„Eine Frage der Weltanschauung“

Aspekte wie Nachhaltigkeit und Regionalität werden auch im Lebensmittelbereich immer wichtiger. Welche Rolle dabei Innovationen spielen können und was sich künftig ändern könnte, erklärt Matthias Pöschl, Geschäftsführer der Agrarmarketing Tirol, im Interview.

Die Welt verändert sich rasend schnell – auch im Lebensmittelsektor bleibt kein Stein auf dem anderen. Wie wichtig sind Innovationen in diesem Bereich?

Matthias Pöschl: Innovation bedeutet eine gut gelungene Tradition. Sie darf aber kein Selbstzweck sein, sondern soll dem Wohle der Gesellschaft dienen. Im Lebensmittelbereich können wir dank Innovationen unser Ökosystem schützen, Biodiversität fördern und die lokalen ProduzentInnen unterstützen. Doch auch wenn neue Technologien einen positiven Beitrag leisten können, muss es unser primäres Ziel sein, mit den bestehenden Ressourcen unser Auslangen zu finden. Für uns als AMT geht es nicht zuletzt darum, der kleinteiligen Landwirtschaft in Tirol ein langfristiges Überleben zu sichern.

Welche Rolle spielen Innovationen dabei konkret?

Unter dem heutigen Primat der Ernährungssicherung bzw. -souveränität steigt der Innovationsdruck für Landwirtschaft, Lebensmittelverarbeitung und -handel beachtlich. Internationaler und nationaler Preisdruck, rasant steigende Kosten für Energie und Rohstoffe, sich verändernde Umweltbedingungen, knapper werdende Ressourcen und der Klimawandel sind dabei wesentliche Treiber. Innovationen können unter anderem einen positiven Beitrag für die Umwelt leisten und die Versorgung mit sicheren und gesunden Lebensmitteln garantieren.

Was denken Sie, was und wie werden wir in Zukunft essen?

VerbraucherInnen fordern höchste Lebensmittelqualität, verlangen Frische und Geschmack sowie gesundheitliche Unbedenklichkeit. Ernährung wird damit zunehmend zu einem Spiegel eines individuellen Lebensstils und zu einer Frage der Weltanschauung: Die KonsumentInnen wollen in Zukunft Ressourcen schonen, werteorientiert einkaufen und sich gesund ernähren. Aber auch Genuss- und Gemeinschaftserlebnisse werden beim Essen zukünftig noch stärkere Berücksichtigung finden.

Was hat Genuss mit Innovation zu tun?

Genuss bedeutet, sich mit Tradition und Innovation auseinanderzusetzen. Man darf ruhig auch mal etwas ausprobieren und von der traditionellen Spur abweichen. Durch neue Produkterlebnisse können so der kulinarische Horizont erweitert und besondere Spannungsmomente für Geist und Seele aufgebaut werden. Genau diese Aspekte wollen wir im zukünftigen Lebensmittelinnovationszentrum berücksichtigen.

Worum handelt es sich bei diesem Zentrum?

Ziel des LIZ ist es, den Innovationsgehalt und die Marktkonformität in der heimischen Lebensmittelproduktion nachhaltig zu steigern. Zur Erreichung dieses Ziels bildet das LIZ einen risikofreien Raum für Forschung, ist proaktiver Innovationsmotor in der Produktentwicklung sowie agiler Netzwerkpartner. In seiner Rolle als Vermittler bildet das LIZ außerdem die Brücke zwischen Theorie und Praxis und unterstützt mit Fachwissen und Know-how.    

Zur Info:

Das Lebensmittelinnovationszentrum (LIZ) der Argrarmarketing Tirol fungiert als Anlaufstelle für  LandwirtInnen, GastronomInnen, VerarbeiterInnen, VermarkterInnen und  KonsumentInnen.

Es besteht aus den Bereichen Genusswerk, Farmlab, Beratung und Innovation. Der Fokus des Angebots liegt auf hochwertigen, regionalen Lebensmitteln aus kleinstrukturierter
Landwirtschaft. Kleinteilige Landwirtschaft gewinnt in der Lebensmittelbranche immer mehr an Bedeutung.

  • Agrarmarketing

    Ernährung wird zunehmend zu einem Spiegel eines individuellen Lebensstils.

„Eine Frage der Weltanschauung“
„Innovation bedeutet eine gut gelungene Tradition.“ Matthias Pöschl, Geschäftsführer Agrarmarketing Tirol

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