Hörtnagl: Wachstumschancen bei Filialen und Handelsketten

Hörtnagl gehört zu den führenden fleischverarbeitenden Betrieben in Tirol. Geschäftsführer Hans Plattner setzt auf qualitätsvolles Wachstum.

Wie sieht die wirtschaftliche Situation des Familienunternehmens Hörtnagl aus?

Hans Plattner: Wie bei den meisten Unternehmen ist das geschäftliche Umfeld von der Corona-Pandemie geprägt. Wir leben in einer Phase der Planungsunsicherheit. Mit dem Geschäft mit den Handelsketten (Anm. MPreis, Spar, Billa) und in unseren Filialen sind wir zufrieden. Im Bereich der Gastronomie und Hotellerie wissen wir noch nicht, wie es wirklich weitergeht. Ich rechne jedoch schon mit einer Wintersaison, hoffentlich ist das nicht nur reiner Zweckoptimismus. Diese Unsicherheit macht die Planung beim Personal und Rohstoffbedarf schwierig. Doch daran ist man inzwischen schon gewöhnt und die langjährige Berufserfahrung hilft, solche Krisen zu meistern. Man ist einfach gelassener.

Im Einzelhandel legte Hörtnagl jedoch sicher im vergangenen Jahr zu.

Gegenüber 2019 konnten wir dort den Umsatz wegen der Sperren der Gastronomie um 15 Prozent steigern. Dafür haben wir in anderen Bereichen Umsätze verloren. Insgesamt sind wir mit einem blauen Auge davongekommen.

Wo sehen Sie Wachstumschancen für Hörtnagl?

Möglichkeiten sehen wir in allen Bereichen. Wir sind auf der Suche nach Standorten für neue Filialen und alternative Verkaufsformen wie zum Beispiel Abholmärkte. Wir arbeiten auch daran, mehr Produkte bei Handelsketten unterzubringen. Das ist zwar schwierig, aber nicht unmöglich. Denn wir sind eine starke Marke in Tirol und glauben, dadurch bei Handelsketten im eigenen Land weiter punkten zu können. Auch im Segment Gastronomie gibt es viele weiße Flecken auf der Karte in Tirol.

Wie schnell will man wachsen?

Das Wachstum soll qualitätsvoll sein, ansonsten bekommen wir Probleme mit den Rohstoffen. Sie werden knapp oder sind nicht mehr verfügbar. Denn wir kaufen diese ja nicht am Weltmarkt, sondern bei uns in der Region und Österreich.

Hörtnagl arbeitet ja eng mit Tiroler Landwirten zusammen.

Wir kooperieren gut mit der heimischen Landwirtschaft. Denn es muss jeder in der Wertschöpfungskette etwas davon haben. Der Landwirt muss von dem leben können, was er verkauft – wir als Veredler auch. Und der Kunde bezahlt gutes Geld für die Ware, daher dürfen seine Erwartungen an die Qualität nicht enttäuscht werden. Durch die Einhaltung dieser Regeln ist es uns gelungen, eine partnerschaftliche Basis in der Landwirtschaft zu erhalten und zu pflegen. Es darf niemand in der Wertschöpfungskette enttäuscht werden.

Welche Trends sehen Sie im Bereich Fleisch und Wurst?

Corona hat dazu geführt, dass oft daheim gekocht wird. Man macht sich mehr Gedanken, welches Fleisch verarbeitet wird. Es muss jetzt nicht immer nur Filet sein. Ganz wichtig ist die Frage der Herkunft und der Regionalität. Bei der Wurst hält der Trend zu fertig geschnittener und verpackter Ware an.

Hörtnagl: Wachstumschancen bei Filialen und Handelsketten
Hörtnagl-Geschäftsführer Hans Plattner vor packfertigen Frankfurtern.

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