos wider. Zwei Drittel der Unternehmerinnen und Unternehmer in Tirol empfinden gegenwärtig eine Zunahme des Risikos. Das drückt sich auch in der Stimmungslage aus. Der Optimismus in der Wirtschaft schwindet. Nur noch 14 % der Betriebe blicken optimistisch in die Zukunft. Zum Jahresbeginn hegten noch mehr als die Hälfte der Unternehmen positive Erwartungen. Während im Winter nur 3 % der Unternehmen pessimistisch in die Zukunft schauten, sind es nun 31 %.

Herausforderungen für die Wirtschaft

Neben den hohen Energie- und Rohstoffpreisen empfinden die Tiroler Leitunternehmen den Arbeitskräftemangel und die Lieferkettenprobleme als größte Probleme. Hinzu kommt die allgemeine Teuerungswelle, die die Kosten für Vorprodukte, Material und Rohstoffe in die Höhe treibt „Das Inflationsgespenst geht um. Steigende Rohstoffpreise zwingen Unternehmen ihre Verkaufspreise zu erhöhen“, erklärt Walser und betont: "Wichtig ist es nun, diese Spirale nach oben zu zerbrechen.“ Die effektivsten Maßnahmen gegen die Teuerung sind aus Sicht der Tiroler Leitunternehmen die Abschaffung der kalten Progression, die Energiekostenvergütung und eine geringere Belastung durch die Energieabgaben.

Endlich bauen statt ständig zu verhindern

Vor diesem Hintergrund fordert WK-Präsident Walser, dass die heimische Politik ihr Möglichstes unternimmt, um langfristig von Energieimporten unabhängig zu werden: "Tirol muss seine eigenen Ressourcen nutzen und das Potenzial der Wasserkraft, aber auch der Fotovoltaik, im Land voll ausschöpfen. Wir müssen endlich bauen, statt wie bisher ständig zu verhindern.“

Ganz allgemein sieht die Notwendigkeit, dass die heimische Wirtschaft gerade jetzt durch gezielte wirtschaftspolitsche Maßnahmen unterstützt wird. Deshalb wollen die im Wirtschaftsparlament vertretenen Fraktionen noch im August ein gemeinsames, konstruktives Foderungsprogramm vorstellen, dass den Parteien im Landhaus im Vorfeld der Landtagswahl vorgelegt wird. „In zahlreichen Bereichen hat das Land die Instrumente in der Hand, um den heimischen Betrieben in dieser schwierigen Lage zu helfen“, unterstreicht Walser.

Unsicherheit hemmt Tiroler Wirtschaft
WK-Präsident Christoph Walser (l.) und Stefan Garbislander, Leiter der Abteilung Wirtschaftspolitik, Innovation und Nachhaltigkeit, präsentieren die aktuellen Konjunkturzahlen.

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