Wie geht es eigentlich.... dem Gastrogroßhandel?

Als Zulieferer für Gastronomie und Tourismus ist auch der Großhandel stark von der Pandemie betroffen. top.tirol hat bei Lorenz Wedl, Mitglied der Geschäftsführung des Handelshaus Wedl in Innsbruck, nachgefragt, wie es der Branche aktuell geht.

Wie geht es dem Großhandel derzeit?

Die letzten zwei Jahre waren natürlich sehr herausfordernd für die gesamte Branche. Wir haben in den Lockdowns massive Umsatzeinbrüche bis hin zu Totalausfällen gehabt. Nichtsdestrotrotz haben wir die Zeit im Handelshaus Wedl auch effektiv genutzt und positive Maßnahmen ergriffen. Die Covid-Krise hat nicht nur negative Auswirkungen, sondern etwa auch, dass die Wertschätzung regionaler Lebensmittel in der Gastronomie gestiegen ist. Zudem merken wir einen klaren Trend Richtung Digitalisierung: im Bereich unseres Webshops haben wir starke Zuwachsraten, da gibt es viele positive Tendenzen. Prinzipiell ist das Handelshaus Wedl gut durch die Krise gekommen, auch wenn es eine herausfordernde Zeit war. Wir sehen aber auch positive Effekte, die wir mitnehmen wollen.

Wie kann und soll es weitergehen in der Branche?

Wir wünschen uns natürlich Normalität. Der Jänner war noch überschaubar, aber wir sehen eine gewisse Entspannung. Wenn ich mit Gastronomen rede, dann sind die Buchungen ab Feber gut, sodass es noch einen Wintertourismus geben kann. Auch die Prognosen für den Sommer sind gut. Man hat gesehen, dass sich der Tourismus schnell erholt hat, weil die Menschen sich nach Normalität lechzen und gerne auf Urlaub fahren und Essen gehen. Letzten Sommer hat die Branche sehr gute Umsätze generiert, auch wenn das die Einbußen der lockdowns im letzten Jahr hat kompensieren können.

Welche Rahmenbedingungen braucht der Großhandel?

Das wichtigste ist die Planbarkeit. Die einzige Konstante der letzten zwei Jahre war die Unplanbarkeit als Unternehmer. Was mich zermürbt hat, war die Kurzfristigkeit, mit der Lockdowns- und Lockdownenden angekündigt wurden. Wir haben Vorlaufzeiten, müssen Ware bestellen, sodass wir lieferfähig sind. Es hat massive Probleme mit der Warenverfügbarkeit gegeben nach den Lockdowns, weil die Produktionskette ins Stocken geraten ist. Wir sind immer wieder von Kapazitätsengpässen in der Logisitik, einem Mangel an Verpackungsmaterial und Ernteausfällen betroffen. Wir sind auch mit Preiserhöhungen konfrontiert. Das sind große Herausforderungen für die Branche, da muss man eng mit Lieferanten zusammenarbeiten, die Situation wöchentlich neu bewerten und schauen, dass man ein breites Lieferantennetzwerk hat, um weiter den Kunden das Sortiment bieten zu können.

Was wünschen Sie sich für die Großhandelsbetriebe?

Ich wünsch mir für die Branche, dass die öffentliche Wahrnehmung und die Politik die Unterschiede zwischen Lebensmitteleinzelhandel und Großhandel erkennt, weil sich diese Sparten maßgeblich unterscheiden. Als indirekt Betroffene haben wir keine Umsätze generiert, wurden aber lange Zeit bei den Förderungen vernachlässigt, weil wir ja offenhalten durften. Ich wünsche mir auch, dass der Stellenwert des Großhandels hervorgehoben wird: wir gehören zur kritischen Infrastruktur, weil wir auch Lieferanten von Kliniken oder Pflegeeinrichtungen sind.

Vielen Dank für das Gespräch.

Wie geht es eigentlich.... dem Gastrogroßhandel?
Lorenz Wedl, Geschäftsführung Handelshaus Wedl

Beitrag teilen:

Werbung

Newsletter

Wir informieren Sie kostenlos und wöchentlich über
Tirols Wirtschaftsgeschehen

Bitte JavaScript aktivieren, um das Formular zu senden