Die Quadratur des Dreiecks

Foto: Geotec, Axel Springer
Seit 55 Jahren wird am Firmenstandort in Wörgl eine breite Palette an Produkten produziert.

Die Quadratur des Dreiecks

Seit 55 Jahren wird am Firmenstandort in Wörgl eine breite Palette an Produkten produziert.

Durch das Geodreieck wurde die Tiroler Firma Geotec auf der ganzen Welt bekannt. Mit dem Wunsch, eigene Wege einzuschlagen, wagte Geschäftsführer Michael Schwaiger vor 16 Jahren ein Management-Buy-out.

Während der Schulzeit war es für viele ein treuer Begleiter – das Geodreieck ist seit Jahrzehnten aus dem Mathematikunterricht nicht mehr wegzudenken. Dass es ein Tiroler Original ist, wissen aber wenige. Produziert wird das Aristo Geodreieck seit 1964 von der Wörgler Firma Geotec. Geschäftsführer Michael Schwaiger übernahm die Firma nach einem Management-Buy-out. Der ausgebildete Controller, der 1988 seinen Einstand im Unternehmen feierte, übernahm die Firma 2003 vom amerikanischen Schreibwarenkonzern Sanford International, der fünf Jahre zuvor den damaligen deutschen Gesellschafter Rotring übernahm. Als ein gewinnorientiertes multinationales Unternehmen mit Shareholdern ging es Sanford International vor allem um eines – einen möglichst hohen Umsatz einzufahren, erinnert sich Schwaiger: „Die Bezahlung während dieser Zeit war gut, aber es zählten nur Gewinnergebnisse. Ich habe mir dann die Frage gestellt, ob ich das mein ganzes Leben lang machen möchte, und die Antwort war nein.“

LANGWIERIGE VERTRAGSVERHANDLUNG

Aus diesem Grund beschloss Schwaiger vor 16 Jahren, das Heft selbst in die Hand zu nehmen, und wagte den Management-Buyout. Dem gingen zähe Verhandlungen voraus. Ein halbes Jahr lang dauerten die Gespräche an, ehe sie zu einem für beide Seiten befriedigenden Abschluss führten. Aus dem anfänglichen 20-seitigen Dokument wurde am Ende ein über 1.000 Seiten langer Vetrag. Ein langer Rattenschwanz an Forderungen und Verbindlichkeiten zog die Übernahme mit sich. Eine Notwendigkeit aber, da es sich um eine Übernahme der Firma und keine Neugründung handelte.

EIN STARKES TEAM

Letztendlich sei Geotec auch so schnell auf eigenen Beinen gestanden, da zügig auf ein Vollsortiment erweitert wurde. Das Geodreieck bekam Gesellschaft und es reihten sich Lineale, Stifte, Zeichenplatten und Zirkel in die Produktpalette mit ein. Dadurch schaffte das Unternehmen, von Beginn an schwarze Zahlen zu schreiben. Auch dank dem österreichischen Handel, der die regionale Fertigung und einen österreichischen Ansprechpartner schätzte und auf den Verkauf von Aristo-Produkten setzte, konnte Geotec die Übergangsphase gut meistern. Dass alles so reibungslos über die Bühne ging, verdankt Schwaiger auch seinen Angestellten: „Ich habe meine Mitarbeiter damals versammelt und ihnen erklärt, was mein Plan ist. Es gab nie den geringsten Punkt der Sorge. Die standen alle hinter mir.“ Generell sei es ein sehr familiäres Verhältnis mit seinen Mitarbeitern. Für sie, seine „Mannschaft“, wie Schwaiger sie nennt, findet er nur lobende Worte: „Die Mitarbeiter, die ich habe, sind einfach unvorstellbar.“

EINEN EIGENEN PFAD EINSCHLAGEN

Die Übernahme habe er nie wegen des Geldes getätigt, erklärt Schwaiger. Der Schritt gab ihm aber Freiheiten, die vorher nicht da gewesen seien. Eine Philosophie zu vertreten und sein eigenes Ding zu machen, wie Schwaiger es nennt. Personen aus der Lebenshilfe als vollwertige Mitarbeiter zu integrieren und bei den Verpackungen nur auf Karton zu setzen, sei erst durch den Management-Buy-out möglich gewesen, erklärt Schwaiger. Wer selbst den Schritt zum Management-Buy-out wagen möchte, dem rät Schwaiger zu vorausschauendem Denken. Ein Alleinstellungsmerkmal und eine etablierte Marke bieten keinen Freifahrtschein, aber bessere Chancen sich auf einem immer härteren Markt zu etablieren. Bereut hat Schwaiger die Entscheidung nie: „Ich kann jetzt Dinge tun, die ich vorher nicht konnte. Ich kann mit einer super Truppe eine super Sache machen, das macht schon Spaß“, so Schwaiger.

Über Geotec

Geotec gilt als einer der größten österreichischen Dienstleister im Bereich des Schul-, Büro- und Schreibwarenhandels. Das Unternehmen produziert seit 1961 an seinem Firmenstandort in  Wörgl. Seit 1964 wird dort unter anderem das Aristo Geodreieck – eine patentierte Marke – produziert. Das Unternehmen beschäftigt derzeit 35 Mitarbeiter.

  • Geotec-Schwaiger

    „Ich kann jetzt Dinge tun, die ich vorher nicht konnte, und mit einer super Truppe eine super Sache machen.“ Michael Schwaiger, Geschäftsführer



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